Übernahme
Auch Dienste, nicht nur Lizenzen bringen Geld bei Temenos

Der Genfer Softwarehersteller kauft einen US-Softwarehersteller. Damit holt sich Temenos gleich zwei Sachen: Einerseits eine moderne Technologie. Und andererseits viele Kundenkontakte.

Matthias Niklowitz
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Temenos Gebäude

Temenos Gebäude

Keystone

Im Banking ist die Schweiz trotz Finanzkrise und Steuerskandalen weiterhin eine Grossmacht. Kaum bekannt ist, dass in der Schweiz auch eine Handvoll Softwarefirmen gedeiht, die spezielle Lösungen für Banken entwickeln.

Eine sitzt in Lenzburg: Finnova ist stark bei kleineren und mittleren Regional- und Kantonalbanken.

Ein weiteres Unternehmen arbeitet von Zürich aus: Avaloq gelangt inzwischen in der Schweiz an seine Grenzen und folgt den Installationen der Kunden auf die ganze Welt.

Ein drittes Unternehmen ist RTC in Bern, Zwar arbeiten nur wenige Banken, unter anderem die Berner Kantonalbank, mit der neusten Version der «Ibis3G»-Software, aber diese Kunden schwören, es sei die beste, die man heute bekommt. Alles ausser Kernbankenlösungen stellt Crealogix her, ebenfalls eine Zürcher Adresse. Die E-Banking- und Sicherheitslösungen gelten als erste Wahl.

Und in Genf sitzen zwei weitere. Diese haben allerdings ein weltweites Einzugsgebiet. Eri Bancaire, spezialisiert auf kleinere und mittelgrosse Banken, hat Kunden rund um die Welt.

Und Temenos: Das ist die grösste der Schweizer Softwarefirmen in diesem Marktsegment. Die ganz grossen Banken übrigens entwickeln ihre Kernbankensysteme vorwiegend selber. Diese Eigenentwicklungen sind oft über Jahrzehnte in alten Programmiersprachen wie Cobol oder PL1 gewachsen. Normalerweise rührt sie niemand an, solange sie robust läuft und ihren Dienst tut.

Banken schliessen die Verträge mit ihren Lieferanten jeweils für mehrere Jahre ab und gewöhnlich bleiben sie den Lieferanten treu. Denn die Installation und der Wechsel von einem Hersteller zu einem anderen gilt als extrem aufwändig, teuer und riskant.

Kunden muss man vielmehr kaufen, wenn man sie haben will. Das führt gelegentlich zu Firmenübernahmen, bei denen die industrielle Logik nicht auf den ersten Blick sichtbar ist.

Beim Kauf von TriNovus durch Temenos ist das nicht der Fall. Die Übernahme dieser US-Firma wurde am Freitagmorgen gemeldet. TriNovus ist Hersteller von Compliance-Lösungen und Kernbankenlösungen auf der Basis von Software als Dienstleistung.

Im Gegensatz zum üblichen und weit verbreiteten Geschäftsmodell, dass auf teuren Lizenzeinnahmen und (vergleichsweise) günstigen Wartungserträgen basiert, erwirtschaften die Amerikaner ihre Geld mit dem Vermieten von Software.

Dieses Geschäft gilt als zukunftsträchtig. Alle grossen Softwarehersteller wie Microsoft, SAP oder Oracle haben solche Software inzwischen im Katalog, aber sie haben diese Technologie meistens über den Kauf eines kleinen Spezialisten herein geholt.

Genau so macht es jetzt auch Temenos. «Neben dem technologischen Knowhow dürfte sich Temenos hauptsächlich an der Kundenbasis von 800 Finanzinstituten interessiert sein und sich in den USA dadurch klar verstärken», heisst es von den Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einer ersten Reaktion. Temenos selber erwartet einen Umsatzbeitrag zwischen 5 und 10 Prozent durch den Kauf.

«Wir halten die Übernahme für einen sehr klugen strategischen Schachzug», kommentiert Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. Die Übernahme könnte auf mittlere Frist den Umsatz von Temenos um 10 Prozent verbessern.

Positiv gestimmt ist auch ZKB-Analyst Andreas Müller. «Der schwer durchdringbare Markt, in dem Temenos bisher relativ erfolglos operierte, könnte mit neuartigen Dienstleistungen in Kombination mit der eigenen Kernbankenlösung durchaus leichter erobert werden, als in der Vergangenheit.» Denn persönliche Beziehung spielten in der Softwareindustrie immer eine wichtige Rolle. Die ZKB bezeichnet die finanziellen Auswirkungen als «gering». Beide Banken haben ihre Kaufempfehlung für die Temenos-Aktie nach der Ankündigung erneuert.