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Zweite Halbzeit der neuen Notenserie beginnt

Mit viel Aufwand hält die Schweizerische Nationalbank die Herstellung der Banknoten im Land. Die Ausgabe der neuen Notenserie geht in die zweite Halbzeit. Die 200er-Note kommt nächste Woche in Umlauf.
Daniel Zulauf
Die neuen 200er-Banknoten gelten als fälschungssicher. Das hat allerdings auch seinen Preis. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Die neuen 200er-Banknoten gelten als fälschungssicher. Das hat allerdings auch seinen Preis. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Mit der Ausgabe der 200-Franken-Scheine aus der neuen Serie lanciert die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 22. August die zweite Halbzeit des im April 2016 gestarteten Emissionsreigens. «Sehr zufrieden» zeigte sich SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg an der gestrigen Medienorientierung in Zürich mit den bisherigen Erfahrungen der drei bereits ausgegebenen Noten im Zehnerbereich. In der Ostschweiz seien zwar schon zwei gefälschte 50er-Scheine aus der neuen Serie aufgetaucht, wie SNB-Bargeldchef Beat Grossenbacher am Rande der Konferenz im Gespräch einräumte. Doch die Kopien seien in ihrer Qualität so dilettantisch gewesen, dass sie sehr schnell entdeckt wurden.

Bis heute als fälschungssicher gilt die alte Notenserie, die in den Jahren 1995 bis 1998 in Umlauf gebracht wurde und wie die neuen Noten durch aufwendige Sicherheitsmerkmale wie Hologramme auffällt. Grossenbacher sagt, es seien auch bei diesen Noten nie Fälschungen aufgetaucht, die nicht nur von Kopierautomaten, sondern von echten Druckmaschinen stammten.

Eine Milliarde Franken Kosten für die ganze Serie

Die Schweiz ist auch in puncto Notendruck eine Insel in dieser Welt. Die Nationalbank lässt sich das sichere Bargeld auch ungewöhnlich viel kosten. Rund 40 Rappen betragen die durchschnittlichen Herstellungskosten einer neuen Note. Das ist ein Drittel mehr als in der alten Notenserie. Allein die Produktion der ersten Auflage der neuen 200er-Scheine wird also mehr als 20 Millionen Franken verschlingen. Zurzeit sind 56 Millionen 200-Franken-Noten im Umlauf, was etwa 12 Prozent des gesamten Notenumlaufs entspricht. ­ Zur Lebensdauer der neuen Hightech-Noten gibt es natürlich noch keine Erfahrungswerte. Die Scheine der achten Serien blieben im Durchschnitt rund drei Jahre in der Zirkulation, bis sie ­ersetzt werden mussten. Unter der Annahme, dass dies bei den neuen Noten nicht viel anders sein wird, lässt sich mit einiger ­Sicherheit schon heute voraus­sagen, dass bis zum Ende der ­Lebenszeit der neuen Notenserie in vielleicht 20 Jahren mehr als 300 Millionen 200-Franken-Scheine gedruckt werden müssen. Die Kosten dafür lägen dann bei mindestens 120 Millionen Franken. Für die gesamte Notenserie kämen sie ziemlich exakt auf 1 Milliarden Franken zu stehen. Es liegt auf der Hand, dass sich ein derart teures Projekt nur ein Land leisten kann und will, das fest an den beständigen Wert der eigenen Währung glaubt. Dieser Glaube fusst auf den Erfahrungen mit dem Franken in den vergangenen 150 Jahren, in denen die Entwertung der Schweizer Valuta tatsächlich langsamer fortschritt als in anderen Ländern. Während in Hochinflationsländern wie Venezuela neue Banknoten schon fast im Monatsrhythmus hergestellt werden müssen, plant die Nationalbank in Dekaden.

Sie macht damit auch der einheimischen Notendruckindustrie einen grossen Gefallen. Das rentable Geschäft, das der Notendruck einmal gewesen war, ist er jedenfalls schon länger nicht mehr. Vor drei Jahren sah sich die deutsche Notendruckerei Giesecke + Devrient gezwungen, ihre Euro-Noten-Produktion in München zu schliessen und über 600 Stellen abzubauen.

«Der Preisdruck bei der Banknotenherstellung hat enorm zugenommen», erklärte Geschäftsführer Walter Schlebusch den Abbau. Anders als früher bei den D-Mark-Noten stehe Giesecke + Devrient beim Euro-Druck mit staatlich subventionierten Druckereien in Konkurrenz. Zur gleichen Zeit musste die britische Firma De la Rue ihre Fabrikation in Malta schliessen und ein Viertel der Kapazität reduzieren.

Neue Scheine befeuern das Geschäft von Orell Füssli

In jenen Jahren schrieb auch die Notendruckerei von Orell Füssli in Zürich hohe Verluste. 2013 ­betrug das Minus 25 Millionen Franken. Doch seit die Druckerpresse für die Nationalbank läuft, geht es mit Orell Füssli aufwärts. 2017 war ein Spitzenjahr im ­Sicherheitsdruck mit einem Betriebsgewinn von 20 Millionen Franken, und wenn die neue ­Serie im Herbst 2019 mit dem 100-Franken-Schein kommt, winkt ein Rekordergebnis. Der Hunderter ist die mit Abstand verbreitetste Note im Land.

125 Millionen Stück decken fast 28 Prozent des gesamten Notenumlaufs. Auch Landqart, die Herstellerin jenes Substrats, auf dem die neuen Noten gedruckt werden, konnte sich im vergangenen Jahr allein dank der Nationalbank über Wasser halten.

Wie lange die Schweizer Banknotenindustrie als autarke Insel noch bestehen kann, muss sich weisen. Zurzeit versucht man bei Orell Füssli und Landqart aus der Reputation der mehrfach preisgekrönten neuen SNB-Noten Nutzen zu ziehen und neue Kunden zu gewinnen. Doch in Zeiten, in denen die Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte nach wie vor offensichtlich ist, wie die türkische Lira-Krise zeigt, dürfte für viele Notenbanken das Preisargument bei der Lancierung neuer Noten von hoher Bedeutung bleiben.

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