Zypern-Krise
Auch Plan B steht auf unsicheren Grundlagen

Ein Solidaritätsfonds soll Zypern retten. Am Donnerstagabend wird es dazu eine Parlamentsabstimmung geben. Russland will nicht helfen. Die EZB unterstützt die Banken nur noch bis Montag.

Matthias Niklowitz
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Zustimmung der Regierung zugesichert: Der zypriotsiche Zentralbankpräsident Panicos Demetriades informierte am Donnerstag die Medien über die Zustimmung der Regierung zum neuen Rettungsplan.

Zustimmung der Regierung zugesichert: Der zypriotsiche Zentralbankpräsident Panicos Demetriades informierte am Donnerstag die Medien über die Zustimmung der Regierung zum neuen Rettungsplan.

KEYSTONE

Nach massivem Druck der EU hat die zypriotische Regierung am Mittag einen «Plan B» mit einer Alternative zur Teilenteignung der Spareinlagen vorgestellt. Kernpunkt ist eine Art Fonds. Pensionskassen, Kirche, die staatlichen Goldreserven der Zentralbank und weitere Einrichtungen sollen diesen alimentieren. Dieser Fonds soll dann spezielle Anleihen emittieren. Damit sollen 4,8 Milliarden Euro zusammenkommen. Gemäss dem Plan der EU muss die Inselrepublik 5,8 Milliarden Euro zur Rettung der Banken und Staatsfinanzen selber auftreiben. Der Plan A, ein Zugriff auf die Sparguthaben, war im zypriotischen Parlament gescheitert.

Ob das Vorhaben zustande kommt, ist offen. Es warten einige Fallstricke. Zunächst muss das Vorhaben durch den Ministerrat am späten Donnerstagnachmittag in Gesetzesform umgegossen werden. Über dieses Gesetz debattiert dann anschliessend das Parlament in Nikosia. Medienberichte weisen auf eine Zustimmung hin. Bereits am Nachmittag hatten die Vorsitzenden sämtlicher Parteien ihre Zustimmung signalisiert.

Aber auch dann ist die Krise nicht abgewendet. Denn: «Es ist unbekannt, in welcher Form diese Assets vorliegen und wie viel sie wert sind», sagt Thomas Wacker, Leiter des Credit Research bei der UBS in Zürich. «Sollte es sich beispielsweise um Immobilien in Zypern handeln, wären Käufer aufgrund der angespannten Lage des Landes wohl nur bei massiven Abschlägen bereit zu investieren.» Bereits in Griechenland war es in den letzten Jahren sehr schwierig gewesen, Käufer für lokale Assets zu finden. «Sollten diese Schulden so angelegt sein, dass sie Teil der Staatsschuld werden, sehe ich schwarz für eine Bewilligung dieses Vorgehens durch den IWF/die Eurogruppe», sagt Wacker weiter, «denn die Bedingung für das 10-Milliarden-Paket war, dass 5,8 Milliarden Euro aus rein privaten Quellen kommen und die Staatsschuld nicht belasten.»

Kredite wurden bereits schon auf solche Art besichert. «Allerdings funktioniert so etwas selten in Krisensituationen - speziell wenn die Assets einen starken Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes haben», sagt Wacker weiter.

Wenn das Umfeld unsicher ist, steigen die Kreditkosten. Bei Spanien und Italien waren 7 Prozent die alarmierende Grenze, welche die Europäische Zentralbank EZB zum Eingreifen bewegt hatte.

«Als die Krise in Irland in 2011 ihren Höhepunkt erreichte, lagen die Renditen von sogenannten «Covered Bonds», die mit irischen Immobilienkrediten besichert waren, bei rund 12 Prozent», sagt Wacker. «Wahrscheinlich lägen Renditen in diesem Fall aber tiefer, sicherlich aber im mittleren bis hohen einstelligen Bereich.» Und auch die Gasfunde im Meer südlich von Zypern würden keine unmittelbare und grosse Erleichterung bedeuten. «Ich gehe davon aus, dass man nur die Förderrechte verkaufen würde und somit die Käufer die Erschliessungkosten tragen müssten», meint Wacker. «Der Preis wäre daher aber wohl auch eher relativ gering.»