Auch Schindler, Landis+Gyr und Bossard passen wegen Coronavirus Prognosen und Dividendenausschüttungen an

Börsenkotierte Unternehmen aus der Zentralschweiz reagieren auf den Coronavirus.

Maurizio Minetti
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Bossard-Sitz in Steinhausen: Das Verbindungstechnikunternehmen halbiert die Dividende.

Bossard-Sitz in Steinhausen: Das Verbindungstechnikunternehmen halbiert die Dividende. 

Maria Schmid (19. Februar 2020)

Die Gewinnwarnungen und Dividendenkürzungen Zentralschweizer Firmen wegen dem Coronavirus häufen sich. Nachdem der Surseer Wäschehersteller Calida am Donnerstag die Prognose für 2020 gekippt und die geplante Dividende gestrichen hat, folgten am nächsten Tag der Ebikoner Lifthersteller Schindler und der Zuger Stromzählerhersteller Landis+Gyr mit negativen Botschaften.

Weniger Umsatz, weniger Gewinn bei Schindler

Bei Schindler könnte der Umsatz in Lokalwährungen dieses Jahr im schlechtesten Fall um 10 Prozent schrumpfen, im besten bliebe er stabil, je nach Dauer und Ausmass der behördlichen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Zuvor lautete die Wachstumsprognose 0 bis 5 Prozent. Schindler-CEO Thomas Oetterli hatte bereits Mitte Februar im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, dass man dieses Jahr wegen des Virus mehrere hundert Millionen Franken Umsatz einbüssen könnte.

Schindler weist zudem darauf hin, dass sich zahlreiche Währungen gegenüber dem Schweizer Franken weiter abgeschwächt haben. Die negativen Einflüsse daraus dürften deshalb grösser ausfallen als ursprünglich geplant. Ausserdem könnten wegen schneller als geplant umgesetzter Initiativen zur Effizienzsteigerung die Restrukturierungskosten auf bis zu 100 Millionen Franken steigen. Auf Ebene des Konzerngewinns rechnet Schindler mit einem Rückgang von etwa 20 Prozent. 

Auch Zuger Industriefirmen leiden

Landis+Gyr wiederum leidet nicht nur unter der Coronakrise, sondern auch unter einer Abschwächung der Nachfrage in Nordamerika. Darum erwartet der Konzern nun einen leichten Rückgang des Umsatzes um 2 Prozent (währungsbereinigt). Der bereinigte operative Gewinn auf Stufe Ebitda sowie der freie Cashflow dürften am unteren Ende der im Oktober genannten Bandbreite ausfallen oder leicht darunter. Mehrere wichtige Kunden hätten kürzlich darüber informiert, dass die Installation von intelligenten Stromzählern reduziert oder aufgeschoben werde. Der Umsatz des kommenden Geschäftsjahres könnte davon wesentlich beeinträchtigt werden, heisst es.

Am Montag schliesslich hat sich der Verwaltungsrat von Bossard entschieden, die ursprünglich geplante Dividendenausschüttung zu halbieren. Das Zuger Verbindungstechnikunternehmen teilte mit, der Schritt erfolge, nachdem man eine detaillierte Lagebeurteilung vorgenommen habe. Ziel sei es, die Verwerfungen der Krise aufzufangen und weitsichtig zu planen. Im Falle einer länger andauernden wirtschaftlichen Schwächephase gelte das Augenmerk auch der weitsichtigen Liquiditätsplanung.

Neu sollen die Aktionäre demnach je Namenaktie A 2,0 Franken erhalten statt wie Anfang März angekündigt 4,0 Franken. Im letzten Jahr waren es noch 4,5 Franken gewesen. Das Unternehmen sieht sich mit einem Eigenfinanzierungsgrad von über 40 Prozent und einem Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital von 0,7 indes solide finanziert. Die Dividendenkürzung habe somit ausschliesslich präventiven Charakter.

Es seien alle notwendigen Massnahmen ergriffen worden, um die Mitarbeitenden zu schützen und gleichzeitig das operative Geschäft zu sichern, hiess es weiter. Man zeichne sich weiterhin durch eine verlässliche Lieferfähigkeit in allen Absatzmärkten aus. Die langfristigen Folgen der Corona-Krise liessen sich derzeit allerdings nicht abschätzen.

In den ersten Wochen des laufenden Geschäftsjahrs habe sich Bossard gut behauptet. So habe die Ebit-Marge nach den ersten zwei Monaten im oberen Bereich der anvisierten Bandbreite von 10 bis 13 Prozent gelegen. Die akute Verschärfung der Corona-Krise in nahezu allen Industrieländern habe jedoch das Marktumfeld entscheidend verändert. Es sei nicht abzuschätzen, wie schnell sich die einzelnen Volkswirtschaften im laufenden Jahr und darüber hinaus erholen würden.