Eisenbahnbau
Auch Stadler beobachtet den Kampf um Alstom

Beim Übernahmekampf um Alstom sieht Stadler-Chef Peter Spuhler General Electric im Vorteil. Ein möglicher Zusammenschlusses der Bahneinheiten von Alstom und Siemens zu einem neuen europäischen Bahngiganten beunruhigt ihn kaum.

Marc Fischer
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Volle Halle, leere Bücher: Stadler Rail braucht dringend neue Aufträge. WALTER BIERI/KEYSTONE

Volle Halle, leere Bücher: Stadler Rail braucht dringend neue Aufträge. WALTER BIERI/KEYSTONE

Natürlich treibt ihm die Frage ein Lächeln aufs Gesicht. Wie immer, wenn man Firmeninhaber auf einen Firmenverkauf anspricht. Denn dann geht es ums grosse Geld. Der Firmenverkauf wäre quasi Zahltag für Peter Spuhler. Für ihn, der aus einem Provinzunternehmen mit zwanzig Nasen in 25 Jahren einen global agierenden Bahnbau-Konzern mit über 6000 Mitarbeitern und 2,5 Milliarden Umsatz im Jahr 2013 gemacht hat.

SBB-Auftrag: In der Schwebe

In diesem Jahr hat Stadler Rail schon Bestellungseingänge in der Höhe von knapp 2 Milliarden Franken gemeldet. Darin enthalten ist auch der 980-Millionen-Franken-Auftrag für die Lieferung von 29 neuen Gotthardschnellzügen für die SBB. Es besteht die Möglichkeit, dass die SBB später noch weitere Einheiten bestellen. Nachdem die Bundesbahnen Stadler Rail den Zuschlag gegeben hatte, haben aber die Mitkonkurrenten Alstom und Talgo Rekurs beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Nun liegt der Ball bei Stadler und den SBB. Beide müssen bis zum 16. Juni ihre Stellungnahmen zum Rekurs einreichen. Spuhler zeigte sich gestern zuversichtlich, dass er und seine Anwälte die Argumentation der Rekursführer widerlegen können und Stadler Rail so den definitiven Zuschlag für diesen wichtigen Auftrag trotz des juristischen Scharmützels erhalten wird. (FHM)

Kaum Skaleneffekte

Aber nein, so Spuhler gestern am Firmenhauptsitz in Bussang, an einen Verkauf sei nicht zu denken. Doch das Gerangel um den französischen Industriekonzern Alstom, der ebenfalls im Bahngeschäft tätig ist, verfolge er genau. Und er weiss: Wenn General Electric (GE) das Rennen machen würde, dann würde die Zugsparte von Alstom plötzlich als eigenständiges Bahnbauunternehmen mit einer prall gefüllten Kriegskasse dastehen. GE hat ja 16,8 Milliarden Dollar für die Alstom-Teile ohne die Zugssparte geboten. Stadler könnte also locker übernommen werden, theoretisch.

Aus industrieller Logik machen solche Zusammenschlüsse aber nur bedingt Sinn. Denn wie Spuhler gestern ausführte, können bei der Produktion von Kapitalgütern kaum Skaleneffekte erzielt werden. Auch die Vorstellung eines Zusammenschlusses der Bahneinheiten von Alstom und Siemens zu einem neuen europäischen Bahngiganten beunruhigt Spuhler nur wenig. Der deutsche Industriekonzern nimmt im Bieterrennen um Alstom ja auch Teil. Im Gegenteil: Siemens und Alstom wären im Fall einer Fusion für einige Zeit mit der Integration der beiden Einheiten beschäftigt. Das heisst: Die dadurch absorbierten Manager-Kapazitäten würden im täglichen operativen Geschäft fehlen, woraus Stadler Rail im Kampf um neue Aufträge einen Vorteil erwachsen könnte.

Und neue Aufträge braucht Stadler Rail dringend. Denn die mehr als 6000 Mitarbeiter wollen beschäftigt werden. Dazu braucht es pro Jahr neue Bestellungen von mindestens 2 Milliarden Franken. Derzeit sogar noch mehr, weil 2011 und 2012 wegen der europäischen Schuldenkrise und der Währungsturbulenzen bei Stadler die Bestellungen eingebrochen sind. Im Moment sieht es zwar nicht schlecht aus. «Dieses Jahr könnte es sogar zu einem Rekordauftragseingang kommen», so Spuhler gestern. Das steht und fällt aber mit dem SBB-Grossauftrag, gegen den beim Bundesverwaltungsgericht ein Rekurs hängig ist.

Rekord hin oder her: Der Alstom-Deal könnte sich für Spuhler und seine Mannschaft positiv auswirken. Wer das Rennen machen wird, Siemens oder GE, darüber kann aber auch Spuhler nur spekulieren. «Möglicherweise hat GE einen kleinen Vorteil», so Spuhler gestern.