Neuste Entwicklung
Auf dem Schweizer Immobilienmarkt leidet nur der Luxus

Eine neue Expertenumfrage attestiert dem Schweizer Immobilienmarkt Stabilität – ausser im Hochpreissegment, da ist vieles anders geworden.

Tommaso Manzin
Drucken
Noch scheinen jahrelanger Bauboom und Tiefstzinsen keine Schäden am Immobilienmarkt hinterlassen zu haben

Noch scheinen jahrelanger Bauboom und Tiefstzinsen keine Schäden am Immobilienmarkt hinterlassen zu haben

Keystone

Der Hypothekenberater MoneyPark hat rund 80 Experten zu Trends im Immobilienmarkt befragt. Die Studienergebnisse liegen der «Nordwestschweiz» exklusiv vor. Fazit: Der Schweizer Immobilienmarkt erscheint alles in allem stabil. Zwei von drei Befragten gehen von konstanten bis leicht sinkenden Preisen in den nächsten Monaten aus. Die MoneyPark-Experten gelangen zur gleichen Einschätzung, insbesondere im mittleren Preissegment. Hier werde die Nachfrage auch durch die starke Einwanderung der letzten Jahre noch auf Jahre hinaus gestützt.

Anders bei Luxusimmobilien. Hier geht fast jeder Fünfte von stark sinkenden Preisen aus. Allerdings seien im Luxussegment Preisabschläge bis zu 30 Prozent auf den Anzeigenpreis nicht ungewöhnlich, relativiert MoneyPark. Dennoch: Die Preise im oberen Segment (über 1,5 Millionen Franken) bei Einfamilienhäusern sind um 6 Prozent gefallen. Auch in den kommenden Jahren werde dieses Segment weiter leiden, auch wegen der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.

Ausserhalb des Luxussegments werden konstante bis moderat steigende Preise erwartet. Ebenso, und noch vermehrt, bei Renditeliegenschaften. Wohnliegenschaften seien daher nach wie vor eine attraktive Investition, schliesst MoneyPark. Neben den Luxusimmobilien prophezeien die Experten dagegen auch Geschäftsliegenschaften eine Abkühlung.

Attraktiver als Aktien?

Fast 90 Prozent der Experten sieht in Immobilien attraktivere Investitionen als in Aktien. Die im Vergleich dazu geringere Marktliquidität spricht nur für knapp 4 Prozent gegen in Immobilienanlagen. Hohe Marktliquidität heisst, dass schnell ein Käufer oder Verkäufer gefunden werden kann, ohne grosse Konzessionen beim Preis machen zu müssen. Das Risiko, keinen Käufer zu finden, wenn man verkaufen muss, scheint keine grosse Rolle zu spielen. In der Umfrage stechen Immobilienanlagen Aktien wegen höherer Rendite, geringerem Risiko oder beidem aus.

Auf das geringere Risiko als bei Aktien weist auch MoneyPark selbst hin: Die Wertänderungsrendite für Eigentumswohnungen betrug zwischen 1993 und 2015 60 Prozent. Wer sein Haus 1993 für 750 000 Franken gekauft hat, kann heute im Schnitt mit einem Wert von 1,2 Millionen Franken rechnen. Die Investition desselben Betrags in den Schweizer Aktienindex SPI hätte zwar im Nachhinein eine Rendite von 330 Prozent gebracht. Aber nur zum Preis des siebenfachen Risikos. Umso erstaunlich ist, dass Schweizer Privatkunden vor vor allem in Aktien, Obligationen oder Bargeldreserven investieren. Alternative Anlagen, zu denen neben Private Equity oder Hedge Funds auch Immobilien gehören, sind nur gerade mit 5 Prozent im Portfolio vertreten (vgl. Kuchen-Diagramm).

Keine Eile bei Hypotheken

Eine überwältigende Mehrheit geht für die nächsten Monate von konstanten Zinsen bei 10-jährigen Festhypotheken bzw. bei Liborhypotheken aus. MoneyPark erwartet für 5-jährige Festhypotheken bis Ende Jahr im Schnitt eine kleine Erhöhung um 0,05 Prozentpunkte auf 1,24 Prozent.

Hintergrund dieser Erwartungen ist die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Solange sie Geld in die Wirtschaft pumpt und die Zinsen tief bzw. negativ belässt – beides schwächt die Gemeinschaftswährung – kann die Schweizerische Nationalbank nicht einmal an eine Zinserhöhung denken. Sie muss den Zinsnachteil für Anlagen in der Schweiz aufrechterhalten, damit der Franken nicht aufwertet. Seit der Zinssenkung vom Donnerstag, den die britische Zentralbank vornahm, um die nach diesem Brexit befürchtete Rezession abzufedern, sind Zinserhöhungen in Europa vorerst mehr denn je vom Tisch. Darüber hinaus drücke auch zunehmende Konkurrenz von Versicherungen und Pensionskassen am Hypothekarmarkt auf die Zinsen, schreibt MoneyPark.

Für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, Wohneigentum zu erwerben, also das Süsse zum Schluss: Hypotheken dürften den Umfrageergebnissen nach bis mindestens Sommer 2017 «extrem günstig» bleiben.