Edelmetalle
Auf der Goldwaage: Die Pros und Kontras für ein Gold-Investment

Trotz einer heftigen Achterbahnfahrt des Goldpreises halten Experten das Edelmetall für ein Top-Investment. Es gibt gute Gründe für und gegen den Kauf von Gold. Was gibt den Ausschlag?

Tommaso Manzin
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Wer Anfang Jahr Gold kaufte, hatte ein glückliches Händchen, das Edelmetall gehört vorläufig zu den besten Investments des Jahres.

Wer Anfang Jahr Gold kaufte, hatte ein glückliches Händchen, das Edelmetall gehört vorläufig zu den besten Investments des Jahres.

KEYSTONE

Von August 1999 bis September 2011 stieg der Preis pro Unze Gold von 250 auf 1921 US-Dollar, den bisherigen Höchststand. Anschliessend ging es bis zum vorläufigen Tief von 1050 Dollar im Dezember 2015 bergab. Ein Minus von über 40 Prozent. Seit Anfang Jahr liegt das gelbe Metall nun wieder etwa knapp 18 Prozent im Plus.

Ein Glanz auf Achterbahn

Trotz der Achterbahn lohne sich eine Gold-Anlage, schreibt Alexander Posthoff, Senior Portfoliomanager des Anleihemanagers Bantleon. Auch die St. Galler Kantonalbank (SGKB) hält fest, dass Gold 2016 bislang zu den Top-Investments gehört. Die Angst um die Weltwirtschaft habe Anleger im Januar in Gold-ETF getrieben. Erstmals seit 2012 sei diesen börsengehandelten, in Gold investierten Fonds viel Geld zugeflossen, erklärt Thomas Stucki, Anlagechef der SGKB. Und obwohl sich die Lage beruhigte, hielt sich Gold auf 1250 Dollar.

Ist das der Start in ein neues goldenes Zeitalter oder nur ein verführerisches Glitzern? Schauen wir uns Pro und Kontra an.

Höhere Zinsen: Gift für Gold

Dem Gold hilft gemäss Posthoff die Geldpolitik: Galt früher «Gold zahlt keine Zinsen», heisse es unterdessen «auch Gold zahlt keine Zinsen». Denn mit Null- und Negativzinsen werfen auch andere Anlagen keinen Ertrag ab. Aber anders als Notenbankgeld lässt sich Gold nicht beliebig vermehren. Es war genau deshalb immer ein Schutz gegen Geldentwertung. Und auch wenn Inflation noch kein Thema ist: Die Notenbank-Geldflut lässt den Wert aller Anlageklassen steigen, auch den von Gold.

Doch die Geldpolitik könnte vor der Wende stehen, gibt Stucki zu bedenken: Gegen einen neuen Goldrausch spreche daher die Erwartung höherer US-Zinsen. Sie würden den Dollar stützen, was Gift sei für Gold, da auch der Dollar als sicherer Hafen gilt. Glauben die Anleger, er gewinne an Wert, ist das ein Argument für den Dollar – und gegen Gold. Zudem werden krisensichere US-Staatsanleihen mit höheren Zinsen zur attraktiven Konkurrenz.

Im sicheren goldenen Käfig

Wer Gold kauft, muss also vielleicht zusehen, wie andere Anlagen ertragreicher werden. Dafür ist es im goldenen Käfig sicherer: Gold hat in Zeiten fallender Börsen seinen Wert stets bewahrt oder gesteigert. Es bietet Schutz, sollte die Finanzkrise wieder aufflackern. Schon die jetzige Geldpolitik ist deren Folge. Sie geht unterdessen so weit, dass die Abschaffung der 500-Euro-Note erwogen wird, um die Umgehung der Negativzinsen durch Horten von Bargeld zu erschweren. Denn Anleger sorgen sich derzeit mehr um den Werterhalt ihrer Anlagen als um die Steigerung. Und dafür eignet sich neben Noten mit hohem Wert auch Gold bestens. Da seine Aufbewahrung Lagerkosten verursacht, bieten Banken mit echtem Gold unterlegte ETF an.

Der Goldhunger Asiens

Die Nachfrage nach Gold-ETF beeinflusst den Preis von physischem Gold mittlerweile massiv. Länder wie Russland und China stocken ihre Goldbestände seit längerem auf. Aber auch Indien ist ein Grossimporteur. Die vor allem in Asien wachsende Weltbevölkerung spricht für einen Preisauftrieb, da die Goldvorräte begrenzt sind.

Fazit: Pro und Kontra halten sich die Waage. Den Ausschlag geben muss die eigene Präferenz: Wer auf eine Über-Rendite wettet, dem könnten höhere Zinsen bald einen Strich durch die Rechnung machen. Es ist aber legitim, Gold aus grundsätzlichen Bedenken bezüglich Geldpolitik zu kaufen, oder um auf Langfrist-Trends wie die Demografie in Asien zu setzen.