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Was Samih Sawiris stört

Das achte Zentralschweizer Wirtschaftsforum stand unter dem Motto «Sicherheit, Vertrauen, Verlässlichkeit». Investor Samih Sawiris sagte, was seiner Meinung nach die grösste Stärke der Schweiz ist. Und was der grösste Unsicherheitsfaktor ist.
Maurizio Minetti
Moderatorin Susanne Giger mit dem ägyptischen Investor Samih Sawiris am Zentralschweizer Wirtschaftsforum auf dem Pilatus. (Bild: apimedia, 5. September 2018)

Moderatorin Susanne Giger mit dem ägyptischen Investor Samih Sawiris am Zentralschweizer Wirtschaftsforum auf dem Pilatus. (Bild: apimedia, 5. September 2018)

«Es braucht mehr Alfred Escher in der Zentralschweiz», sagte Andreas Ruch am Mittwoch auf dem Pilatus. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) eröffnete mit seinen Worten die achte Ausgabe des Zentralschweizer Wirtschaftsforums, das wie jedes Jahr ausverkauft war und auch heuer 240 Personen auf den Luzerner Hausberg lockte.

Der Zürcher Alfred Escher hat wie kein anderer die Schweizer Wirtschaftsgeschichte geprägt: Er war Mitte des 19. Jahrhunderts die treibende Kraft hinter der ersten Eisenbahnverbindung durch den Gotthard, und er legte den Grundstein für zahlreiche Institutionen wie die ETH Zürich, Credit Suisse, Swiss Life und Swiss Re. Was Ruch sagen wollte: Es braucht mehr Unternehmerinnen und Unternehmer, die anpacken und das Verbindende suchen. «Was wir stattdessen in der Welt sehen, ist Populismus und das Gegenteil von Lösungsfindung.»

Ob er denn eine Art Alfred Escher sei, wollte später Moderatorin Susanne Giger von Samih Sawiris wissen. Der ägyptische Unternehmer und Investor hat mit der Erschaffung eines Tourismusresorts in Andermatt das Urserntal wie kein anderer belebt. Er ist eine Wette eingegangen, hat Milliarden in die Hand genommen und beginnt nun langsam, die Früchte zu ernten. «Ich bin nicht bescheiden», stellte Sawiris klar. Doch den Vergleich mit Alfred Escher liess er dann doch nicht gelten: «Alfred Escher war einmalig, die Welt war damals unkompliziert und die Schweiz hatte nicht 10 000 Reglemente für alles. Er hat Sachen zustande gebracht, die heute unmöglich wären. Heute bräuchte man dafür zwei Leben.»

«Was haben wir falsch gemacht, dass heute kaum mehr jemand in der Lage ist, so viel zu erschaffen?», fragte Sawiris. «Die Welt, in der wir leben, erlaubt so etwas gar nicht mehr, was sehr schade ist», zeigte sich der ägyptische Unternehmer eher pessimistisch. Sawiris sorgte dann aber mehrmals für Lacher im Publikum, als er seine Geschäftsphilosophie preisgab. «Ich glaube weder an Machbarkeitsstudien, Due-Diligence-Prüfungen noch an Excel-Tabellen: Solche Sachen mache ich nur für die Banken.» Keine Sekunde habe er am Erfolg von Andermatt gezweifelt, nur etwas habe ihn beim ersten Besuch gestört: «Warum ist noch nie jemand auf die Idee gekommen, hier ein Tourismusresort zu erschaffen?»

Mächtige Minderheiten

Das Wirtschaftsforum stand unter dem Motto «Sicherheit, Vertrauen, Verlässlichkeit». Sicherheit und Stabilität seien die grössten Stärken der Schweiz, sagte der Ägypter. «Nirgends auf der Welt kann man sicherer sein als in der Schweiz.» Es gebe aber auch einen grossen Unsicherheitsfaktor: Die extreme Stärke von Minderheiten. «Die Minderheit hat immer das letzte Wort», meinte Sawiris. Sie habe so viel Macht, dass sie jedes Projekt kaputt machen könne. Dieses Veto-Recht sei weltweit einmalig. Glücklicherweise hätten die Urner das Projekt stets unterstützt. «In Deutschland wollte ich etwas Ähnliches realisieren. Als klar wurde, dass die Bevölkerung dagegen war, liess ich das Projekt fallen.»

Zum Thema Sicherheitspolitik und Wirtschaft referierte am Abend Bundesrat Guy Parmelin. Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) knüpfte an die warnenden Worte von IHZ-Präsident Andreas Ruch an. «Die Welt ist alles andere als ein Hafen des Friedens», sagte der Bundesrat. Die sicherheitspolitischen Probleme befänden sich nicht weit von unserer Haustüre entfernt: Terroranschläge in Europa, Konflikte wie in der Ukraine, oder Cyber-Angriffe.

Er plädierte angesichts dieser Bedrohungen für mehr Kooperation innerhalb der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus. Die Zusammenarbeit spiele eine entscheidende Rolle. «Ich rede hier von unseren Partner-Staaten, von den Kantonen, den Städten, den Betreibern kritischer Infrastrukturen.» Parmelin sprach nicht nur die öffentliche Hand an, sondern auch die privaten Unternehmen: «Sicherheit geht nicht ohne die Schweizer Wirtschaft», sagte der Bundesrat.

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