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Auf Euphorie folgt Ernüchterung

Alle vier Jahre dasselbe: Vor der Fussball-WM werden Prognosen über den Aufschwung als Auswirkung des Sportspektakels herumgeboten. Doch der Katzenjammer wird wohl nicht lange auf sich warten lassen.
Thomas Griesser Kym
Ein Geschäft vor allem für Verkäufer von Fanartikel - die WM 2006 in Deutschland. Bild: Steffen Kugler)

Ein Geschäft vor allem für Verkäufer von Fanartikel - die WM 2006 in Deutschland. Bild: Steffen Kugler)

Mit Grossveranstaltungen im Sport ist oft die Hoffnung auf wirtschaftliche Impulse verbunden. So auch wenn alle vier Jahre die Fussballweltmeisterschaft vor der Tür steht. Beispiel 2006 – damals gingen Ökonomen davon aus, dass die WM der deutschen Wirtschaft einen Aufschwung bescheren würde. Die deutsche Regierung rechnete mit einer WM-induzierten volkswirtschaftlichen Wertschöpfung von 8 Milliarden Euro und mit 50000 neuen Jobs. Ein Jahr nach der Weltmeisterschaft kam eine Studie der Universität Hamburg zum Schluss, dass die WM die Entwicklung der Wirtschaft nicht zusätzlich stimuliert habe. Selbst der Detailhandel, der sich in ­Erwartung der Fussballfans aus ­aller Herren Ländern voreilig die Hände gerieben und die Ladenöffnungszeiten verlängert hatte, konnte nicht profitieren.

Wenn der Ball rollt, soll auch der Rubel rollen

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte als Effekt der Fussballweltmeisterschaft 2006 im Vorfeld gar die Schaffung von 60 000 ­zusätzlichen Arbeitsplätzen vorhergesagt und ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von gut 0,3 Prozentpunkten im WM-Jahr. Die meisten Jobs sollten im Gastgewerbe, in der Sicherheits- und in der Werbewirtschaft sowie bei Temporärkräftevermittlern entstehen. Jeder dritte der 60 000 neuen Arbeitsplätze sollte dem DIHK zufolge auch nach der WM bestehen bleiben. Jedes siebte der über 20 000 befragten Un­ternehmen in Deutschland erwartete positive Effekte der WM für sein eigenes Geschäft. In den Regionen der zwölf Spielorte war es gar jedes fünfte. Gerade 2 Prozent der Betriebe befürchteten negative Effekte. Die Bilanz ein Jahr später zeigte, dass es zwar zur WM etwa 38 000 neue Jobs gab, allerdings lediglich saisonal.

Gejubelt hat freilich der Deutsche Fussballbund (DFB) –trotz des knapp verpassten Finaleinzugs seiner Auswahl. Finanziell feierte der Verband einen Überschuss von 135 Millionen Euro. Ein Teil davon kam den Austragungsorten und Stadionbetreibern zugute, die finanziell beteiligt wurden. Zudem profitierten die Städte von nachhaltigen WM-Sanierungen, wie zum Beispiel Berlin vom sanierten Olympiastadion oder Gelsenkirchen vom neuen Hauptbahnhof. Für Hauptsponsor Adidas war die WM ebenso ein Erfolg. Die Fans kauften neben Trikots auch Bälle und Sportschuhe in Massen und füllten so die Kassen des Sport­artikelherstellers, dessen Gewinn 2006 um 26 Prozent auf 480 Millionen Euro stieg.

Nun kommt die WM in Russland. Das Land freut sich auf begeisterte Gäste und hohe Einnahmen. Die Investitionen in den Vorbereitungsjahren seit 2013 hätten bereits 1 Prozent zum Bruttoinlandprodukt (BIP) beigetragen, sagte kürzlich OK-Vorsitzender und Vizepremier Arkadi Dworkowitsch. Ohne WM wäre laut seinen Angaben die russische Wirtschaft in den Krisenjahren noch stärker geschrumpft. Dworkowitsch präsentierte auch eine Studie, wonach der Nach-WM-Tourismus in den kommenden fünf Jahren umgerechnet je 2 bis 3 Milliarden Euro Zusatzeinnahmen bringen soll. Die Kosten der WM betragen laut offizieller Darstellung über 10 Milliarden Euro, doch Dworkowitsch betont, es sei viel investiert worden in dauerhaft nutzbare Infrastruktur wie Flughäfen, Strassen, Hotels oder Spitäler. Experten zweifeln indessen an den rosigen Prognosen. «Wenn die russische Wirtschaft nicht insgesamt stärker geöffnet wird, wird auch die neue Infrastruktur nicht genutzt», sagte Chefökonomin Natalia Orlowa von der Alfa Bank der Zeitung «Wedomosti». Und Wladimir Tichomirow von der Finanzgruppe BCS sagte, Russlands Ansehen als Reiseland sei nicht gut genug, um nach der WM viele Touristen anzuziehen. Zur WM selber erwartet Russland 695000 einheimische Fans und 568000 ausländische Besucher

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