AUFSCHWUNG: Comeback an die Weltspitze

Laut einer neuen Studie brachten Reiche wieder viel neues Geld zu den Banken. Die UBS verdrängt die Bank of America in der Vermögensverwaltung von Platz 1.

Roman Schenkel
Drucken
Teilen
Kunden zeigen wieder mehr Vertrauen in die Schweizer Grossbank UBS; hier der Eingang des UBS-Gebäudes am Zürcher Paradeplatz. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Kunden zeigen wieder mehr Vertrauen in die Schweizer Grossbank UBS; hier der Eingang des UBS-Gebäudes am Zürcher Paradeplatz. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

«Grösster Vermögensverwalter der Welt»: Das war ein Begriff, auf den der ehemalige UBS-Chef Marcel Ospel besonders stolz war. Die UBS holte sich diesen Prestigetitel einst im Jahr 2001 durch die Übernahme der US-Bank Paine Webber. 2009, nach dem Fast-Konkurs und der staatlichen Rettung, war der Titel aber flugs wieder weg: Mehrere 100 Milliarden Franken zogen die Anleger in den Folgejahren von der Schweizer Grossbank ab. Die Finanzkrise kam dann noch hinzu. Es flossen weitere Milliarden von der UBS ab, gleichzeitig schrumpfte das verwaltete Vermögen aufgrund der abstürzenden Aktienkurse. Erst 2011 konnte die Grossbank die Abflüsse stoppen und wieder einen Neugeldzufluss vermelden.

Ziel von Sergio Ermotti erreicht

Nun darf sich die grösste Schweizer Bank wieder mit dem marketingwirksamen Titel schmücken. Laut dem gestern publizierten Ranking des Marktforschungsunternehmens Scorpio Partnership in London überholte die UBS im letzten Geschäftsjahr wieder die Bank of America. Mit verwalteten Vermögen von 1705 Milliarden Dollar eroberte sich die Schweizer Grossbank die Spitzenposition zurück, wenn auch knapp. Die Bank of America folgt mit 1674 Milliarden Dollar auf Platz zwei (siehe Grafik).

UBS-Chef Sergio Ermotti hatte sich dieses Ziel gross auf die Fahne geschrieben. Weshalb, erklärt Maurice Peder­gnana, Bankenexperte und Professor an der Hochschule Luzern: «Wer die Nummer eins in den Köpfen der Leute ist, hat nur Vorteile», sagt Pedergnana. Das müsse das Ziel der Grossbank sein, dass man bei Vermögensverwaltung gleich an die UBS denke – «wie wenn man bei Hamburger an McDonalds oder bei Kaffee an Starbucks denkt», sagt Peder­gnana.

5 Schweizer Banken in den Top 20

Die gestern vorgestellte Studie zeigt auch auf, wie stark der Schweizer Bankenplatz nach wie vor im Vermögensverwaltungsgeschäft aufgestellt ist. Denn neben der UBS sind unter den Top 20 vier weitere Schweizer Banken vertreten. Die Credit Suisse belegt mit einem verwalteten Vermögen von 855 Milliarden Dollar Platz 5, die Privatbank Pictet Platz 10 (322 Milliarden Dollar), Julius Bär Platz 16 (201 Milliarden Dollar) und die Genfer Privatbank Lombard Odier Rang 19 (176 Milliarden Dollar).

Insgesamt verwalten Banken für reiche Kunden weltweit 18,5 Billionen Dollar, das sind fast 9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei den 20 Spitzenhäusern, auf die 76 Prozent der verwalteten Vermögen weltweit entfallen, betrug das Wachstum überdurchschnittliche 11 Prozent, wie die Studienverfasser schreiben. Die Gründe für dieses starke Wachstum sind zweierlei: Erstens sind Reiche bemüht, die Zahl ihrer Bankbeziehungen zu reduzieren. Sie wollen lieber mit einer einzigen als mit mehreren Banken arbeiten. Dabei bieten grosse und international aufgestellte Vermögensverwalter eine breitere Produktpalette und seien daher im Vorteil. Dabei komme den Kundenberatern eine zentrale Rolle zu, sagt Bankenprofessor Pedergnana. «Je grösser ihre Organisation, desto umfassender sind auch ihre Beratungsmöglichkeiten», erklärt er. So könne eine Bank von der Grösse der UBS problemlos eine Analyse zu einem Schweizer Unternehmen wie beispielsweise Schindler bieten, gleichzeitig aber auch den Aktienmarkt in Hongkong detailliert abdecken, sagt Pedergnana. «Globale Dienstleister heben sich dadurch von kleineren Playern ab», sagt er.

In Asien boomt das Geschäft

Der zweite Grund für das starke Wachstum liegt in Asien. Denn aus den aufstrebenden asiatischen Märkten kommen die Milliarden Dollar an Neugeldern, die den Grossbanken zufliessen. Bei der Expansion in den asiatischen Raum hätten die globalen Player ebenfalls Vorteile. Denn: «Der Vorstoss in neue Märkte ist eine komplexe Herausforderung», schreiben die Studienverfasser. Pedergnana erwartet denn auch, dass die Grossbanken zunehmend Stellen dorthin auslagern werden, wo die Neugeldzuflüsse sprudeln. «In China, Singapur oder Indonesien wird es zu einem deutlichen Stellenzuwachs kommen.»

Dabei gelte es insbesondere auf die lokalen Märkte Rücksicht zu nehmen. «Ein chinesischer Kunde will die Produkte nicht in Englisch erklärt haben», sagt Pedergnana. Westliche Kundenberater müssten deshalb wohl ein Studium in Sinologie absolviert haben oder zumindest Mandarin beherrschen.

Gewinne wachsen nur wenig

Unter dem Strich zahlte sich das Wachstum der verwalteten Vermögen für die Institute allerdings nicht vollständig aus. Die Gewinne der Grossbanken, die 2011 noch um gut 12 Prozent gestiegen waren, wuchsen im vergangenen Jahr lediglich um gut 5 Prozent. Eine ganze Reihe von Banken hätten die Kosten nicht komplett im Griff, diagnostizierten die Studienverfasser von Scorpio.