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AUFSCHWUNG: Portugal wird vom Sorgenkind zum Musterknaben

Bauboom und der florierende Tourismus sind derzeit nur zwei Indizien für den Aufschwung im südeuropäischen Land. Tiefe Steuern und Milliarden aus der EU zeigen ihre Wirkung.
Ralph Schulze, Madrid
Immer mehr Touristen entdecken Portugal. (Bild: Kcris Ramos (Lissabon, 17. Juni 2014))

Immer mehr Touristen entdecken Portugal. (Bild: Kcris Ramos (Lissabon, 17. Juni 2014))

Ralph Schulze, Madrid

Portugals Regierungschef António Costa hat allen Grund, stolz zu sein: Der 56-jährige Sozialist, der seit etwas mehr als zwei Jahren in Portugal am Ruder ist, überrascht alle. Mit grossem Erfolg schaffte er es, das südeuropäische Euroland aus dem stürmischen Krisenwellental zu steuern. Und aus seinem früheren Schuldenreich, das 2011 in die Pleite rutschte und mit einem milliardenschweren Notkredit gerettet werden musste, wieder einen europäischen Musterstaat zu machen. «Wir haben das niedrigste Defizit unserer Demokratie erreicht», freute sich Costa dieser Tage im Gespräch mit der spanischen Zeitung ABC. 2017 habe die Neuverschuldung des Haushaltes nur noch 1,2 Prozent betragen. 2018 soll der Fehlbetrag bei maximal 1 Prozent liegen. Das ist weit unter der im Euro-Stabilitätspakt festgelegten Grenze von 3 Prozent. Hinter diesem Erfolg steckt ein riesiger Spar-Kraftakt – vor acht Jahren wies der Etat noch ein Minus von über 11 Prozent auf.

Nicht nur die Haushaltsprobleme hat das frühere Sorgenkind Europas hinter sich gelassen. Auch die Wirtschaft boomt. Und zwar sehr viel mehr, als alle Prognosen der EU und des Internationalen Währungsfonds vorausgesagt hatten. Mit einem üppigen Wachstum von 2,7 Prozent 2017 lag das Land der Korkeichen und Eukalyptusbäume über dem mittleren EU-Schnitt, der nach vorläufigen Zahlen auf 2,2 Prozent geschätzt wird. Sogar Europas Schwergewicht Deutschland, das 2017 nur durchschnittlich wuchs, kommt da nicht mit. Auch alle anderen Wirtschaftszahlen in Portugal weisen nach oben. Und sie signalisieren, dass das iberische Land wieder aus der Asche auferstanden ist. Kräne, die sich allerorten in der Hauptstadt Lissabon über Neubauprojekten und Altbausanierungen drehen, symbolisieren sichtbar den bemerkenswerten Aufschwung. Die Investitionen fliessen wie schon lange nicht mehr in die pittoreske Grossstadt am Fluss Tejo, der in Lissabon in den Atlantik fliesst.

«Was können wir von Portugal lernen?»

«Portugal ist wieder Mode», titelte «Publico», die einflussreichste Tageszeitung. Die ausländischen Touristen stürmen wie noch nie das Land. Reize, denen sich auch US-Sängerin Madonna nicht verschliessen konnte. Die globale Pop-Ikone liess sich im vergangenen Jahr in Lissabon nieder. «Die Energie Portugals ist so inspirierend», schrieb die 59-Jährige begeistert im sozialen Netzwerk Instagram.

Aber vermutlich inspirierte auch die Steuergesetzgebung. Denn Portugal lockt ausländische Residenten mit attraktiven fiskalischen Vorteilen. Ein Grund, ­warum immer mehr europäische Rentner beschliessen, ihren Ruhestand in Portugal zu verbringen. Ausländische Immobilienkäufer, die nicht aus EU-Ländern stammen, erhalten zudem ab einer Investition von 500000 Euro ein unbefristetes «goldenes Visum» geschenkt, mit dem sie in der europäischen Schengen-Zone problemlos herumreisen können.

Und plötzlich ist Portugal mit seinen 10,4 Millionen Einwohnern nicht mehr der kleine iberische Bruder des grossen Spanien, in dem viereinhalb Mal so viele Menschen leben. «Was können wir von Portugal lernen?», fragten dieser Tage, als Portugals erfolgreicher Premier Costa gerade in Madrid zu Besuch war, spanische Analysten. Die Arbeitslosenzahl des früheren Aschenputtels Portugal sank in der ­Zwischenzeit, dank des portugiesischen Wirtschaftswunders, auf unter 8 Prozent. In Spanien stehen auf der anderen Seite derweil immer noch 16 Prozent der aktiven Bevölkerung auf der Strasse. Auch die Haushaltssanierung in Spanien, das auf dem Höhepunkt der Eurokrise ebenfalls nur knapp an der Staatspleite vorbeischrammte, macht im Vergleich zu Portugal nur langsame Fortschritte.

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