Franzosen und Deutsche stürmen Schweizer Ferienappartements
Ausländer stürmen Schweizer Ferienappartements

Die Wirtschaftskrise zeigt sich auch im Ferienverhalten: Touristen wohnen vermehrt in Appartements statt in Hotels. Für die Ferienwohnungen zeichnet sich ein Rekordjahr ab.

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Keystone

Irina Kisseloff
Die Zuwachsraten sind eindrücklich. 27 Prozent mehr Franzosen und 24 Prozent mehr Deutsche haben 2009 Ferienwohnungen in der Schweiz gebucht. Das zeigen die Zahlen der Migros-Tochter Interhome, die auf die Vermittlung von privaten Ferienwohnungen in 24 Ländern spezialisiert ist. Die Mehrheit dieser französischen und deutschen Touristen logierte vor der Wirtschaftskrise in Schweizer Hotels, vermutet Interhome-Chef Simon Lehmann: «Wohnungen sind eine beliebte Alternative zum Hotel geworden, da sie pro Kopf günstiger sind.» Die Ferienwohnungen hätten im letzten Jahr deutlich zugelegt, beobachtet auch Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus. «Hier hat ganz klar eine Verlagerung stattgefunden.»

Hotels: Erholung erst 2010

Der Schweizer Tourismus spürt die Krise deutlich. Die Anzahl Hotelübernachtungen hat von Januar bis August um rund 6 Prozent abgenommen - mehr, als erwartet worden war. Einzelne Märkte brachen ein: Über 20 Prozent weniger Gäste aus Grossbritannien logierten in der Schweiz und 12 Prozent weniger aus den USA. Diese Zahlen präsentierte gestern Schweiz Tourismus. Auch diesen Winter werden die Hotelübernachtungen gemäss den Prognosen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) nochmals um 4 Prozent zurückgehen. Eine Stabilisierung sei erst Ende 2010 in Sicht. (KIS)

Von Juni bis August 2009 waren es neben Franzosen und Deutschen vor allem auch Niederländer und Polen, die je ein Drittel mehr Appartements buchten als in der Vorjahresperiode. Mit Gästen aus Indien und Russland kann Interhome ebenfalls zweistellige Zuwachsraten generieren. Und auch knapp 10 Prozent mehr Schweizer belegten im Juli und August die Ferienappartements. Die Entwicklung scheint sich diesen Winter fortzusetzen. «Wir liegen aktuell bei den Buchungen bereits 1 Prozent über dem letztjährigen Rekordwinter», sagt Interhome-Chef Lehmann.

Besitzer wollen Zusatzverdienst

Die Krise beschert der Wohnungsvermittlerin aber nicht nur mehr Kunden, sondern auch mehr Vermieter. «Es sind in letzter Zeit besonders viele Eigentümer an uns herangetreten, die ihre Ferienwohnung zeitweise vermieten wollen», beobachtet Lehmann. Selbst in Städten wie Zürich und Genf, in denen Interhome früher nie zu Wohnungen kam, gibt es inzwischen Angebote. Vor allem Eigentümer von Luxuswohnungen seien dabei an einer Vermietung interessiert. In diesem Segment findet laut Lehmann auch der grösste Nachfragezuwachs statt.

Interhome als Rekordstory - das freut doch bestimmt die Muttergesellschaft Migros? «Zumindest machen wir der Migros keine Sorgen», sagt Lehmann. Wohnungsbesitzer erfahren übrigens, wie hoch die Margen von Interhome liegen: Wer sein Appartement vermietet, handelt mit der Firma einen Nettopreis aus. Im Internet ist dann der Bruttopreis inklusive Marge sichtbar.