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AUSSCHÜTTUNGEN: Aktionäre im Dividendenrausch

Statt zu investieren, schütten die grossen Schweizer Unternehmen ihre Gewinne aus. Die Aktienkurse steigen trotzdem – doch wie lange noch?
Daniel Zulauf
Grosse Schweizer Konzerne wie ABB haben ihren Aktionären in den letzten Jahren immer höhere Dividenden ausbezahlt. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 8. Februar 2017))

Grosse Schweizer Konzerne wie ABB haben ihren Aktionären in den letzten Jahren immer höhere Dividenden ausbezahlt. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 8. Februar 2017))

Daniel Zulauf

Jahr für Jahr rieselt ein warmer Geldregen auf die Aktionäre nieder. So wird es auch in den nächsten Wochen sein, wenn die meisten Unternehmen hierzulande ihre Generalversammlungen abhalten. Die Eigentümer der 30 grössten Publikumsgesellschaften, die an der Schweizer Börse im Swiss Leader Index (SLI) zusammengefasst sind, werden in den nächsten Tagen und Wochen insgesamt über 39 Milliarden Franken an Dividenden einstreichen. Damit schütten diese Firmen 78 Prozent ihrer Gewinne aus (siehe Grafik). Das ist ein absoluter Rekordwert, seit unsere Zeitung Statistik führt.

Im Jahr 2010 hatten die SLI-Gesellschaften aggregiert rund 62 Milliarden Franken verdient und davon etwa 28 Milliarden Franken ausgeschüttet. Die Quote betrug im Vergleich zu heute bescheidene 45 Prozent. Inzwischen erhalten die Aktionäre über drei Viertel des ganzen Gewinnkuchens, und nicht nur das. Der Kuchen selber ist auch ein bedeutendes Stück grösser geworden. Seit 2010 ist die Dividendensumme der 30 wertvollsten Börsenfirmen im Land um nicht weniger als 43 Prozent beziehungsweise um mehr als 11 Milliarden Franken gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von über 6 Prozent im Jahr.

Zwar kommt die Summe der Ausschüttungen heuer rund 1,3 Milliarden Franken tiefer zu stehen als im Vorjahr. Doch der Vergleich wird verzerrt durch ausserordentliche Ereignisse. Die Aktionäre des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta und des basellandschaftlichen Pharmaunternehmens Actelion, die 2015 noch gut 1,6 Milliarden Franken an Dividenden einkassiert hatten, gehen in diesem Frühjahr leer aus. Kassiert haben diese Aktionäre trotzdem und zwar noch viel üppiger als mit der üblichen Dividende: Syngenta wird durch ChemChina übernommen und Actelion geht an den US-Multi Johnson & Johnson. Die Aktien der beiden Unternehmen haben im Zug dieser Transaktionen zwischen 30 und 90 Prozent an Wert gewonnen.

Schweizer Konzerne schütten mehr aus als deutsche

Bemerkenswert ist der Umstand, dass viele Firmen ihre Ausschüttungen trotz tieferer Gewinne erhöhen. Immerhin elf der 30 Gesellschaften haben 2016 weniger verdient als im Vorjahr. Weniger ausgeschüttet haben aber nur sechs Firmen – einschliesslich der Spezialfälle Syngenta und Actelion. Geradezu euphorisch wirkt die Ausschüttungspolitik der Schweizer Gesellschaften, wenn man sie mit jener der 30 wertvollsten Publikumsgesellschaften in Deutschland, den sogenannten Dax-Konzernen, vergleicht. Diese haben 2016 insgesamt knapp 31,7 Milliarden Euro, rund 34 Milliarden Franken an Dividenden gezahlt, dafür aber nur 56 Prozent der Gewinne eingesetzt. Aber auch im Dax-Universum ist die Ausschüttungsquote deutlich gestiegen. 2011 lag sie noch bei relativ bescheidenen 43 Prozent. Und wenn der Volkswagen-Konzern im Zug des Abgasskandals nicht hätte auf die Bremse treten müssen, läge sie aktuell wohl noch ein gutes Stück über den genannten 56 Prozent.

Anastassios Frangulidis, Chefstratege bei der Genfer Privatbank Pictet, sieht die Entwicklung in Deutschland und in der Schweiz als Teil eines weltweiten Trends. Seit den Anfängen der konjunkturellen Erholung nach der Überwindung der Finanzkrise vor etwa acht Jahren, schütten die Unternehmen in den Industrieländern laufend höhere Anteile ihrer Gewinne an die Aktionäre aus. «Die Unternehmen zeigen eine grosse Vorsicht mit Investitionen», sagt der Ökonom. Obwohl die amerikanische Wirtschaft bereits im achten Jahr des Aufschwungs steht und die Konjunktur auch in manchen Teilen Europas schon länger brummt, halten sich die Firmen mit dem Ausbau der Kapazitäten zurück. Frangulidis spricht von «strukturellen Problemen», die das Investitionsverhalten nachteilig beeinflussen. Gemeint sind die vielfältigen politischen Unsicherheiten, die mit Brexit und der Wahl von Donald Trump einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Auch die europäische Schuldenkrise gärt weiter und über den wirtschaftlichen Zustand wichtig gewordener Schwellenländer, allen voran China, wird immer noch gerätselt.

Die Dividendenrendite steigt mit

Erkennbar wird dieser weltweite Trend auch in der Dividendenrendite. Die Grösse beschreibt das Verhältnis der ausgeschütteten Gewinne zum Börsenwert der Unternehmen. Zu Beginn des Jahrzehnts bewegten sich die Dividendenrenditen in den Industrieländern etwa bei 2 Prozent. In der Schweiz, wo reife Unternehmen mit einem extrem hohen Gewinnpotenzial (zum Beispiel Pharma) stark vertreten sind, lag die Rendite historisch bei etwa 2,5 Prozent. Inzwischen hat sie sich weltweit auf etwa 3 Prozent und in der Schweiz auf 3,5 Prozent erhöht.

Zu bemerken ist allerdings, dass dieser Anstieg der Dividendenrendite möglich war, obwohl nicht nur die Dividenden, sondern auch die Aktienkurse kräftig gestiegen sind. Der Swiss Leader Index hat seit 2010 rund ein Drittel an Wert gewonnen. Die in diesem Index enthaltenen Unternehmen haben zusammen einen Marktwert von nahezu 1,2 Billionen Franken. Dieser doppelte Segen ist kein Phänomen der Ewigkeit, sagt Frangulidis. Er verweist auf den in die Jahre gekommenen Konjunkturzyklus in Amerika, der nach acht Jahren den Abschwung in eine Rezession erwarten lässt. In einem solchen Szenario könnten für die Aktionäre gleich in zweifacher Weise magere Zeiten anbrechen. Nicht nur wären die Unternehmen im Zug sinkender Gewinne gezwungen auch die Dividenden zu reduzieren. Ebenso schmerzhaft anfühlen könnten sich für die Investoren die damit verbundenen Kursrückgänge an den Aktienmärkten.

Dividendenausschüttungen und Jahresgewinn der 30 grössten Publikumsgesellschaften der Schweiz. (Bild: Geschäftsberichte und Studie CEO-Vergütungen Schweiz HKP Group)

Dividendenausschüttungen und Jahresgewinn der 30 grössten Publikumsgesellschaften der Schweiz. (Bild: Geschäftsberichte und Studie CEO-Vergütungen Schweiz HKP Group)

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