AUSSICHTEN: So sehen die Chefs dem neuen Jahr entgegen

Der Franken bleibt überbewertet, und es kommen neue Gesetze und Regeln auf Firmen zu. Fünf Top-Manager aus der Region präsentieren ihren Ausblick für das Jahr 2016.

Drucken
Teilen
Dirk Hoffmann, CEO V-Zug Haushaltsgeräte. (Bild: PD)

Dirk Hoffmann, CEO V-Zug Haushaltsgeräte. (Bild: PD)

Bald wieder 40-Stunden-Woche

Für das nächste Jahr gehen wir von einer unterschiedlichen Entwicklung beim heimischen Markt und bei den Verkäufen im Ausland aus. Grundsätzlich rechnen wir nicht mit einem Stimmungstief in der Schweiz. In der Bau- und in der Immobilienindustrie sind die Jahre mit überdurchschnittlichem Wachstum jedoch vorbei. Wir erwarten eine Abschwächung der Bautätigkeit auf das Niveau des langjährigen Durchschnitts. Es wird aber wieder mehr in Renovationsobjekte investiert. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach unseren Premiumprodukten für Küche und Waschraum stabil bleibt.

Im Ausland ergibt sich ein gemischtes Bild. Der Euroraum wird weiterhin von ungelösten Problemen geprägt sein. Die Europäische Zentralbank versorgt die Märkte ungebrochen mit billigem Geld. Dieses kommt in der Realwirtschaft jedoch nicht an. In Asien sollte trotz allgemeiner Abschwächung die Nachfrage nach unseren Produkten steigen. Der Wohnungsmarkt in China ist von einem Überangebot geprägt. Dadurch erhöht sich der Druck der Vermieter, in den Ausbau ihrer Häuser und ihrer Wohnungen zu investieren. Wir investieren 2016 weiter in den asiatischen Markt. Im Frühling eröffnen wir ein Verkaufslokal in Hongkong. Die V-Zug-Gruppe erwirtschaftet aktuell rund 7 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Ziel ist es, die Verkäufe im Ausland auf 10 Prozent zu steigern.

Produktivität verbessert

Durch die Erhöhung der Arbeitszeit im letzten Frühling konnten wir unsere Produktivität nach der Aufhebung des Mindestkurses halten. Mittlerweile haben wir uns auf die neue Situation eingestellt, und wir haben unsere Abläufe verbessert. Entsprechend können wir im März wieder zu der normalen Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche zurückkehren.

Dirk Hoffmann (54), CEO V-Zug Haushaltsgeräte

Neue Märkze erschliessen

Die Leister-Gruppe ist mit einem Exportanteil von über 98 Prozent von der Weltwirtschaft abhängig. Die Währungskrise und die instabilen politischen Verhältnisse verlangten danach, im laufenden Jahr das Technologieunternehmen den Gegebenheiten anzupassen. Wir investierten in die Entwicklung neuer Produkte und hinterfragten und optimierten unsere Organisationsstrukturen. Auch in den nächsten Jahren beschäftigen wir uns mit Prozessoptimierungen, um die Produktivität zu steigern.

Digitale Kommunikation

Absatzmärkte werden ständig von verschiedenen Konkurrenten umworben. Mit unserem hohen Qualitätsanspruch an unsere Produkte und einem immer besseren Kundenverständnis wollen wir unsere Zukunft in diesen Märkten sichern. Die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten sind eine Chance, unmittelbar und wechselseitig mit den Kunden in Kontakt zu treten. Mit geeigneten Mitteln stellen wir die weltweite Vernetzung sicher, damit wir im Stande sind, noch schneller und gezielter auf die Anliegen unserer Kunden zu reagieren.

Unsere Ziele sind für das neue Jahr hoch gesteckt. Wir sind daran, weitere Märkte zu erschliessen. Und dort, wo wir uns bereits etabliert haben, analysieren wir die Situation laufend, damit wir mit geeigneten Massnahmen die bestehenden Marktanteile erhöhen können.

Unser wichtigstes Kapital

Der Schlüssel zum Erfolg sind unsere loyalen und sehr engagierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Es liegt in unserer Verantwortung als Arbeitgeber, dass das Verhältnis zu den Menschen im Betrieb stimmt. Leister bekennt sich auch in den turbulenten Zeiten zum Produktionsstandort Obwalden.

Beat Mettler, CEO Leister- Gruppe, Kägiswil

Neue Regeln verursachen Kosten

Die Schwyzer Kantonalbank setzt mit ihrer Strategie für die Jahre 2014 bis 2018 auf Kontinuität und will den Kundenfokus weiter stärken. Die Umsetzung der Strategie ist dieses Jahr planmässig vorangekommen. Zahlreiche strategische Initiativen wie etwa Gewerbekundenzentren in den Marktgebieten, das Online-Hypothekenportal, die Modul-Hypothek oder die Lancierung von Strategiefonds sind bereits umgesetzt. Die ersten Erfahrungen sind viel versprechend.

Regulierung und Wandel

Die Kadenz neuer regulatorischer Vorgaben – zum Beispiel des neuen Finanzdienstleistungsgesetzes – bleibt weiterhin hoch und bringt entsprechende Kostenfolgen und Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Banken mit sich. Das Gleiche gilt für den technologischen Wandel und das sich verändernde Kundenverhalten.

Die Schwyzer Kantonalbank geht von einer weiteren Margenerosion auf der Passivseite der Bilanz sowie einer anspruchsvollen Liquiditätssteuerung im Spannungsfeld zwischen dem Nationalbank-Freibetrag und der Einhaltung der verschärften Liquiditätsvorschriften aus.

Schwyzer Immobilienmarkt

Über alles betrachtet erwartet die Schwyzer Kantonalbank für die kommenden Monate beim Schwyzer Immobilienmarkt eine Fortsetzung der Marktberuhigung. Preisrückgänge sind vor allem bei Geschäftsflächen zu erwarten. Etwas weniger ausgeprägt sind sie auch auf dem Wohneigentumsmarkt im Gange.

Trotz dieser Herausforderungen ist die Schwyzer Kantonalbank für die Zukunft bestens gerüstet. Das bestätigt auch der erste Rang im Mehrjahresvergleich in der neusten «IFZ Retail Banking-Studie Schweiz» der Hochschule Luzern.

Peter Hilfiker, 59, CEO Schwyzer Kantonalbank

Margendruck und Digitalisierung

Der Frankenschock und das schwierige Wirtschaftsumfeld haben die KMU im Jahre 2015 stark gefordert. Der damit oft verbundene Rückgang der Auftragseingänge stellte vor allem exportorientierte Firmen vor grosse Herausforderungen. Der Margendruck wird sich im nächsten Jahr fortsetzen und alle Regionen betreffen, so auch die Zentralschweiz.

Die Regulierungswelle

Nebst dem konjunkturellen Umfeld werden wir 2016 alle von zahlreichen gesetzgeberischen und regulatorischen Einflüssen betroffen sein. Zu erwähnen sind die sich in der Beratung befindenden Revisionen von Steuergesetzen vor allem für die Unternehmenssteuer, aber auch für die Mehrwertsteuer, die Verrechnungssteuer und den automatischen Informationsaustausch. Hinzu kommen die zahlreichen neuen Regelungen für die Finanzbranche. Wir werden bereits heute und noch vermehrt auch in Zukunft von der sogenannten digitalen Revolution gefordert. Prozesse und Abläufe bei kleinen und mittelgrossen Unternehmen kommen auf den Prüfstand, neue Produkte und Dienstleistungen entstehen.

Stärkere Digitalisierung

Obwohl wir als Beratungs- und Prüfungsgesellschaft nicht vom regulatorischen Aktivismus verschont bleiben, ergeben sich daraus auch immer Möglichkeiten, unseren Kunden bei der Bewältigung dieser Einflüsse behilflich zu sein.

Die Digitalisierung spielt insbesondere in unserem Treuhandbereich und in der Wirtschaftsprüfung eine immer grössere Rolle. Für uns gilt dasselbe wie für unsere Kunden: Wir müssen dem Margendruck und der Regulierungswelle unter Einbezug digitaler Fortschritte begegnen und dabei mit Leidenschaft und Herzblut das Kerngeschäft erfolgreich vorantreiben.

Werner Pfäffli (48), CEO Balmer-Etienne, Luzern

Wettbewerbsnachteil korrigieren

Die Zinswende in den USA deutet auf ein weiterhin robustes Wachstum der amerikanischen Wirtschaft hin. Diese steht einer nur zögerlichen wirtschaftlichen Erholung in Europa und einer schwachen Konjunktur in Schwellenländern wie Russland, China oder den Ländern in Süd- und Südostasien gegenüber.

Die Weltwirtschaft dürfte daher 2016 trotz weiterhin tiefen Rohstoffpreisen nur verhalten wachsen.

Werkplatz Schweiz leidet

Der anhaltend signifikant überbewertete Schweizer Franken ist Gift für weite Teile unserer Volkswirtschaft. Das gilt insbesondere für den Produktionsstandort und Werkplatz Schweiz. Denn vergessen wir nicht: Produktion ist Wertschöpfung, und Wertschöpfung führt zu Wohlstand. Es bleibt daher zu hoffen, dass die Schweizerische Nationalbank ihre Verantwortung wahrnimmt und diesen erheblichen Wettbewerbsnachteil für die Schweizer Realwirtschaft sinnvoll korrigiert. Auch zu unserer Standortattraktivität gilt es Sorge zu tragen. Diese darf nicht mit fragwürdigen Volksinitiativen, immer mehr Regulierung und Bürokratie leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Zuversicht für 2016

Die Trisa-Gruppe bleibt mit dem nötigen Respekt vor den Rahmenbedingungen zuversichtlich. Wir verfügen über eine gut gefüllte Innovationspipeline mit attraktiven neuen Produkten und Projekten für die Mundhygiene, was unsere nachhaltige Entwicklung stärkt.

Um erfolgreich zu bleiben, gilt es, dem durch Wettbewerbsdruck geprägten Umfeld mit hoher Markt- und Kundennähe, Flexibilität und Leistungsbereitschaft zu begegnen. Das neue Jahr bietet natürlich auch wieder neue Chancen, die wir nutzen und umsetzen wollen.

Adrian Pfenniger, 51, CEO Trisa, Triengen

Aufgezeichnet Rainer Rickenbach, Ernst Meier

Beat Mettler, CEO Leister-Gruppe. (Bild: PD)

Beat Mettler, CEO Leister-Gruppe. (Bild: PD)

Peter Hilfiker, CEO Schwyzer kantonalbank. (Bild: PD)

Peter Hilfiker, CEO Schwyzer kantonalbank. (Bild: PD)

Werner Pfäffli, CEO Balmer-Etienne. (Bild: PD)

Werner Pfäffli, CEO Balmer-Etienne. (Bild: PD)

Adrian Pfenninger, CEO Trisa. (Bild: PD)

Adrian Pfenninger, CEO Trisa. (Bild: PD)