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Kolumne

Aussichten: Verlusthügel
und Geldgipfel beim SAC

Professor Marco Passardi zur Vermögensstruktur des Schweizer Alpen-Club (SAC).
Marco Passardi
Marco Passardi. (Bild: PD)

Marco Passardi. (Bild: PD)

Das schöne sommerliche Wetter lockt viele Schweizerinnen und Schweizer nach draussen – es sei denn, eine lästige Pollenallergie lässt einen zum Stubenhocker werden. Gerade auch die zum Teil noch stark verschneiten Berggipfel erinnern uns daran, wie schön ein Aufenthalt im Gebirge sein kann. Der Schweizer Alpen-Club (SAC) betreibt durch seine verschiedenen lokalen Sektionen insgesamt 152 toll gelegene Hütten mit über 9200 Schlafplätzen in den Schweizer Bergen (nur das letztes Jahr seinen hundertsten Geburi feiernde Solvay-Biwak am Matterhorn ist im direkten Besitz der «Zentrale», des Zentralverbands). Einzelne dieser Unterkünfte erinnern noch stark an Massenlager aus vergangenen Zeiten, viele aber strahlen heute bereits den Charme eines familiären «Hotels» an toller Lage aus.

Auch der Schweizer Alpen-Club kämpft mit dem Problem der Überalterung.

Rund 150000 Mitglieder (ungefähr 1,8 Prozent der Schweizer Bevölkerung, mehrheitlich Männer) umfasst der vor bereits 155 Jahren gegründete Schweizer Traditionsverein. Er kämpft, wie viele Vereine, mit einer zunehmenden Überalterung der Mitglieder (27 Prozent der Mitglieder sind älter als 61 Jahre, was aber nichts bezüglich Klettertüchtigkeit heissen muss ...) und einem Rückgang der Mitglieder in der Alters­kategorie der 36- bis 50-jährigen Personen. So klar, wie der Blick von einer der schönen Berghütten auf die steilen Gipfel ist, präsentiert sich auch die Buchhaltung der Bergsteigerorganisation.

Laut dem neuesten Geschäftsbericht respektive der dort vorgenommenen Selbstdeklaration sind die Zahlen des SAC auf Basis des Standards «Swiss GAAP FER» erstellt worden. Dieses Regelwerk ist ein renommierter und auch von an der Börse gehandelten Gesellschaften verwendeter Buchhaltungsstandard. Die so erstellten Zahlen und Abschlüsse präsentieren für den Schweizer Alpen-Club ein (nebel- und dunstfreies) Bild und zeigen die «tatsächliche wirtschaftliche Lage» des Vereins auf. Das heisst, sie sind frei von willkürlichen Buchungen zu Zwecken der Steueroptimierung. Was also lässt sich nun aus diesen vorliegenden Zahlen interpretieren?

Die flüssigen Mittel betrugen beim SAC mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens.

Zum einen weist der SAC für 2017 einen Verlust aus: Das Minus in der sogenannten Betriebsrechnung (die im Kern eher einer Gewinn- und Verlustrechnung entspricht) betrug insgesamt rund 298000 Franken, deutlich mehr als die budgetierte «schwarze Null» für das Jahr 2017 (Gewinn von 6500 Franken) und auch mehr als das Doppelte des Verlustes von 2016 (rund 141000 Franken). Bedeuten diese Zahlen nun, dass der Schweizer Alpen-Club wirtschaftlich schwierigen Zeiten entgegensteuert? Für solche Fragen ist die Buchhaltung das geeignete Instrument, um Auskunft zu erhalten. Diejenige des SAC ist in dieser Beziehung jedoch nicht so leicht verständlich wie eine Jahresrechnung eines herkömmlichen Unternehmens in der Branche. So hat gemäss Geschäftsbericht die Zahl der Übernachtungen 2017 um rund 4 Prozent abgenommen, was für ein gewöhnliches «Hotel» ein Alarmzeichen sein kann und den Verlust teilweise erklären könnte. Der Alpen-Club muss auch detailliert Bericht erstatten über die Entwicklung seiner Liquidität, das heisst der Veränderung der sogenannten flüssigen Mittel (beim Schweizer Alpen-Club sind dies Bargeldbestände, Post- und Bankguthaben). Diese betrugen Ende 2016 rund 7,5 Millionen Franken (mehr als die Hälfte des Gesamtvermögens, der sogenannten Aktiven, von 13,3 Millionen Franken).

Anders als bei Unternehmen sind diese jedoch in Form sogenannter Fonds gebunden; der Schweizer Alpen-Club führt über 15 solche separaten Rechnungen, welche über Ausgaben und Einnahmen für Berghütten, Hüttenabwässer, Clubführer und vieles mehr Auskunft geben. Die gesamthafte Würdigung dieser Zahlen und Fakten zeigt das schwierige Umfeld, in dem sich der Verein bewegt: Bergzonen selber stehen in Freizeitkonkurrenz zu (vergleichsweise preisgünstigen) Städte- und Flugreisen. Wie der Schweizer Alpen-Club zudem selber bemerkt, ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Arbeitszeitvorschriften fürs Hüttenpersonal (!) schwierig, das Landesmuseum Zürich hat bei «Live on Ice» mehr wie Klimaerwärmung dazwischengefunkt und hohe Folgeabschreibungen beim SAC provoziert. Es bleibt nun zu hoffen, dass die Hüttenruhe lediglich für müde Klettersportlerinnen und -sportler gilt und der Alpenclub seine Beliebtheit in der Zukunft revitalisieren kann, indem er die Bergwelt einer Vielzahl von Personen zugänglich machen kann.

Marco Passardi ist Professor, Dozent und Projektleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern.

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