AUSSICHTEN: Was die Chefs für dieses Jahr planen

Der Franken-Schock ist überwunden, und die Wirtschaft gewinnt an Fahrt. Fünf Firmenchefs aus der Zentralschweiz präsentieren ihre Erwartungen für 2017.

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Von links oben im Uhrzeigersinn: Pascal Niquille, Matthias Bachmann, Nikolai Dittli, Norbert Patt und Matijas Meyer. (Bild: PD/Georg Anderhub/Corinne Glanzmann/Emanuel Ammon)

Von links oben im Uhrzeigersinn: Pascal Niquille, Matthias Bachmann, Nikolai Dittli, Norbert Patt und Matijas Meyer. (Bild: PD/Georg Anderhub/Corinne Glanzmann/Emanuel Ammon)

Wirtschaft wächst moderat

Pascal Niquille (57), Präsident Geschäftsleitung der Zuger Kantonalbank

Wir erwarten für 2017 ein moderates Wirtschaftswachstum. Die Inflation dürfte wegen der steigenden Energiepreise leicht anziehen, die Zinskurve wird am langen Ende etwas höher. Die Zinsen für langfristige Festhypotheken verteuern sich darum leicht. Doch wir gehen davon aus, dass sich am tiefen Hypothekarzinsniveau in den nächsten ein, zwei Jahren nichts Wesentliches ändert.

Die Entwicklung der Negativzinsen beschäftigt die Banken auch 2017. Fährt sie die Nationalbank zurück, baut sie aus oder bleiben sie stabil? Werden die Negativzinsen mehr, stellt sich für uns die Frage, ob und wie stark wir sie bei den Kunden durchsetzen müssen. Das Wirtschaftswachstum und die Bewegung bei den Zinsen bieten Chancen für die Aktien- und Obligationenmärkte.

Die weltpolitische Lage wirft Fragen auf. Die wichtigste: Welche Wirtschaftspolitik wird der designierte US-Präsident Donald Trump betreiben, und welche weltweiten Folgen bringt sie mit sich?

Die Zuger Kantonalbank hat sich für 2017 zum Ziel gesetzt, ihre regionale Markführerschaft bei der Immobilienfinanzierung zu festigen. Weiter streben wir die Fortsetzung unseres Wachstums im Vermögensverwaltungsgeschäft an. Um unsere Kunden anschaulicher zu beraten, zeigen wir ihnen ab Mitte 2017 Szenarien bei Anlageentscheiden gleich auf einem Tablet auf. Und wir freuen uns darauf, mit Kunden und der Zuger Bevölkerung unser 125-Jahr-Jubiläum zu feiern.

Handwerk und Qualität

Matthias Bachmann (46), Geschäftsführer beim Confiseur Bachmann, Luzern

Wir erwarten, dass der Lebensmittelkonsum, insbesondere der Ausserhauskonsum, dieses Jahr stabil bleibt. Vorausgesetzt, die Anbieter reagieren auf Kundenbedürfnisse, Trends und Essgewohnheiten. Dafür braucht es Kreativität in der Produktentwicklung, Schnelligkeit und gezieltes Marketing. Damit Letzteres klappt, kommt man in Zukunft nicht darum herum, geeignete Social-Media-Kanäle zu nutzen. Es ist unser Ziel, damit Kundennähe zu schaffen und mit einer eigenen Community zu interagieren.

Der Einkaufstourismus wird anhalten, der Onlinehandel stärker wachsen, und handwerkliche, lokale Bäckereien werden gefordert sein durch die stark wachsende Einfuhr von industriell hergestelltem Brot sowie Backwaren zu Tiefpreisen. Unser Handwerksbetrieb hat nur Zukunft mit einer klaren und durchdachten Qualitätsstrategie. Denn mit Handarbeit und dem Einsatz von erstklassigen Rohstoffen ist es schwierig, im Preiskampf Marktanteile zu gewinnen. Gleichzeitig steigt der Kundenanspruch, und es gilt, für Premiumqualität, Frische und lokale Wertschöpfung zu sensibilisieren.

In diesem Jahr feiern wir unser 120-Jahr-Firmenjubiläum. Wir wollen ein unabhängiges Familienunternehmen bleiben und bekennen uns langfristig zum Produktionsstandort in der Stadt Luzern. Wachstum steht dabei nicht im Vordergrund. Da wir auf Handarbeit setzen, geht nichts über qualifizierte Mitarbeitende sowie deren Schulung, Förderung und Zufriedenheit.

Ambitionierte Zielsetzungen

Matijas Meyer (46), CEO der Komax-Gruppe, Dierikon

Der Megatrend Mobilität ist ungebrochen und wird dieses Jahr anhalten. Die Komax- Gruppe erwartet, dass in diesem  Jahr die weltweite Autoproduktion weiter zunimmt und sich auch die Anzahl Kabel pro Auto weiter vergrössert. Das sind positive Aussichten für uns, da wir unsere Maschinen zur Automatisierung der Kabelverarbeitung grossmehrheitlich in der Automobilbranche absetzen.

Mit unseren momentan mehr als 1500 Mitarbeitendenproduzieren wir zwar auf fünf Kontinenten, der grösste Teil davon entfällt jedoch auf unsere drei Zentralschweizer Standorte. Da dadurch unsere Exportquote sehr hoch ist, bleibt 2017 die Entwicklung der Fremdwährungen (US-Dollar, Euro) ein wichtiger Faktor für Komax.

In diesem Jahr starten wir mit unserer strategischen Fünfjahresperiode, für die wir uns sehr ambitiöse Ziele gesetzt haben: Bis 2021 wollen wir im Vergleich zum Geschäftsjahr 2015 den Umsatz um über 60 Prozent auf 500 bis 600 Millionen Franken vergrössern und auch das Betriebsergebnis um mehr als 60 Prozent auf 80 bis 100 Millionen Franken steigern.

2016 haben wir viele Mitarbeitende anstellen könnenund darum einen neuen Standort in Küssnacht eröffnet. Unsere Mitarbeiterzahl steigt auch 2017. Für nächstes Jahr haben wir den Spatenstich unseres Neubaus in Dierikon geplant. Ziel ist, dass unsere Mitarbeitenden in Rotkreuz und Küssnacht ab Mitte 2019 ebenfalls in Dierikon arbeiten.

Die Rückkehr zum Wachstum

Norbert Patt (53), Geschäftsleiter der Titlis-Bahnen, Engelberg

Nach dem absoluten Rekordjahr 2015 mussten die Titlis-Bahnen im vergangenen Jahr einen Gästerückgang hinnehmen. Wir sind zuversichtlich, in diesem Jahr wieder auf den steten Wachstumspfad zurückzukehren. Zu Optimismus Anlass gibt vor allem der asiatische Markt. Die Anzeichen stehen gut, dass wieder mehr Gäste aus China sich auf den Weg nach Engelberg und auf den Titlis machen. Auch vom indischen Markt gibt es positive Signale, er legte bereits im vergangenen Jahr zu.

Einen Strich durch die Rechnung könnten weitere terroristische Anschläge in Europa machen. Sie würden nebst dem Leid, das sie anrichten, auch den internationalen Tourismus beeinträchtigen. Die Folgen bekämen die Titlis-Bahnen direkt zu spüren. Verlass ist auf die Schweizer Gäste, wir rechnen bei ihnen mit leichtem Wachstum. Sie garantieren eine stabile Grundauslastung vorab in der Schneesportsparte, auf die 40 Prozent unseres Umsatzes entfallen. Bei den europäischen Gästen scheint nach dem Franken-Schock die Talsohle durchschritten zu sein. In diesem Jahr dürfte die Zahl der Touristen aus Deutschland und Grossbritannien wieder zulegen – allerdings auf tiefem Niveau.

Die Titlis-Bahnen haben in letzten Jahren viel Geld in ihre Infrastruktur investiert, zuletzt 60 Millionen Franken in die Gondelbahn-Verbindung En- gelberg–Stand. Nun folgt eine Zeit der Konsolidierung und mit Investitionen in den Schneesport, die Gastronomie, in Kundenkomfort und -erlebnis.

Die Beratung wird ausgebaut

Nikolai Dittli (51), CEO der Krankenkasse Concordia, Luzern

Leider ist auch in den nächsten Jahren keine nachhaltige Stabilisierung der Gesundheitskosten in Sicht. Unsere Strategie umfasst deshalb diverse Massnahmen, um den Anstieg der Gesundheitskosten zu dämpfen. Wir wollen die Prämienaufschläge für unsere Versicherten auch in Zukunft so klein als möglich und unter dem Branchendurchschnitt halten. Als nicht profitorientierter Verein beteiligen wir die Versicherten direkt am Erfolg. 2017 zahlen wir ihnen 30 Millionen Franken aus den Reserven aus.

Wir bauen die Dienstleistungen in unseren 230 Agenturen und Geschäftsstellen aus. Die Versicherten setzen vermehrt auf Beratungsqualität und bevorzugen für Versicherungsfragen eine Vertrauensperson in ihrer Nähe. Viele suchen wieder finanziell stabile Versicherer, nachdem sie bei den sogenannten Billigkassen wegen des verfeinerten Risikoausgleichs happige Prämienaufschläge in Kauf nehmen mussten.

Mit unserem strategischen Fokus auf eine weitere Steigerung der Dienstleistungsqualität und auf gesunde Finanzen konnten wir 2016 deutlich Marktanteile gewinnen. Dieses erfolgreiche Wachstum wollen wir auch 2017 fortführen. Besonders bei den Familien und den Privat- und Halbprivat-Kunden sehen wir weiterhin grosse Erfolgschancen.

Wir erhöhen die Zahlunserer heute über 1200 Mitarbeitenden. Der grösste Teil des zusätzlichen Personals wird für die Kundenbetreuung in den Agenturen und Geschäftsstellen eingesetzt.

Rainer Rickenbach