Finanzplatz
Auswärtige Banken buhlen um die Reichen aus dem Basler Daig

Bald wird das Basler Bankhaus La Roche in die Notenstein Privatbank überführt. Das löst einen Kampf um die reichen Kunden in der Region Basel aus. Auswärtige Banken buhlen um die Reichen aus dem Basler Daig.

Andreas Schaffner
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Ende Oktober geht ein Ruck durch die Basler Bankenwelt. Und ein Seufzer wird wohl folgen. Denn dann wird das Bankhaus La Roche umfirmiert in Notenstein La Roche Privatbank. Die älteste Basler Privatbank, die 1787 gegründet wurde und Kundengelder in der Höhe von 10 Milliarden Franken verwaltet, verliert ihre Eigenständigkeit. «Sie wirft sich in die Arme der St. Galler Notenstein Bank», sagt ein Insider. Notenstein ihrerseits entstand 2012 aus der Asche der ehemaligen Bank Wegelin. La Roche hat letztes Jahr den Status einer klassischen Teilhaber-Privatbank aufgegeben.

Für Notenstein-Chef Adrian Künzi bietet sich eine einmalige Gelegenheit. Die Eigentümer von La Roche gehören zu den einflussreichsten Familien in Basel. Künzi sagt es so: «Der Bankenplatz Basel ist aufgrund des wirtschaftlichen Umfelds attraktiv. Wir sehen sehr viel Potenzial und glauben, dass wir dank der Tatsache, dass die aktuellen geschäftsführenden Teilhaber von La Roche für unseren Basler Standort verantwortlich sein werden, profitieren können.»

Die Konsolidierung ist im Gang

Der Einstieg der St. Galler geschieht vor dem Hintergrund einer grossen Umwälzung in der Schweizer Bankenlandschaft. Die Kosten für den Betrieb einer Bank steigen, neue Vorschriften und Staatsverträge machen das einst lukrative Geschäft mit ausländischen Kunden unattraktiv. Die Zeit, in der jeder zweite deutsche Zahnarzt sein Schwarzgeld in der Schweiz gebunkert hat, ist endgültig vorbei. Die sogenannte Konsolidierung in der Privatbankenlandschaft, wie das Phänomen genannt wird, ist in vollem Gange. Kleinere Banken schliessen sich zusammen oder werden aufgekauft. Vor einigen Jahren hiess es, eine Bank brauche mindestens 20 Milliarden Franken an verwalteten Kundendepots, um die kritische Grösse zu besitzen. Heute liegt diese Grenze höher.

Viele Banken reagierten auf diese Entwicklung mit einer Reduktion der Beschäftigtenzahl und andere gar mit der Schliessung. «Vor 15 Jahren gab es in der Schweiz noch rund 380 Banken, heute sind es 100 weniger. Der Rückgang der Institute fand in erster Linie in Zürich und Genf statt und nicht auf dem Bankenplatz Basel. Ähnlich verhält es sich mit der Reduktion der Arbeitsplätze», sagt dazu Samuel Holzach, Präsident Basler Bankenvereinigung und Regionaldirektor der UBS in Basel.

Kommt hinzu, dass es bei den grossen Basler Vermögen – dem «Daig» – Veränderungen gibt. Bei einigen stehen Generationenwechsel an. Hinzu kommen die «Neureichen», Immobilienkönige, Pharmaunternehmer. Viele scheinen unzufrieden mit ihrer Bankverbindung. Eine Rolle spielt die neue Eigentümer-Situation bei der einst grössten Basler Privatbank, Sarasin, wie aus Insiderkreisen zu hören ist.

Mit dem Abgang von Eric Sarasin als stellvertretendem Chef der Bank J. Safra Sarasin, wie die Bank heute heisst, Ende 2014 habe der Unmut zugenommen. Der einflussreiche Spross der alten Basler Bankerdynastie war für die Basler Aristokratie eine Art Brücke in die Bank. Heute steht er im Zentrum von Ermittlungen mit sogenannten Cum-Ex-Geschäften in Deutschland. Eine Sprecherin von Safra Sarasin dementiert jedoch entsprechende Gerüchte sowie Veränderungen bei Kunden und Beratern nach dem Abgang Eric Sarasins.

Privatbanken setzen auf Wachstum

Tatsache ist: Privatbanken aus Zürich, Genf und St. Gallen kaufen sich derzeit in Basel ein oder ziehen in neue grössere Büros und erhöhen ihre Präsenz am Rheinknie. Nicht abseitsstehen die Grossbanken UBS und Credit Suisse. Letztere hoffen dank ihrer internationalen Präsenz auf einen stärkeren Zulauf bei den vielen Expats – den gut verdienenden Ausländern in der Pharmaindustrie.

Mit mehr als 7000 Beschäftigten erarbeitet die Bankwirtschaft heute allein in Basel-Stadt und Baselland über 6 Prozent der regionalen Wertschöpfung und trägt rund 20 Prozent der Firmensteuerlast. Laut der letzten Erhebung der Basler Bankenvereinigung 2012 verwalten die Banken in der Region Basel rund 120 Milliarden Franken.

Und die Chancen stehen gut, dass es im Gegensatz zu anderen Bankenplätzen stark aufwärtsgeht. «Der Bankenplatz Basel ist und war weniger stark abhängig von ausländischen Kunden als andere Zentren. Insofern ist unser Bankenplatz von der Vergangenheitsbewältigung nur begrenzt betroffen. Zudem verfügen wir über einige Mitglieder, die Nischen verfolgen, und dies überaus erfolgreich. Insofern schätze ich als Präsident der Basler Bankenvereinigung die Chancen für den Bankenplatz Basel als vollends intakt ein», so Holzach.

Und so feierte im Sommer die Zürcher Privatbank Julius Bär, die beim Sarasin-Kauf nicht zum Zug kam, mit grossem Medienwirbel ihre 15-jährige Präsenz in Basel. Ende Monat ruft sich die Genfer Privatbank Pictet in Erinnerung. Mit dem Umzug in neue Räumlichkeiten soll in der Region Basel eine Akquisitions-Offensive gestartet werden. Ziel ist hier die Verdoppelung der Kundengelder.