Auszeichnung
Der Luzerner Beamte, der Google Maps gross machte: Stefan Muff wird «Entrepreneur Of The Year»

Vor 15 Jahren hat Stefan Muff sein Luzerner Unternehmen Endoxon an Google verkauft. Später baute er die Axon-Gruppe auf. Nun ist er am Freitag als «Entrepreneur Of The Year» ausgezeichnet worden.

Maurizio Minetti
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Stefan Muff bei der Preisverleihung in der Samsung Hall in Dübendorf.

Stefan Muff bei der Preisverleihung in der Samsung Hall in Dübendorf.

Bild: PD

Stefan Muff ist einer der wenigen Schweizer, die mit ihrer Erfindung das Interesse grosser amerikanischer IT-Konzerne geweckt haben. Der Luzerner verkaufte 2006 sein Geodatenunternehmen Endoxon an Google. Was viele Google-Nutzer nicht wissen: Seine Kartentechnologie bildete später die Grundlage für die Entwicklung von Google Maps. Nun wurde Stefan Muff am Freitagabend in Zürich zum «Entrepreneur Of The Year» in der Kategorie «Dienstleistung & Handel» erkoren. Der vom Beratungsunternehmen EY initiierte Preis gilt als einer der renommiertesten Wirtschaftspreise für Unternehmerinnen und Unternehmer.

Uli Sigg ist auch an Bord

Angefangen hat alles in den Achtzigerjahren mit einem «Traumjob» beim Bundesamt für Raumplanung, wie sich Stefan Muff in diversen späteren Medienbeiträgen zurückerinnerte. Die Arbeit machte ihm Spass, doch: «Ich war nicht der typische Beamte, war immer zu lange im Büro», sagte Muff 2009 dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz». Eines Tages erhielt er den Auftrag, ein räumliches Informationssystem aufzubauen. Daraufhin machte er sich selbstständig: Mit seinem Bruder Bruno gründete er 1988 die Symplan Map AG, später wurde daraus die Endoxon AG in Luzern. Als Investor mit dabei war auch Kunstsammler und Ex-Botschafter Uli Sigg.

Der Verkauf an Google sorgte 2006 für viel Aufsehen. Über den Kaufpreis konnte nur spekuliert werden. Eine von Medien kolportierte Kaufsumme von 35 Millionen Franken bezeichnete der damalige Endoxon-CEO Samuel Widmann gegenüber unserer Zeitung als «Falschmeldung». Tatsächlich dürfte der Preis höher gewesen sein, denn Endoxon war seit 2001 profitabel und verzeichnete jährliche Umsatzsteigerungen von 20 Prozent. Auch Microsoft und zwei Schweizer Konzerne hatten Interesse an Endoxon, doch letztlich machte Google das Rennen.

Die Brüder Stefan (links) und Bruno Muff in einem Bild aus Gründerzeiten.

Die Brüder Stefan (links) und Bruno Muff in einem Bild aus Gründerzeiten.

Bild: Endoxon

Der «Bilanz» sagte Muff, es sei der beste Entscheid seines Lebens gewesen, nach dem Verkauf von Endoxon noch einmal neu anzufangen. Tatsächlich war er nach dem Google-Deal eine Zeit lang für den Suchmaschinenriesen tätig, doch dann zog er weiter und legte 2008 den Grundstein für die heutige Axon-Gruppe mit Hauptsitz im Luzerner Schlössli Schönegg – gemäss unbescheidener Eigendeklaration das «Silicon Valley der Zentralschweiz». Er habe um das Schlössli gekämpft wie ein Löwe, habe es mit knapper Kasse gekauft und gemeinsam mit der Familie renoviert. «Statt ins Fitnessstudio zu gehen, haben wir am Wochenende Mauern abkompressiert», erinnerte sich Muff. Auch an Axon ist wiederum Uli Sigg beteiligt. Später übernahm Muff die Orell Füssli Wirtschaftsinformationen AG – 2014 verkaufte er die Firma für kolportierte 50 Millionen Franken an die italienische CRIF-Gruppe.

Gegen die Sammelwut

Die Axon-Gruppe bietet heute mit Hunderten von Angestellten über verschiedene Tochterfirmen Software-Dienstleistungen an. Ein grosser Teil der Software wird in Südostasien programmiert. Zum Beispiel hat sich Axon Vibe auf Datenanalyse spezialisiert. Dabei steht für Muff der Datenschutz im Zentrum. «Ich möchte den Menschen das Leben massiv erleichtern und die Herausgabe ihrer persönlichen Daten minimieren», sagte er letztes Jahr gegenüber dieser Zeitung: «Wir stellen den Benutzer ins Zentrum, darum ist es inakzeptabel, dass multinationale Plattformen und soziale Netzwerke alle unsere Daten sammeln und dadurch unschätzbare Macht bekommen.»

Die Jury des «Entrepreneur Of The Year» wählt Stefan Muff zum Gewinner der Kategorie «Dienstleistung & Handel», weil er ein Visionär und Gestalter eines Ökosystems der IT-Branche sei, wie man es hierzulande nur selten antreffe: «Stefan Muff erklärt, wofür die Schweiz in der Welt bewundert wird – grosser Erfindergeist und die Fähigkeit, diesen in die Tat umzusetzen.»

Die weiteren diesjährigen Preisträger

►   Carlo Centonze (HeiQ, Schlieren ZH) in der Kategorie «Industrie, High-Tech & Life Sciences»
2005 gründeten Carlo Centonze und Murray Height HeiQ Materials als ETH-Spin-off. Die Firma entwickelt sogenannte «functional materials», etwa Stoffe, welche Viren eliminieren oder Öl aus dem Meerwasser filtern. 2020 gelingt HeiQ der Börsengang an der Londoner Stock Exchange. 

►   Markus Gericke (Gericke Group, Regensdorf ZH) in der Kategorie «Family Business»
1894 gründete Walter H. Gericke eine Mühlenbauanstalt, die Markus Gericke nach vier Generationen in Familienhand übernehmen kann. Heute steht das Unternehmen für Gesamtlösungen zur Verarbeitung von Schüttgütern, also das Fördern, Dosieren, Mischen und Kontrollieren von Pulvern und Körnern. Gericke ist mit zwölf Standorten weltweit tätig und steht für Schweizer Werte im Engineering und Maschinenbau. 

►   Lukas Böni und Pascal Bieri (Planted Foods, Kemptthal ZH) in der Kategorie «Emerging Entrepreneurs»
Gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen gründeten Lukas Böni und Pascal Bieri 2019 Planted Foods. Das Start-up kreiert pflanzliches Fleisch aus Erbsen, deren Nachhaltigkeit noch einmal höher ist als diejenige von alternativen Rohstoffen und Methoden. Nach zwei Jahren macht das Jungunternehmen bereits kräftige Umsätze, hat zwei Finanzierungsrunden hinter sich und agiert in drei Ländern.