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AUTOINDUSTRIE: VW beugt sich dem Druck Chinas

Subventionen und rigide Gesetze erzwingen in China einen überraschend schnellen Wandel bei der Elektro-Mobilität. Nun reagiert auch Volkswagen auf diesen Druck.
Felix Lee, Peking
Arbeiter im Werk von Volkswagen in Foshan in der südchinesischen Provinz Guangdong. (Bild: Getty (25. September 2013))

Arbeiter im Werk von Volkswagen in Foshan in der südchinesischen Provinz Guangdong. (Bild: Getty (25. September 2013))

Felix Lee, Peking

Bis vor kurzem fristete auch in China der Markt für Elektroautos eher ein Nischendasein. Dabei ist es seit Jahren erklärter Wille der chinesischen Führung in Peking, den Anteil von strombetriebenen Fahrzeugen künftig deutlich zu erhöhen. Doch den meisten Chinesen war eine hohe PS-Zahl wichtiger als niedrige Abgaswerte. Volks­wagen, Daimler, BMW und die ­anderen Autobauer wiederum sahen wenig Anlass, ihre Fahrzeugpalette gross umzustellen, solange sich ihre benzingetriebenen Gefährte weiter gut verkauften.

Doch seit einiger Zeit übt Chinas Führung enormen Druck aus. Sie hält an ihrem Ziel fest, dass bis 2020 mindestens 5 Millionen Elektroautos auf Chinas Strassen fahren. Bis 2025 soll schliesslich ein Fünftel aller verkauften Fahrzeuge an der Steckdose aufladbar sein. Damit Volkswagen weiterhin Marktführer auf dem weltgrössten Automarkt der Welt bleibt, hat der Wolfsburger Konzern nun auf diese anstehenden Vorgaben reagiert.

10 Milliarden Euro für die Elektromobilität

Am Rande der Automesse im südchinesischen Guangzhou teilte Volkswagens China-Chef Jochem Heizmann gestern mit, dass sein Unternehmen in den nächsten sieben Jahren zusammen mit den chinesischen Partnern rund 10 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren werde. Das Ziel: Bis 2025 sollen rund 40 Fahrzeugmodelle mit alternativen Antrieben produziert werden – noch einmal 25 Modelle mehr als bereits vorgesehen. Der Markt für Elektroautos entwickle sich in der Volksrepublik «schneller als in anderen Teilen der Welt», begründete Heizmann diese Entscheidung. Bis 2020 wolle VW auf seinem wichtigsten Markt rund 400 000 E-Fahrzeuge jährlich verkaufen. Bis 2025 soll der Absatz auf 1,5 Millionen steigen.

Diese Entscheidung hat der Volkswagen-Konzern keineswegs freiwillig gefällt. Vor einem Jahr hat Chinas Führung eine Produktionsquote für E-Autos vorge­geben. Nach einem bestimmten Punktesystem müssen dann 10 Prozent aller in China verkauften Autos über einen Hybridantrieb oder einen Elektromotor verfügen. Diese Regelung sollte ursprünglich bereits ab 2018 gelten. Nach heftigen Protesten vor allem der deutschen Autohersteller verschob die chinesische Führung diese Vorgabe um ein Jahr.

Nun spricht VW-Vorstandsmitglied Heizmann von einer «richtigen Lösung». Als «Schlüsselherausforderung» sieht Heizmann auch gar nicht die E-Quote an sich, sondern Vorgaben der chinesischen Regierung zum Spritverbrauch. Demnach dürfe die gesamte Fahrzeugflotte eines Herstellers künftig im Durchschnitt nicht mehr als 5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. «Das ist eine schwierige Vorgabe.» China ist der grösste und am schnellsten wachsende Automarkt der Welt: Im vergangenen Jahr haben die Chinesen 24 Millionen Autos gekauft, 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Das Land dominiert damit ein knappes Drittel des weltweiten Fahrzeugmarktes. Und auch bei der Elek­tromobilität steht China an der Weltspitze. Im vergangenen Jahr fanden insgesamt 355 000 Autos mit neuer Antriebsform einen chinesischen Käufer. Diese Zahl ist für 2017 bereits übertroffen: Bis August lag der Absatz bereits bei 346 000 E-Autos, damit entfällt die Hälfte des Weltmarktes auf die Volksrepublik.

Das Problem aus Sicht der chinesischen Regierung: So sehr sie es in den vergangenen Jahrzehnten versucht hat, chinesische Autos auch weltweit zu vertreiben – gelungen ist ihr das nicht. Mit den etablierten Autonationen, allen voran Deutschland und Japan, hat es China nicht aufnehmen können. Beim Markt für Autos mit Verbrennungsmotoren haben die chinesischen Autobauer inzwischen aufgegeben. Doch mit der elektrischen Revolution werden die Karten nun neu gemischt. Mit massgeschneiderten Regeln sorgt Peking dafür, dass die Japaner, Koreaner, Amerikaner und Deutschen vor Ort herstellen müssen, wenn sie am chinesischen Wachstumsmarkt teilhaben wollen. Den eigenen, grossen Markt nutzt Peking dabei ohne Skrupel, um die Entwicklung im eigenen Sinn zu lenken. So erhalten Elektroautos beispielsweise nur dann Subventionen, wenn die Batterien von bestimmten Herstellern stammen. Meist treffen die Kriterien nur auf einheimische Anbieter zu.

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