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AUTOMARKT: Abgas-Skandal bei Volkswagen

Volkswagen soll in den USA Abgaswerte von Dieselmotoren manipuliert haben. Dem Konzern droht eine Strafe von 18 Milliarden Franken. Fraglich ist, ob VW auch hierzulande getrickst hat.
Ein Blick in die Autoproduktion bei Volkswagen im Werk im deutschen Wolfsburg. (Bild: Getty)

Ein Blick in die Autoproduktion bei Volkswagen im Werk im deutschen Wolfsburg. (Bild: Getty)

Christoph Reichmuth, Berlin

Die Vorwürfe sind gravierend, der Imageschaden schon jetzt gewiss: Europas grösster Automobilkonzern Volkswagen hat in den USA im grossen Stil Abgastests manipuliert. Mit einer speziellen Software wurden die Stickoxidwerte bei Abgastests künstlich niedrig gehalten. Das Programm schaltete jedoch beim normalen Fahren die Abgasbegrenzung aus. Das Ergebnis dieser Manipulation: eine bessere Motorleistung auf Kosten der Umwelt. Im normalen Fahrbetrieb übertreffen die Fahrzeuge die festgesetzten Emissionslimits um ein Vielfaches. Der Konzern hat die Manipulation bereits eingeräumt.

VW drohen nun schlimmstenfalls Strafzahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar. Zudem wurde der Verkauf von Dieselmodellen in den USA gestoppt. 482 000 Dieselfahrzeuge werden zurückgerufen und müssen nachgebessert werden. Das wird alles Geld kosten. Zudem ist mit einer kostspieligen Sammelklage von US-Autohaltern zu rechnen. Laut der US-Umweltbehörde (EPA) stehen im Fokus der Ermittlungen unter anderem Fahrzeuge der Typen VW Jetty, VW Beetle, Passat sowie der Audi A3.

Aktie stürzt massiv ab

Der Manipulationsskandal hat die VW-Aktie gestern um mehr als 20 Prozent abstürzen lassen. Durch den Kurssturz verlor der Wolfsburger VW-Konzern zwischenzeitlich rund 17 Milliarden Euro an Börsenwert. VW hat nach eigenen Angaben eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben.

Konzernchef Martin Winterkorn äusserte sein Bedauern, «dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben». Der VW-Aufsichtsrat will sich morgen zu einer Krisensitzung treffen. Mit scharfer Kritik reagierte gestern die Politik auf die Affäre. «Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Mitglied des VW-Aufsichtsrates. Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) meldete sich zu Wort. Der SPD-Chef befürchtet einen Imageschaden für die gesamte deutsche Auto­mobilindustrie. «Dass wir Sorgen haben, dass der berechtigte, exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und insbesondere von Volks­wagen darunter leidet, das können Sie sicherlich verstehen.» Das Bundesumweltministerium verlangt eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle. «Wir stehen vor einem Fall von eklatanter Verbrauchertäuschung und Umweltschädigung», sagte Staatssekretär Jochen Flasbarth.

Möglicherweise wird VW-Chef Winterkorn nicht unbeschadet aus der Affäre herauskommen. Experten gehen davon aus, dass Entscheide zum Einsatz verbotener Software nicht im kleinen Kreise getroffen werden. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer legt Konzernchef Winterkorn schon jetzt den Rücktritt nahe. Als direkter Verantwortlicher für Forschung und Entwicklung habe Winterkorn entweder von den Manipulationen gewusst oder er habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff.

Prüfungen auch in der Schweiz

Dudenhöffer, Professor an der Universität Duisburg-Essen, schliesst im Gespräch mit unserer Zeitung nicht aus, dass auch an anderen Fahrzeugen in Europa manipuliert worden ist. «Ich hätte erwartet, dass Herr Winterkorn heute an die Öffentlichkeit geht und erklärt, dass bei sämtlichen Fahrzeugen aus dem VW-Konzern in Europa, Südamerika und Asien nicht manipuliert worden ist. Dann wüssten die Fahrzeuglenker, dass ihre Autos die Umweltstandards erfüllen. Aber Winterkorn hat das nicht getan. Das lässt viele Fragen offen.» Laut dem Bundesumweltministerium soll nun überprüft werden, ob in Deutschland bei den Emissionswerten von VW und anderen Herstellern getrickst worden ist. Ob auch der Schweizer Markt von Manipulationen betroffen ist, ist unklar. Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat entsprechende Untersuchungen in der Schweiz eingeleitet.

Sicher ist, dass der Skandal dem VW-Konzern im ohnehin schwierig zu bearbeitenden US-Markt schwer schaden wird. Die Absatzzahlen für VW in Nordamerika sind enttäuschend. Der Konzern wollte ausgerechnet mit der jetzt in die Negativschlagzeilen geratenen «Clean Diesel»-Reihe Boden gegenüber Konkurrenten mit Hybridmodellen gutmachen. Dudenhöffer befürchtet, dass die VW-Affäre auf die deutsche Automobilindustrie im US-Geschäft ausstrahlt. «Dieser Skandal wird es für VW schwerer machen, in den USA zum Erfolg zu finden.» Deutschland habe in den USA den Dieselantrieb «hoffähig machen wollen. Der Skandal ist ein Rückschlag für die gesamte deutsche Automobilindustrie in den USA.» Verbraucherschützer Klaus Müller zeigte sich fassungslos: «Wie kann man so blöd sein und mit einem Federstrich das Renommee der deutschen Automobilhersteller gefährden?»

Laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) war VW bereits im Jahr 2014 vorgewarnt. Der deutsche Autohersteller wurde laut der FAZ bereits im vorigen Jahr über Untersuchungen der Umweltbehörde ins Bild gesetzt. Nach Tests soll VW den Behörden Ende des letzten Jahres versichert haben, dass das Problem mit den Emissionen gelöst sei. Allerdings ergaben spätere Tests, dass die Manipulation nicht beseitigt worden war.

Gesamte Branche gerät in den Fokus

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht den Tatbestand der «vorsätzlichen Körperverletzung» erfüllt, weil die betroffenen Fahrzeuge absichtlich bis zu 40-mal mehr hochgiftige Dieselabgas-Gifte ausgestossen hätten als erlaubt. Die DUH fordert daher Winterkorns Rücktritt und eine lückenlose Offenlegung durch den Aufsichtsrat, ob weitere Diesel-PW mit einer Software zur Abgas-Manipulation ausgerüstet und weitere Länder betroffen seien. Auch andere Hersteller setzten nach Einschätzung der DUH insbesondere in Europa Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung ein, um noch mehr Leistung aus den Motoren herauszuholen. Daimler erklärte, man sei nicht von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde betroffen. Bei BMW hiess es, die US-Behörde habe ein Dieselmodell getestet und keine Verstösse festgestellt.

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik: Oliver Marx / Neue LZ

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