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AUTOMOBIL: Das Elektroauto nimmt weiter Fahrt auf

Immer mehr Länder und Autohersteller setzen auf Alternativen zum Verbrennungsmotor. Elektrofahrzeuge kommen dabei verstärkt in Fahrt und wirbeln die Autoindustrie auf. Tesla und China geben den Takt vor.
Ernst Meier
Das Elektrozeitalter in der Fahrzeugbranche ist angebrochen. In der Bildmitte ein Elektrotaxi E6 auf einer Kreuzung im chinesischen Taiyuan. Die Stadt setzt bei ihrer Taxiflotte auf Elektrofahrzeuge. (Bild Qilai Shen/Bloomberg via Getty (Taiyuan, 13. September 2016))

Das Elektrozeitalter in der Fahrzeugbranche ist angebrochen. In der Bildmitte ein Elektrotaxi E6 auf einer Kreuzung im chinesischen Taiyuan. Die Stadt setzt bei ihrer Taxiflotte auf Elektrofahrzeuge. (Bild Qilai Shen/Bloomberg via Getty (Taiyuan, 13. September 2016))

Ernst Meier

Die von dicken Abgaswolken eingehüllten chinesischen Grossstädte zeigen, wie dringend nötig eine Alternative zum heutigen Verbrennungsmotor ist. Das Extrembeispiel Peking: 5,8 Millionen Autos sind täglich in der Stadt unterwegs, weniger als 10 Prozent der Fahrzeuge erfüllen europäische Abgasnormen. Unter­suchungen legen offen: Der Strassenverkehr ist für knapp einen Drittel des gesundheitsgefährdenden Feinstaubs verantwortlich. Nicht nur der Smogalarm, auch das Bewusstsein im Umgang mit nicht erneuerbaren Rohstoffen, die Abhängigkeit von arabischen Ländern sowie die Klimaziele – sie sind weitere Gründe, weshalb Regierungen und Autobauer mit Hochdruck an einer Alterna­tive zum Verbrennungsmotor arbeiten.

Verfolgt man die aktuelle Entwicklung, so deutet alles darauf hin, dass dem Elektroantrieb die Zukunft gehört. Der kalifornische Hersteller Tesla entwickelt seit 2003 E-Cars. Mitte Juli startete er die Produktion des Model 3. Der Volks-Tesla macht E-Fahrzeuge auch für die breite Masse erschwinglich; in den USA ist das Model 3 (Mindestreichweite 300 Kilometer) ab 35 000 Dollar zu kaufen. Die ersten 30 Käufer können ihren Volks-Tesla am 28. Juli bei einer Party entgegennehmen. Tesla-Chef Elon Musk verkündete unlängst, man habe 400 000 Bestellungen erhalten. Im vergangenen Jahr baute Tesla rund 84 000 Autos, 2020 sollen es bereits über eine Million sein.

China als «Elektromotor der Autowelt»

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass das Elektrozeitalter in der Fahrzeugbranche definitiv angebrochen ist. «Nach meiner Einschätzung hat der Verbrennungs­motor keine Zukunft. Die Diesel-Affäre beschleunigt den Technologiewechsel», sagt Dudenhöffer gegenüber unserer Zeitung. Er glaubt, dass sich elektrisch betriebene Autos durchsetzen werden. Und für einmal sei es China, welches bei der Ablösung den Ton angebe, «obwohl mit Tesla der bekannteste Hersteller von E-Fahrzeugen aus den USA kommt», wie Dudenhöffer erklärt: «China fördert den Verkauf von Elektrofahrzeugen am stärksten. 2018 müssen 8 Prozent aller Neuwagen in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt über einen Elektroantrieb verfügen.»

Bereits heute ist China «der Elektromotor der Autowelt», denn 2016 wurden gemäss dem Center of Automotive Management (CAM) in Gladbach 507 000 Elektrofahrzeuge – reine E-Autos und Plug-in-Hybridmodelle – verkauft. In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum 25 000, in den USA 157 000, in der Schweiz 3525 Stück. Dudenhöffer glaubt, dass in China 2025 über 40 Prozent aller Neuwagen einen Hybrid- oder reinen Elektroantrieb haben werden. Doch nicht nur China setzt verstärkt auf die E-Mobilität. In den letzten Wochen mehrten sich die Meldungen, wonach Autohersteller und Länder sich dem Trend zuwenden. Der schwedische Autobauer Volvo will sich in den nächsten Jahren von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren verabschieden, wie das Unternehmen Anfang Juli bekanntgab. «Ab 2019 wird jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben», kündigte Volvo-Chef Hakan Samuelsson an und versprach: «Zwischen 2019 und 2021 werden wir fünf reine E-Autos auf den Markt bringen.» Dazu soll es ergänzend eine Reihe von Hybridmodellen geben. Diese Fahrzeuge können an der Steckdose geladen werden und verfügen gleichzeitig über einen Verbrennungsmotor. Vom Diesel will sich Volvo ganz verabschieden, wie Samuelsson der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» gegenüber sagte. «Bis 2025 wollen wir eine Million E-Fahrzeuge verkaufen», verkündete er. Als Grund gab er an, dass immer mehr Kunden Elektroantrieb wünschen. Laut Ferdinand Dudenhöffer hat das Vorpreschen von Volvo auch damit zu tun, dass die schwedische Kultmarke seit 2010 zur chinesischen Geely-Gruppe gehört.

Frankreich: 2040 droht das Ende des Verbrennungsmotors

Ein Umdenken findet derzeit auch in Frankreich statt. Das Land will für den Klimaschutz den Verbrennungsmotor bis zum Jahr 2040 aufgeben, wie Umweltminister Nicolas Hulot vor wenigen Tagen bekanntgab. Das drohende Aus für Benzin- und Dieselautos ist ein klares Zeichen an die nationalen Autohersteller Renault-Nissan und Peugeot-Opel, rechtzeitig zu reagieren. Auch andere Nationen haben ähnliche Pläne: Indien will ab 2030 nur noch E-Autos zulassen, und Norwegen will fünf Jahre früher diesen Schritt bereits vollziehen. Die Automacht Deutschland scheint von der E-Dynamik überrannt zu werden. VW, Audi, Mercedes & Co. haben nicht nur mit der Diesel-Affäre zu kämpfen, sie versuchen, eine Technologie von gestern zu retten, wie Dudenhöffer sagt: «Deutschlands Autobauer haben zu lange auf den Diesel gesetzt und befinden sich in einer Sackgasse.» Dies könnte schwerwiegende Folgen für die deutsche Wirtschaft haben, denn das Land erzielt mit der Entwicklung von Diesel- und Benzinfahrzeugen jährlich über 400 Milliarden Euro Umsatz, die Branche beschäftigt 850 000 Personen. Die «Süddeutsche Zeitung» rechnet vor, dass der Abschied vom Verbrennungsmotor eine Viertelmillion Jobs in Deutschland kosten könnte.

Zumindest bei Porsche scheint man aufgrund dieses Horrorszenarios erwacht zu sein. Die Tochter des VW-Konzerns schlug vor kurzem überraschend neue Töne an. «Für Porsche ist die Zukunft elektrisch», liess sich Vorstandschef Oliver Blume im «Manager-Magazin» zitieren. In sechs Jahren soll jeder zweite verkaufte Porsche einen Elektroantrieb haben. Mit dem E-Modell «Mission E» will der Stuttgarter Sportwagenbauer ab 2019 auch Tesla attackieren.

Chinesen kaufen fast nur einheimische Elektroautos

Falls sich der Elektroantrieb in der Automobilbranche durchsetzt, könnte dies zu einer Machtverschiebung in der Industrie führen. China ist es trotz grossen Anstrengungen nie gelungen, bei den Verbrennungsmotoren zu den westlichen und japanischen Autobauern aufzuschliessen. Mit dem frühzeitig von Peking verordneten Wechsel zur Elektromobilität hat die chinesische Autoindustrie bereits heute einen Vorsprung auf den Westen. Dazu hat das Reich der Mitte auch den Zugang zu den Rohstoffen für die Batterieherstellung in Afrika rechtzeitig gesichert. Unter den 20 meist­verkauften E-Fahrzeugen in China ist mit Tesla nur ein ausländischer Produzent vertreten. Am beliebtesten sind die Modelle von Baic, staatlicher Autohersteller und langjähriger Partner von Hyundai und Daimler. Weitere chinesische Hersteller, die vorne mitmischen, sind BYD und Geely. Baic investiert ­mittlerweile in den Tesla-Konkurrenten Lucid Motors mit Sitz in Kalifornien.

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