AUTOVERSICHERUNG: Überversichert oder richtig versichert?

Viele Schweizer Autofahrer sind gemäss einer Studie überversichert. Doch das stimmt nur bedingt. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten müssen.

Max Fischer
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Bereits vermeintlich kleinere Unfallschäden können immense Kosten nach sich ziehen. Deshalb lohnt es sich, genau zu überlegen, wie lange man beispielsweise sein Auto vollkaskoversichert. (Bild: Getty)

Bereits vermeintlich kleinere Unfallschäden können immense Kosten nach sich ziehen. Deshalb lohnt es sich, genau zu überlegen, wie lange man beispielsweise sein Auto vollkaskoversichert. (Bild: Getty)

Mehr als jeder dritte Besitzer eines 6-jährigen Autos wünscht noch einen Vollkaskoschutz. Selbst bei 10-jährigen Autos sind es 16 Prozent und bei 19-jährigen immer noch knapp 9 Prozent. Das zeigt eine Auswertung von Comparis bei über 450 000 auf seiner Homepage gemachten Vergleichen. Mit einer Teilkasko könnten diese Leute eine Menge Geld sparen, folgert der Internet-Vergleichsdienst. Felix Schneuwly von Comparis: «In der Regel lohnt sich eine Vollkasko wegen des Wertverlustes nicht für Autos, die älter als vier, fünf Jahre sind.»

Die wenigsten prüfen regelmässig

Als möglichen Grund für das übervorsichtige Verhalten vermutet Comparis-Sprecher Schneuwly, dass die wenigsten Autofahrer regelmässig überprüfen, ob ihre Versicherung noch ihren Bedürfnissen entspricht. Doch Stefan Thurnherr vom VZ VermögensZentrum relativiert die angebliche Trägheit unserer Automobilisten: «Für Lenker auf der höchsten Bonus-Stufe kann sich die Weiterführung der Vollkasko auch noch länger lohnen», so der Versicherungsspezialist. Der Grund: «Die Prämien sind in diesen Fällen schon fast auf Teilkasko-Niveau gesunken».

Entscheidend ist der Zeitwert

Die Vollkasko bietet gegenüber der Teilkasko einen nicht unerheblichen Schutz: Wer ein neues Auto kauft, zahlt dafür viel Geld. Und wenn der Lenker seinen teuren Wagen durch eigenes Verschulden zu Schrott fährt, verliert er alles auf einen Chlapf. Er muss eine schöne Stange Geld auf der Seite haben, um sich ein neues Auto anzuschaffen. Vor solchen Widrigkeiten hilft die Vollkasko-Versicherung. Als Ergänzung zur Teilkasko kommt sie durch selbst verschuldete Schäden am eigenen Auto auf.

Gemäss Stefan Thurnherr ist die Vollkasko auch dann von Vorteil, wenn sie unschuldig in einen Unfall verwickelt sind. Denn der fehlbare Lenker respektive seine Versicherung muss Ihnen laut Gesetz nur den entstandenen Schaden ersetzen. Das heisst: den Zeitwert ihres kaputten Autos. Wenn Sie hingegen bei Ihrer Vollkasko-Versicherung den Zeitwertzusatz versichert haben, zahlt sie die Differenz. Je nach Alter des Autos kann das schnell ein paar Tausend Franken ausmachen.

Hier gibt es Sparpotenzial

Bei der Autoversicherung sieht Experte Thurnherr vor allem bei der Insassen-Unfallversicherung Sparpotenzial. «Diese ist meist überflüssig», stellt er fest. Die Prämie von bis zu 150 Franken pro Jahr kann man sich sparen. Angestellte sind gegen Unfall gut versichert. Und Nichterwerbstätige sind über die Krankenkasse obligatorisch gegen Unfallfolgen versichert. Allerdings nur für die Heilungskosten beim Arzt und im Spital. Bei den Krankenkassen kann aber günstig ein Unfalltodes- und Invaliditätskapital dazu versichert werden. Der grosse Vorteil dieser Lösung: So sind sämtliche Unfälle und nicht nur die Autounfälle abgedeckt.

Viele Autofahrer haben auch eine Zusatzdeckung für den Verlust von persönlichen Gegenständen in ihrer Autokasko. Stefan Thurnherr: «Meist sind persönliche Effekten bereits über die Hausratsversicherung über den Zusatz ,einfacher Diebstahl auswärts' gedeckt». Wer diesen Zusatz in seiner Hausratsversicherung hat, braucht keine weitere Versicherung in seiner Autokasko. Die Hausratsversicherung lohnt sich auch, weil dann persönliche Gegenstände nicht nur bei einem Diebstahl aus dem Auto gedeckt sind. Ein entwendetes Velo ist so ebenfalls versichert.

Die Finessen bei der Kündigung

Kündigen kann man seine Autoversicherung auf das in der Police angegebene Ablaufdatum. Die Kündigungsfrist dafür beträgt drei Monate. Kündigen können Sie auch, wenn Sie das Auto wechseln. Viele Automobilisten haben langjährige Verträge. Bei diesen sollte man ein jährliches Kündigungsrecht mit einschliessen.

Auch bei einer Prämienerhöhung kann man die Versicherung wechseln. Stefan Thurnherr rät, nicht gleich das erste Angebot zu wählen. Für ihn macht es Sinn, drei Offerten einzuholen. Eine davon bei einer Direktversicherung wie beispielsweise Zurich Connect. Der Rest ist Verhandlungssache. «Wer märtet, kann bis 20 Prozent herausholen», verspricht Thurnherr.

Als sinnvoll fürs Portemonnaie erachtet Thurnherr, dass grobfahrlässiges Verhalten abgedeckt ist. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man seinen Zündschlüssel im nicht abgeschlossenen Auto stecken lassen und ein Dieb sich mit dem Fahrzeug davon macht. Oder wenn man bei Rot über die Kreuzung fährt. Dann kann die Versicherung die Kosten für den Schaden von Ihnen zurückverlangen.

Gegen einen kleinen Aufpreis kann man einen Grobfahrlässigkeitsschutz abschliessen. Aber: Wie Bettina Steiner von der Axa Winterthur gegenüber der Zentralschweiz am Sonntag bestätigt, treten per 1. Januar des nächsten Jahres neue gesetzliche Regelungen in Kraft. Es handelt sich um Massnahmen in Zusammenhang mit dem Verkehrssicherheitsprogramm «Via sicura» des Bundes. «Versicherer sind dann verpflichtet, Leistungen beim Fahrzeugführer zurückzufordern, wenn dieser in angetrunkenem oder fahrunfähigem Zustand einen Schaden verursacht», so Steiner. Das gleiche gilt bei Raserdelikten, wenn es «durch besonders schwerwiegende Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit» zu einem Zwischenfall kommt. Dann werden die Verursacher trotz Grobfahrlässigkeitsschutz dennoch zur Kasse gebeten.