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AVALOQ: «Perfekter Partner» für den Börsengang

Die Zürcher Softwarefirma Avaloq ist so bedeutend für das Schweizer Finanzsystem, dass ihre unlängst kolportierten Liquiditätsprobleme sogar den Regulator ins Grübeln brachten. Jetzt sorgt ein neuer Aktionär für Entspannung.
Daniel Zulauf
Avaloq-Chef Francisco Fernandez. (Bild: Peter Frommenwiler/Freshfocus)

Avaloq-Chef Francisco Fernandez. (Bild: Peter Frommenwiler/Freshfocus)

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Der aus Martin Ebners BZ Bank hervorgegangene Bankensoftwarehersteller Avaloq erhält einen neuen Grossaktionär. Die US-Investmentgesellschaft Warburg Pincus kauft für rund 350 Millionen Franken 35 Prozent der Aktien der Firma. Verkäufer sind Firmengründer und CEO Francisco Fernandez und seine über 2000 Mitarbeiter. Sie besitzen künftig nicht mehr 90 Prozent, sondern zusammen nur noch 55 Prozent der Anteile. Raiffeisen hält weiterhin 10 Prozent.

«Das ist genau die Stabilität, die wir brauchen.» Mit diesen Worten habe die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) den Deal kommentiert, sagte Fernandez gestern an einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Zürich. Avaloq wird zwar nicht direkt von der Finma beaufsichtigt, kann aber als einer der beiden führenden Schweizer Bankensoftwarehersteller (neben Finnova) durchaus als system­relevant für den Bankensektor betrachtet werden. Jede fünfte Bank in der Schweiz betreibt ein Avaloq-System. Und weil zu den Avaloq-Kunden auch viele grössere Banken gehören, bilden die IT-Systeme der Firma sogar für fast jeden zweiten Bankangestellten in der Schweiz die Grundlage der täglichen Arbeit. Dementsprechend nervös reagierte die Branche im vergangenen Herbst, als Gerüchte über Liquiditätsprobleme bei Avaloq aufgekommen waren. Ein teurer Projektabbruch in Deutschland, der Avaloq nach Aussagen von Branchenkennern deutlich mehr als 50 Millionen Euro gekostet haben soll, machte die Stimmung nicht besser. Man habe das Gespräch mit dem Unternehmen gesucht, um aus erster Hand Klarheit über dessen finanzielle Lage zu erhalten, hatten verschiedene Kantonalbanken in Basel, Aarau und Luzern vor zwei Monaten bestätigt.

Nachdem Avaloq schon im Februar beruhigende Geschäftszahlen veröffentlicht hatte, dürfte der gestern angekündigte Deal zusätzlich für Entspannung sorgen. «Wir wurden am Morgen direkt durch Francisco Fernandez über den Einstieg von Warburg Pincus informiert», sagte Daniel von Arx, Sprecher der Luzerner Kantonalbank, auf Anfrage. «Aus Sicht eines Avaloq-Kunden werten wir die angestrebte Wachstumsstrategie positiv, weil sie Chancen eröffnet, die Kundenbasis von Avaloq zu erweitern. Davon dürften alle Avaloq-Kunden profitieren», so von Arx.

Umsatz soll 1 Milliarde Franken erreichen

Tatsächlich begründete Fernandez den Teilverkauf seiner Anteile (er besitzt nach Abwicklung der Transaktion vor den Sommerferien noch 28 Prozent der Aktien) mit den ehrgeizigen Wachstumszielen von Avaloq, zu deren Erreichung ein starker Partner notwendig sei. Mit Warburg Pincus habe man den «perfekten» Partner gefunden, der Avaloq auf dem Weg an die Börse begleiten könne. In der Pressemitteilung wird der zeitliche Horizont der Warburg-Pincus-Beteiligung mit rund sieben Jahren angegeben. An der Pressekonferenz war aber von einem Börsengang schon in drei bis vier Jahren die Rede. In diesem Zeitraum will Avaloq den Umsatz von aktuell 533 Millionen Franken auf rund 1 Milliarde Franken verdoppeln.

Hoch in der Prioritätenliste steht das Ziel der geografischen Expansion. In der Vergangenheit war Avaloq vor allem durch den Verkauf von Kernbankensoftware gewachsen. Inzwischen expandiert das Unternehmen auch stark über sogenannte Business Process Outsourcing Hubs, die den angeschlossenen Banken die Auslagerung von Funktionen wie Zahlungsverkehr oder Wertpapierabwicklung ermöglichen. Avaloq werde in Zukunft stärker von den laufenden Einnahmen aus solchen Dienstleistungen als vom reinen Verkauf von Software leben, sagte Fernandez.

Vor allem im deutschen Markt sieht der CEO und künf- tige Verwaltungsratspräsident noch ein erhebliches Wachstumspotenzial. Angesprochen auf die Arbeitsteilung in der dortigen Kreditwirtschaft, sagte der Un­ternehmer in einer nicht nur scherzhaft gemeinten Analogie: «Wenn die deutsche Automobilindustrie immer noch so arbeiten würde wie die Banken, müsste sie noch eigene Kuhherden zur Gewinnung des Leders für die Sitzbezüge unterhalten.»

Junge Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf der fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft aufbauen, werden in Amerika Einhörner genannt. Diese erreichen schnell eine Bewertung in Milliardenhöhe. Er habe 25 Jahre gebraucht, um sein Einhorn grosszuziehen, und sei trotzdem stolz, sagte Francisco Fernandez. Noch steht dem Einhorn die Maturitätsprüfung an der Börse aber bevor.

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