Aviatik
Corona-Reisepass der Hoffnung: Die aktuelle Entwicklung birgt Gefahren – für Passagiere und Airlines

Die Hoffnungen der Fluggesellschaften auf eine baldige Steigerung der Buchungszahlen ruhen auf digitalen Covid-Apps, die zeigen, ob jemand geimpft oder getestet wurde. Doch bei den Lösungen herrscht ein Wildwuchs. Und es stellen sich heikle Fragen.

Benjamin Weinmann
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Unklare Aussichten: Am Flughafen Zürich kommt im April ein neuer Covid-Reisepass zum Einsatz. Doch ob er weltweit akzeptiert wird, ist nicht klar. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Unklare Aussichten: Am Flughafen Zürich kommt im April ein neuer Covid-Reisepass zum Einsatz. Doch ob er weltweit akzeptiert wird, ist nicht klar. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Urs Flueeler / KEYSTONE

Die Entwicklung bei den Corona-Reisepässen ist besorgniserregend - für Airlines und Passagiere gleichermassen. Aus Sicht der Aviatik fehlt es an einem einheitlichen, internationalen Vorgehen, um dem Wildwuchs an Einreiseregeln entgegenzutreten. Mit der Gefahr, dass die erhoffte Erholung der Buchungszahlen bis spätestens im Sommer nicht eintrifft und zahlreiche Airlines verschwinden werden.

Man kann es der Aviatikbranche nicht verübeln, dass sie nicht länger zuwartet. Sie hat einen eigenen Corona-Reisepass lanciert, der nun erstmals auch am Flughafen Zürich zur Anwendung kommt. Die Handy-App soll die Quarantäne im Zielort obsolet machen, indem sie zeigt, ob die Reisenden negativ auf Corona getestet oder dagegen geimpft wurden.

Auch für Passagiere stellen sich Fragen. Weder der Flughafen Zürich noch die Kantonspolizei sind beim Pilotprojekt involviert. Doch es wäre bedenklich, wenn künftig privaten Airlines die Kontrolle von sensiblen Gesundheitsdaten obliegen würde. Diese Aufgabe sollte von offiziellen Behörden übernommen werden.

Zudem braucht es für Corona-Reisepässen ein Bekenntnis der Politik, dass es sich dabei um eine temporäre Massnahme während der Pandemie handelt, die auf Freiwilligkeit beruht. Eine Pflicht wäre diskriminierend - nicht nur gegenüber Impfskeptikern, sondern vor allem gegenüber ärmeren Ländern, die noch lange auf ihre Impfstoffe warten müssen.