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B. BRAUN: Mit der Digitalisierung Stellen sichern

Das Medizinaltechnik-Unternehmen setzt verstärkt auf Innovationen und Automatisierung. Dadurch wird auch die Fertigung gestärkt und ausgebaut. Trotz Frankenstärke entstehen neue Arbeitsplätze an den Schweizer Standorten.
Gerhard Bläske
Am Standort Escholzmatt produziert B. Braun Medical Pumpspritzen. (Bild: Manuela Jans (Escholzmatt, 4. Juli 2011))

Am Standort Escholzmatt produziert B. Braun Medical Pumpspritzen. (Bild: Manuela Jans (Escholzmatt, 4. Juli 2011))

Gerhard Bläske

Mit Automatisierung und Digitalisierung, Innovationen und Qualität will der weltweit tätige Medizintechnik-Konzern B. Braun Beschäftigung und Produktion auch in Hochlohnländern wie Deutschland und der Schweiz dauerhaft sichern. Vorstandsvorsitzender Heinz-Walter Grosse erklärte gegenüber unserer Zeitung, das nordhessische Familienunternehmen aus Melsungen setze auch in den kommenden Jahren auf «organisches Wachstum bei Umsatz und Ertrag» und peile bis 2020 eine Erlössteigerung von zuletzt 6,5 auf 8 Milliarden Euro an.

Zur Anteilsaufstockung am Klinikbetreiber Rhön-Klinikum erklärt Grosse: «Die Beteiligung von annähernd 25 Prozent an Rhön-Klinikum ist eine gute Ergänzung unseres bestehenden Tätigkeitsbereichs und ein attraktives finanzielles Investment.»

58'000 Mitarbeiter in 64 Ländern

«Über Skaleneffekte durch grosse Stückzahlen, zunehmende Automatisierung in der Produktion und steigende Qualifizierung unserer Mitarbeiter können wir Arbeitsplätze sichern», erläutert Grosse, der seit April 2011 an der Spitze von B. Braun steht. Tendenziell sinke die Zahl un- oder niedrigqualifizierter Tätigkeiten. Insgesamt hat B. Braun in den letzten Jahren überall Beschäftigung aufgebaut und zählt weltweit mehr als 58'000 Mitarbeiter in 64 Ländern, davon knapp 14'900 in Deutschland und etwa 1000 an den vier Schweizer Standorten Crissier VD, Luzern, Sempach und Escholzmatt.

Für Schlagzeilen hat zuletzt gesorgt, dass die drei Grossaktionäre Asklepios, B. Braun und Rhön-Gründer Eugen Münch ihre Anteile am Rhön-Klinikum aufgestockt haben. Fresenius-Konkurrent B. Braun hält nun knapp 25 Prozent – die Sperrminorität – und sieht hier «erhebliche Synergien und eine Beteiligung, die sehr gut in unsere Tätigkeit passt und sie abrundet». B. Braun hat zwei Sitze im Aufsichtsrat. Grosse betrachtet das Engagement als eine «Kerninvestition». Zudem sei das Rhön-Klinikum mit 16'000 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro «auch unter finanziellen Gesichtspunkten, als Investition, sehr attraktiv. Ich glaube, es wird im Krankenhauswesen noch riesige Veränderungen und Entwicklungen geben.» B. Braun sei seit jeher Kliniklieferant und habe eine Produktpalette von 5000 Produktgruppen und 120'000 Einzelprodukten – von der Kanüle über Infusionslösungen, chirurgische Instrumente, Prothesen, Verbandsmaterial bis hin zum Dialysegerät.

Rhön-Klinikum will sich stärker auf das digitale Krankenhaus fokussieren und testet unter anderem den Supercomputer IBM Watson in einem Pilotprojekt. Das gefällt dem sehr technikaf­finen Grosse besonders gut. Ansonsten ist er im Hinblick auf ­Beteiligungen oder gar Übernahmen eher vorsichtig. «Als Familienunternehmen sind wir da schon limitiert. Milliarden-Deals sind bei uns nicht möglich», erklärt Grosse. Doch das habe auch Vorteile. Man sei Herr im eigenen Hause und nicht getrieben von den Finanzmärkten. B. Braun wächst vor allem organisch, mit Ausnahme des schon in den 1970er-Jahren erworbenen Tuttlinger Medizintechnikunternehmens Aesculap, das auf einen Umsatz von 1,7 Milliarden Euro kommt und Weltmarktführer für chirurgische Instrumente ist sowie eine führende Rolle bei Prothesen spielt.

Aesculap ist das grösste Einzelunternehmen in dem nahe der Schweiz gelegenen «Weltzentrum der Medizintechnik» zwischen Schwarzwald und Bodensee. Dieses zählt etwa 400 bis 500 Betriebe und ist seit vielen Jahrzehnten global führend bei chirurgischen Instrumenten, ­Endoskopen und Prothesen.

Bei Investitionen kann B. Braun auf eine stabile Basis bauen, «weil die Familie mehr als 90 Prozent der Erträge im Unternehmen belässt». So hat B. Braun in den letzten fünf Jahren mehr als 4 Milliarden Euro investiert, «überwiegend aus dem eigenen Cashflow», wie Grosse sagt. Für Forschung und Entwicklung werden jährlich fast 5 Prozent der ­Erlöse aufgewendet. Sorgen bereitet Grosse der zunehmende ­Protektionismus, obwohl «wir 80 Prozent unseres Umsatzes in Märkten erzielen, in denen wir auch produzieren».

B. Braun setzt seit jeher auf Wertschöpfung in den Ländern, in denen man tätig ist. Derzeit wird etwa eine Infusionslösungsfabrik in Indonesien gebaut. In den USA beschäftigt B. Braun 6800 Mitarbeiter an mehreren Standorten. «70 Prozent der dortigen Verkäufe produzieren wir im Land, aber es wäre für uns ein riesiger Nachteil, wenn es für die restlichen 30 Prozent keinen Freihandel mehr gäbe», meint Grosse. Man könne nicht jedes Produkt in jedem Land fertigen. B. Braun ist sehr international aufgestellt und erzielt fast die Hälfte des Umsatzes in Europa. In Deutschland werden 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet, in der Schweiz 324 Millionen Franken. 2 Milliarden Euro Umsatz macht B. Braun in Amerika, 1 Milliarde Euro in Asien-Pazifik, dem am stärksten wachsenden Markt.

Grösstes Geschäftsfeld ist der Bereich Hospital Care mit Erlösen von 3 Milliarden Euro vor Aesculap. Am schnellsten wächst der Bereich Avitum (Dialysegeräte), der 2016 auf einen Umsatz von 945 Millionen Euro (plus 11,6 Prozent) kam.

Heinz-Walter Grosse setzt vor allem auf die Digitalisierung. Das beginne bei der Organisation mit einer völlig offenen Bürolandschaft, in der selbst er kein eigenes Büro mehr habe, erklärt er. «Auch die althergebrachte ­Finanzplanung haben wir abgeschafft.» Weiter bewirke die Digitalisierung eine zunehmend automatisierte Fertigung, führt Grosse aus. «In der Fertigung wird der 3D-Druck von Produkten immer wichtiger.»

B. Braun kooperiert mit Start-ups wie dem Tübinger Biotech-Unternehmen Cegat oder dem Basler Laserchirurgie-Unternehmen Advanced Osteotomy Tools, das ein computergestütztes Lasersystem für die Knochenchirurgie entwickelt. Bei solchen Projekten gehe es darum, innovativer und digitaler zu werden. «Für uns als Konzern ist es sehr sinnvoll, mit solchen Start-ups zusammenzuarbeiten, ohne diese dabei einzuschränken. Dabei gibt es unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit, von der Beteiligung bis hin zur losen Kooperation», sagt Grosse.

Kapazitätsausbau in Escholzmatt

Sehr grossen Wert legt der Konzernchef bei neuen Vorhaben auf die Einbeziehung der Mitarbeitervertretungen. Nur so könne man die Herausforderungen bewältigen. «Für alle Braun-Standorte, ob in Deutschland, der Schweiz oder in anderen Ländern, gilt: Wir müssen die Automatisierung vorantreiben und mit innovativen Produkten und hoher Qualität unsere Position verteidigen.» Trotz Frankenstärke hat B. Braun keine Pläne, hier Stellen abzubauen. Im Gegenteil: Es wird investiert. «In Crissier haben wir stark ausgebaut, in Escholzmatt erweitern wir die Kapazitäten bei medizinischen Einmalartikeln erheblich, und in Sempach planen wir eine deutliche Ausdehnung der Produktion von Desinfektionsmitteln», sagt Grosse, der «die sehr innovativen Schweizer Standorte» lobt.

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