BAAR: Anleger begrüssen neue Pläne

Der Verwaltungsrat hat eine eigene Lösung für Sika ohne Saint-Gobain bereit. Die Erbenfamilie will nicht darauf eingehen. Der Markt hat aber bereits entschieden.

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Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg, hier an der Generalversammlung, hat der Inhaberfamilie Burkard ein Angebot unterbreitet. Deren Vertreter Urs Burkard (rechts) will aber davon nichts wissen. (Bild Stefan Kaiser, Keystone/Anthony Anex)

Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg, hier an der Generalversammlung, hat der Inhaberfamilie Burkard ein Angebot unterbreitet. Deren Vertreter Urs Burkard (rechts) will aber davon nichts wissen. (Bild Stefan Kaiser, Keystone/Anthony Anex)

Ernst Meier

Nimmt man die Börse als Entscheidungsträger für die Zukunft von Sika, so ist die Meinung gemacht: Der Baarer Baustoffhersteller soll unabhängig bleiben. Nach Bekanntgabe der «unfreundlichen Übernahme» am 8. Dezember 2014 stürzte der Kurs um über 20 Prozent in den Keller. Seither hat er sich im Einklang mit dem Widerstand der Sika-Chefs erholt. Bei jeder «Pegelstandsdurchsage» der Aktionärsunterstützung verteuerte sich die Aktie. Nachdem das Zuger Kantonsgericht am 23. März die Anträge der Familie Burkard und deren Schenker-Winkler-Holding (SWH) zurückwies, schnellte der Kurs fast 5 Prozent in die Höhe.

Auch gestern wiederholte sich der Mécano. Die Nachricht vom Wochenende, wonach der Sika-VR der Familie Burkard ein Angebot zur Übernahme der Aktien gemacht habe und die Einführung einer Einheitsaktie plane, gefiel den Anlegern. Die Wertpapiere verteuerten sich um knapp 1,5 Prozent.

Burkards lehnen Angebot ab

Die Sika-Titel hielten sich gestern bis Börsenschluss deutlich im Plus, obwohl bereits am Montagmorgen von Seiten der SWH dementiert wurde, dass die Burkards mit dem Sika-VR über das alternative Kaufangebot verhandle. «Jede Lösung, die Saint-Gobain nicht miteinbezieht, ist ein No-Go», sagte Andreas Durisch, Sprecher der SWH. Damit sei bereits klar, dass im Streit um Sika kein Vorschlag auf dem Tisch liegt, der Aussicht auf Erfolg hat. Die Familie Burkard habe zudem das Angebot noch gar nicht studiert, sagte Durisch. Der Verwaltungsrat hätte nämlich der Familie den detaillierten Vorschlag nur überreichen wollen, wenn diese eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet. Das hätten die Erben jedoch abgelehnt.

Positiv aufgenommen haben das Angebot Bankanalysten. «Es handelt sich bei diesem Vorschlag um den kreativen Versuch, einen Ausweg aus der momentan verfahrenen Situation zu finden bei gleichzeitiger Einführung der Einheitsaktie», sagte Remo Rosenau von der Neuen Helvetischen Bank. Auch wenn das Interesse der SWH am Angebot «sich in einem überschaubaren Rahmen zu bewegen scheint». Remo Rosenau schliesst seine Interpretation des jüngsten Schachzugs des Sika-VR mit: «So gesehen, ist dieser Vorschlag einen Versuch wert.»

«Gut für Publikumsaktionäre»

Bei den Aktionärsrechtlern kommen die Pläne des Sika-VR ebenfalls gut an. «Der Vorschlag scheint für uns die beste Lösung für Sika zu sein», sagte Dominique Biedermann von der Aktionärsstiftung Ethos. Diese vertritt gewichtige Investoren (Pensionskassen, Anlagefonds) im Sika-Streit und forderte an der GV erfolglos die Abschaffung der Opting-out-Klausel aus den Statuten. Dominique Biedermann ist überzeugt: «Diese Lösung berücksichtigt die langfristigen Interessen des Unternehmens und wird die Zustimmung der Mehrheit der Publikumsaktionäre erhalten.»

Nach den Plänen der unabhängigen Verwaltungsräte würde Sika in einer ersten Phase selber die Aktien von der Familie Burkard kaufen. Wie hoch die Kaufsumme ist, sagt man bei Sika nicht. Laut unbestätigten Spekulationen sollen es 2,25 Milliarden Franken sein sodass die Burkards zwar 500 Millionen Franken weniger als von Saint-Gobain erhielten, aber trotzdem eine Prämie einstreichen könnten.

Sika muss sich verschulden

Für die Transaktion müsste Sika tief in die eigene Kasse greifen, plus Kredite bei Banken oder Investoren einholen. Dem sehr gut finanzierten Konzern drohen Schulden und ein tieferes Rating. Dominique Biedermann ist zuversichtlich: «Bei den tiefen Zinsen wird Sika dank einem starken Cash-flow keine Probleme mit der Rückzahlung haben.» Michael Otte von zRating begrüsst den Vorschlag ebenfalls: «Die Einführung einer Einheitsaktie finden wir generell immer gut. Für uns ist sie eigentlich der Normalfall.» Otte verweist auf Firmen wie die Bank Julius Bär, Walter Meier oder AFG, die diesen Schritt erfolgreich vollzogen haben. «Wenn auch wie bei Walter Meier mit Nebengeräuschen», wie er betont.

Trotz der Zustimmung von Anleger und Aktionärsvertreter, die Familie hat vor zwei Wochen ihren Vertrag mit Saint-Gobain verlängert. Ziehen sich die Franzosen nicht zurück, müssten die Burkards den Vertrag brechen, um das Angebot anzunehmen.