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BAAR: Börse blendet den Sika-Streit aus

Die Aktie des Bau- chemikers erklimmt immer neue Höchststände. Experten sehen den Trend ungebrochen, obwohl die Zukunft von Sika weiterhin ungewiss bleibt.
Ernst Meier
Das Sika-Signet am Hauptsitz in Baar (Bild: Keystone)

Das Sika-Signet am Hauptsitz in Baar (Bild: Keystone)

Ernst Meier

Der 8. Dezember 2014 bleibt jedem Sika-Aktionär in unschöner Erinnerung. Es war der Montag, an dem die Erbenfamilie Burkard den Verkauf ihrer Kontrollmehrheit am Baarer Traditionsunternehmen an die französische Saint-Gobain verkündete. Am Freitag zuvor schloss die Sika-Aktie bei 3886 Franken – dem höchsten Wert in der Firmengeschichte. Die Verkaufsmeldung an jenem Montagmorgen verunsicherte die Anleger. Das Sika-Management drohte mit dem Rücktritt. Es kam Panik auf. Die Aktie stürzte ab. Bei Börsenschluss verzeichnete die Inhaberaktie einen Tagesverlust von 800 Franken – ein Fünftel des Börsenwertes, rund 1 Milliarde Franken hat sich in nur acht Stunden in Luft aufgelöst.

Geht die Erfolgsgeschichte weiter?

Es folgten Wochen und Monate der Unsicherheit. Nichts verabscheuen Anleger mehr. Professionelle Investoren, aber auch Kleinanleger fragten sich, wie es bei Sika nun weitergeht. Kann die Familie den geplanten Verkauf durchziehen? Wie entscheiden die Gerichte in der juristischen Auseinandersetzung rund um den sich wehrenden Verwaltungsrat? Die zentrale Frage für alle lautete: Geht die Erfolgsgeschichte mit jährlichen Wachstumsraten von über 5 Prozent weiter?

Zwecks Risikominimierung hatte anfänglich manch institutioneller Anleger die Sika-Anteile in seinen Büchern reduziert. Der Aktienkurs fiel weiter und erreichte mit 2720 Franken am 21. Januar 2015 die Talsohle. Die «Finanz und Wirtschaft» schrieb eine Woche später in ihrer Einschätzung von einer «binären Situation»: «Bleibt Saint-Gobain dabei, will ich als Aktionär von Sika nichts mehr wissen ... wirft sie aber den Bettel hin, wird der Sika-Aktienkurs sofort um sagen wir 25 Prozent steigen», hiess es in der Anlegerkolumne «Lieber Investor!».

«Stunde der Zocker»

Der Börsenexperte François Bloch, berüchtigt für seine «heissen Zockertipps», schrieb am 14. Dezember 2014 in der «Schweiz am Sonntag»: «Ich empfehle in solchen Fällen, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen und die Positionen auszusitzen.» Am 1. Februar riet er: «Abwarten. Es kommt alles ins Lot.» Fortan empfahl der Geldberater die Aktie immer wieder und wies auf die unternehmerische Leistung hin. 15. 3. 2015: «... der Bauchemiekonzern ist mehr denn je eine tolle Firma, halten», 6. 12. 2015: «Im Jahr 2016 wird der Titel auf Hochglanz poliert sein.» Am 22. Mai 2016 schrieb Bloch letztmals zu Sika: «Behalten Sie noch ein bisschen Sitzleder. Der Höhenflug ist nicht zu Ende.»

Der Börsenexperte hat frühzeitig erkannt, was sich seit letztem Herbst in der Investorenwelt immer mehr durchsetzte. «Nach den anfänglichen Unsicherheiten, wie sich der Übernahmestreit auf den Geschäftsgang von Sika auswirkt, zeigte sich spätestens mit den Halbjahreszahlen 2015, dass alles ungebremst weitergeht», erklärt Christian Arnold, Analyst bei der Bank Vontobel. Die Dividendenzahlungen seien für die Aktionäre nie gefährdet gewesen.

Wachstumsstrategie setzt sich fort

Auch das erfolgreiche Sika-Team blieb an Bord: Im Management ist es zu keinem Abgang gekommen. «Der Übernahmestreit hat die Wachstumsstrategie 2018 nicht beeinträchtigt. Die Baukonjunktur spielt ebenfalls mit», weiss Arnold. Gleichzeitig warnt der Bankanalyst: «Das Damoklesschwert – der juristische Konflikt – ist nach wie vor da.» Ein nächster Gerichtsentscheid im Sika-Streit wird erst für den Herbst erwartet. Danach können die Parteien das Urteil bis vor Bundesgericht weiterziehen. So kann der Fall bis ins Jahr 2018 weitergehen. «Kurzfristig bleiben die Einschätzungen für die Aktie gut, da die nächsten Neuigkeiten das gut laufende operative Geschäft betreffen», sagt Christian Arnold.

Für Patrick Appenzeller, Analyst bei Helvea, ist der hohe Aktienkurs ein Zeichen für den Verbleib einer eigenständigen Sika. «Je weiter die Aktie steigt, desto grösser ist die Annahme der Anleger, dass Sika den Streit für sich entscheidet», sagt Appenzeller. Er sieht die Aktie derzeit nahe an der fairen Bewertung. Gleich tönt es bei der UBS. Die Grossbank hat im März das Zwölfmonatsziel für die Sika-Aktie auf 4500 Franken angehoben.

Bild: Grafik Neue LZ / Quelle Schweizer Börse SIX

Bild: Grafik Neue LZ / Quelle Schweizer Börse SIX

Bild: Grafik Neue LZ / Quelle Bloomberg/Southeastern

Bild: Grafik Neue LZ / Quelle Bloomberg/Southeastern

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