BAAR: Damit die Dinge richtig zusammenhalten

Die Maschinen der Balti AG sorgen dafür, dass geklebte Sachen bei Hitze und Kälte zusammenhalten. Das macht sie bei Auto- und Flugzeugherstellern begehrt.

Bernard Marks
Drucken
Teilen
Sein Unternehmen hat sich auf Heisskleber spezialisiert: Balti-Chef Urs Sachs. (Bild Boris Bürgisser)

Sein Unternehmen hat sich auf Heisskleber spezialisiert: Balti-Chef Urs Sachs. (Bild Boris Bürgisser)

«Die Balti AG in Baar ist ein Nischenanbieter», sagt Balti-Chef und -Inhaber Urs Sachs und stapelt damit möglicherweise bewusst etwas tief. Denn in Wahrheit verbirgt sich hinter der unscheinbaren Fassade des Gebäudes an der Altgasse in Baar eine veritable Denkfabrik. Das Know-how von Balti findet sich fast in jedem Auto, in vielen Kühlschränken, Bügeleisen, Ski oder Fotobüchern.

Anlagen für jeden Klebstoff

Die Firma hat sich eine Sonderstellung erarbeitet und hat zumindest in der Schweiz kaum Konkurrenz zu fürchten. Balti ist eine Denkfabrik für Spezialanlagen für die Industrie. «Heutzutage wird immer mehr geklebt», erzählt Sachs. Vor allem in der Autoproduktion kommen heutzutage häufiger Klebstoffe zum Einsatz. Diese gibt es in vielen Variationen als zähe Paste, flüssig oder in Form von Granulat.

Die Baarer haben sich auf Heisskleber spezialisiert. «Heisskleber kommen dort zum Einsatz, wo Verbindungen extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sind, wie zum Beispiel im Innenraum eines Autos», erklärt der 53-jährige Ingenieur. Im Sommer kann es im Auto weit über 50 Grad heiss werden. Kunden des Baarer KMU sind grosse Autokonzerne wie Mercedes-Benz oder Volkswagen, aber auch Autozulieferer wie Continental oder Johnson Controls. Aber auch in der Medizintechnik oder im Holzbau kommen Maschinen von Balti zum Einsatz. Im Flugzeugbau werden Kabelhalter im Airbus A380 mit Balti-Maschinen verklebt.

Klein, aber flexibel

Kleben mit heissem Kleber wird immer beliebter. Deshalb kann auch Balti positiv in die Zukunft blicken. «Die Kunden kommen zu uns. Wenn wir mehr Werbung machen würden, hätten wir schnell zu viele Aufträge», erklärt Sachs. Dies würde auch bedeuten, dass Sachs mehr Personal einstellen müsste. Aber gerade die Grösse, das eingespielte Team und die Marktposition als Nischenplayer im Anlagenbau machen Balti stark. «Auf diese Weise können wir uns zu jeder Zeit flexibel auf unsere Kunden und deren Wünsche einstellen», sagt Sachs. Im Jahr 1985 gründete Walter Baltensperger die Balti AG. Vor zehn Jahren kaufte Urs Sachs die Firma auf. Rund 5 Millionen Franken Umsatz erwirtschaftete die Balti AG im vergangenen Geschäftsjahr.

Heute beschäftigt die Firma 20 Mitarbeiter. Konstrukteure und Ingenieure erarbeiten im Team Ideen und Konzepte für neue Anlagen. An Computern entstehen Zeichnungen für die Maschinen, die die Klebstoffe in kürzester Zeit auf Stoffe für die Verkleidung von Innenräumen von Autos auftragen können. Die Produktion dieser Maschinen ist ausgelagert. «Die Maschinen, die wir konstruieren, werden bei anderen Firmen gebaut», so Sachs. Rund 90 Prozent der Wertschöpfung wird zugekauft. Die Apparaturen werden lediglich bei Balti zusammengesetzt und für den Transport ins Ausland verpackt.

Hauptgeschäft im Ausland

Das Hauptgeschäft macht die Balti AG im Ausland. Um die Betreuung der Kunden kümmert sich Irene Berniga Imhof. «Das ist eine aufwendige Sache», erzählt sie. Nicht nur Papiere müssen für jedes Land richtig ausgestellt werden. Die Maschinen müssen so verpackt werden, dass sie beim Kunden funktionieren. Das muss klappen, auch wenn das Schiff schaukelt», sagt Berniga.