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BAAR: Die Propaganda-Schlacht vor der GV

Nächsten Dienstag ist die Sika-Generalversammlung. Im Vorfeld übertreffen sich die Streitparteien mit Lobbying. Die Erbenfamilie lanciert sogar wahlkampfähnliche Aktionen.
Ernst Meier
Die Sika-Erbenfamilie Burkard versucht mit einer Plakatkampagne, die Öffentlichkeit von ihrer Position zu überzeugen. Das Bild zeigt ein Plakat beim Bahnhof Baar. (Bild Stefan Kaiser)

Die Sika-Erbenfamilie Burkard versucht mit einer Plakatkampagne, die Öffentlichkeit von ihrer Position zu überzeugen. Das Bild zeigt ein Plakat beim Bahnhof Baar. (Bild Stefan Kaiser)

Ernst Meier

«Sika bleibt Sika. Die Gründerfamilie Burkard lädt zum Faktencheck.» Mit grossflächigen Plakaten beim Bahnhof Baar, Inseraten und einer Homepage wirbt die Erbenfamilie wenige Tage vor der Generalversammlung um die Gunst der Öffentlichkeit. Man fragt sich: Weshalb? Beim Sika-Streit ist die Situation nämlich seit Monaten blockiert. Ein Entscheid darüber, ob die Familie ihr Aktienpaket an Saint-Gobain verkaufen darf oder nicht, liegt einzig beim Zuger Kantonsgericht. Dieses prüft, ob der Verwaltungsrat die Vinkulierungsklausel aus den Firmenstatuten anwenden kann und infolgedessen die Entmachtung der Gründerfamilie rechtmässig erfolgte. Beide Parteien – der Sika-Verwaltungsrat und die Erbenfamilie – haben Gutachten zu ihren Gunsten eingereicht. «Bisher hat Sika sehr einseitig informiert, darum hat die Familie Burkard sich entschieden, alle Fakten zusammenzustellen und auf ihrer Website zu veröffentlichen», sagt Andreas Durisch, Sprecher der Erbenfamilie. Die Kampagne richte sich an die rund 2000 Sika-Angestellten in der Schweiz, an Aktionäre und alle, die sich für das Thema interessieren.

«Aktion bringt nichts»

Bei den Sika-Angestellten kommt die Aktion nicht gut an. «Wir haben dies schon x-mal gehört und sind weiterhin gegen einen Verkauf an Saint-Gobain», sagt eine Mitarbeiterin aus Baar, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. «Wir sind als eigenständiges Unternehmen erfolgreich unterwegs», heisst es weiter. Man traue den Versprechungen aus Frankreich nicht. Mit einem Schmunzeln fügt die Frau an: «Auf dem Plakat sind die traditionellen Sika-Farben Gelb und Rot bereits verschwunden und an die Tricolore angepasst worden.»

Der Sika-Investor Marc Possa findet die PR-Offensive «absolut sinnlos», wie er sagt. «Die Meinungen sind doch bei den relevanten Parteien, das sind Investoren und Juristen, längst gemacht. Investoren sind rational, Juristen sind Partei», sagt Marc Possa von der VV-Vermögensverwaltung. «Der Ruf der Familie Burkard, beziehungsweise von Saint-Gobain, wird durch die Kampagne nicht besser, denn es löst ja kein Problem, weil es die Transaktion nicht entschärft.» Ausser für das Portemonnaie der Berater bringe das niemandem etwas. «Auch die Richter lassen sich von solchen Aktionen nicht beeinflussen», ist Marc Possa überzeugt.

In den vergangenen Tagen und Wochen hat die Erbenfamilie nichts unterlassen, um einen Meinungsumschwung herbeizuführen. So lud man Analysten und Medien zur Informationsveranstaltung nach Zürich ein. Die Reaktionen waren vernichtend. Keiner der Analysten revidierte seine ablehnende Haltung. «Urs Burkard und seine Berater haben sogar Sika-Investor Nassef Sawiris in London besucht und ihn erfolglos auf ihre Seite zu ziehen versucht», weiss Marc Possa. Der Bruder von Samih Sawiris, der in Andermatt ein Tourismusresort baut, hat letztes Jahr mit der Investmentgesellschaft Southeastern eine Sika-Beteiligung in dreistelliger Millionenhöhe bekannt gegeben.

Gespräche mit Politikern

Auch auf die Meinungsbildung von Politikern wird im Sika-Streit versucht, Einfluss zu nehmen. Die Schweizer Politik hält sich zwar gewohnt zurück, und es wird mehrheitlich unterlassen, die freie Marktwirtschaft zu beeinflussen. Einzelne Bundesparlamentarier haben im Wirtschaftskrimi trotzdem klar Stellung genommen. Allen voran der Obwaldner CSP-Nationalrat Karl Vogler. Immer wieder hat er in der Öffentlichkeit seine ablehnende Haltung geäussert. Letztmals in einem Leserbrief in unserer Zeitung, wo er die Glaubwürdigkeit von Saint-Gobain anzweifelte. Diese Woche kam es zu einem Gespräch zwischen Familienoberhaupt Urs Burkard und dem Obwaldner Nationalrat. «Er wollte mich davon überzeugen, dass Saint-Gobain der richtige Partner von Sika ist», sagt Karl Vogler. Er habe sich aber von Urs Burkard nicht «bekehren» lassen. «Sika droht die Fremdbestimmung», warnt der Anwalt aus Kerns und fügt an: «Weil in der Schweiz Stellen einfacher abgebaut werden können als in Frankreich, sind unserer Standorte gefährdet.» Sika gehört zu den grössten Arbeitgebern im Kanton Obwalden.

Auch auf Seiten Sika wurde in den letzten Wochen Politlobbying betrieben. So fand Mitte März eine Informationsveranstaltung für National- und Ständeräte mit Sika-Präsident Paul Hälg in Bern statt. Dem Vernehmen nach sollen etwas mehr als zehn Parlamentarier teilgenommen haben.

Showdown an der GV

Am nächsten Dienstag kommt es in der Baarer Waldmannhalle zur dritten Sika-Generalversammlung, die ganz im Zeichen der hasserfüllten Übernahmeschlacht steht. Für Marc Possa ist klar: «Die Stimmenmehrheit der Familie wird wiederum beschnitten.» Der von den Burkards portierte Verwaltungsratskandidat Jacques Bischoff werde nicht gewählt. Die Sika-Leitung stelle sich auf den Standpunkt, dass bis zur Klärung der rechtlichen Frage durch das Gericht keine Änderungen in der Führungsriege vorgenommen werden sollten. «Die Fronten sind bezogen. Niemand will nachgeben. Es geht um zu viel Geld.» Marc Possa erwartet trotzdem eine Versammlung, an der es heiss zu und her geht. «Die Streitparteien werden die Gelegenheit nutzen, um mit Auftritten und emotionalen Reden für ihren Standpunkt zu weibeln.»

Was die interessierten Aktionäre an der GV erwarten wird, lässt sich von offizieller Seite her nicht erfahren. Sicher ist, dass die verfeindeten Parteien in diesen Tagen mit Hochdruck an ihrem GV-Drehbuch arbeiten. Gerüchteweise sollen von Seite Sika Auftritte von zahlreichen Managern aus dem Ausland geplant sein; jene Kaderleute, die für den Verkaufserfolg des Unternehmens verantwortlich sind und die bereits brieflich dem Saint-Gobain-Chef schrieben, dass sie die Übernahme nicht mittragen werden. Auch von Seiten der Erbenfamilie werden zahlreiche Redner erwartet.

Dazwischen wird sich erfahrungsgemäss der eine oder andere Kleinaktionär zu Wort melden. Sie dürfen sich freuen: Wie die letzten beiden GVs zeigten, ist Sika in Sachen Lunch-Box und Apéro riche äusserst grosszügig – nach dem Motto: Die Zufriedenheit der Aktionäre geht durch den Magen.

Trotz dem erwarteten Showdown, die Sika-GV hat nicht das letzte Wort. «Wenn es nicht zu einer frühzeitigen Einigung kommt, entscheiden am Schluss einzig die Richter», wiederholt Marc Possa.

Die Ereignisse rund um die Sika im Zeitstrahl. (Bild: red)

Die Ereignisse rund um die Sika im Zeitstrahl. (Bild: red)

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