BAAR: Glencore gelobt Besserung

Der Rohstoffkonzern hat den ersten Nachhaltigkeitsbericht seit der Fusion mit Xstrata publiziert. Damit will er die Transparenz erhöhen und kämpft um die Gunst der Investoren.

Ernst Meier
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Das Firmengebäude der Glencore in Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Das Firmengebäude der Glencore in Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

26 Menschen starben beim Rohstoffkonzern GlencoreXstrata im letzten Jahr bei Arbeitsunfällen. 2012 lag die Zahl der tödlichen Unfälle bei 27. Damit hat Glencore das selbst gesteckte Ziel – null Tote – nicht erreicht. «Das ist inakzeptabel», kommentierte denn auch Glencore-CEO Ivan Glasenberg die Bilanz an der Generalversammlung vom Mai in Zug. Er kündigte umfassende Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit an. Dafür lancierte Glencore bereits das Programm «Safe Work». Es soll bis Ende Jahr unternehmensweit umgesetzt werden, um dadurch tödliche Unfälle zu verhindern.

Die Arbeitssicherheit ist nur ein Aspekt, über welchen Glencore in ihrem Nachhaltigkeitsbericht schreibt. Gut 100 Seiten umfasst das Werk, welches vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde und auch in deutscher Sprache vorliegt. Seit dem Börsengang im Mai 2011 gibt Glencore jeweils jährlich einen entsprechenden Report heraus. Speziell an der aktuellen Ausgabe: Es ist der erste seiner Art seit dem Zusammenschluss von Glencore und Xstrata vor einem Jahr. Der Rohstoffriese, der sich seit der letzten GV wieder Glencore – ohne den Zusatz Xstrata – nennt, beschäftigt rund 200 000 Mitarbeiter. Über 90 Prozent davon arbeiten in Minen, Schmelzen oder in der Agrarproduktion. Der Jahresumsatz liegt bei 240 Milliarden Dollar.

180 Millionen für Gemeinden

Im Nachhaltigkeitsbericht zieht Glencore Bilanz zum Engagement in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Umwelt sowie Gemeinwesen – dazu gehören Themen wie Menschenrechte oder Investitionen in betroffenen Regionen. Laut Glencore hat man 2013 «fast 180 Millionen Dollar» in die Entwicklung der Gemeinden, in denen man tätig ist, investiert. Davon profitiere vor allem das örtliche Bildungs- und Gesundheitswesen, heisst es. In diesem Bereich sieht sich Glencore sogar über Kurs. Zum Ziel setzte man sich nämlich, 1 Prozent des jährlichen Unternehmensgewinnes für Investitionen in das Gemeinwesen bereitzustellen. Laut Nachhaltigkeitsbericht waren es im letzten Jahr demnach 2,5 Prozent. Glencore berichtet mit verschiedenen Praxisbeispielen über ihr nachhaltiges Engagement. So zum Beispiel im Zusammenhang mit den Verwüstungen durch den Taifun «Haiyan» vom letzten November auf den Philippinen. «Wir haben 2 Millionen Dollar zur humanitären Hilfe beigetragen», schreibt Glencore.

Andere Firmen schneiden besser ab

Nachhaltigkeitsberichte sind heute neben Geschäfts- und Finanzberichten ein wichtiger Bestandteil von modern geführten Unternehmen bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Das bestätigt Andreas Holzer, Analyst für Nachhaltigkeit bei der Bank J. Safra Sarasin in Basel. «Gerade in der Rohstoffbranche ist es wichtig, dass Unternehmen ihre Transparenz verbessern.» Es sei die Aufgabe von nachhaltig ausgerichteten Investoren, diese Information auszuwerten. Dem jüngsten Glencore-Bericht gibt er in Sachen Struktur und Abdeckung von verschiedenen Themenbereichen eine gute Note. Der Nachhaltigkeitsspezialist fügt jedoch an: «Wir vermissen aber ein offenes Eingehen auf kontroverse Aktivitäten.» Im Vergleich zu anderen Rohstoffunternehmen stuft er Glencore denn auch als unterdurchschnittlich ein.

Investoren tun sich aus diesen Gründen schwer mit Glencore: Seit dem Börsengang vor drei Jahren hat die Aktie über einen Drittel an Wert eingebüsst. Will das Unternehmen für grosse Investoren interessant sein, muss es gewisse Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Bestimmte Fonds oder Pensionskassen dürfen nämlich erst Geld in das Unternehmen investieren, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Auch bei der Bank J. Safra Sarasin ist der Rohstoffriese Glencore nicht Teil der nachhaltigen Investmentprodukte, heisst es.

Defizite in afrikanischen Ländern

Gerade der Bereich Sicherheit am Arbeitsplatz habe eine sehr hohe Priorität in der Beurteilung der Nachhaltigkeit, erklärt Andreas Holzer. «Glen­coreXstrata gehört auf seine Grösse bezogen zu den Minenunternehmen mit einem schlechten Leistungsausweis», sagt er. Insbesondere in Regionen wie Sambia, der Demokratischen Republik Kongo und in Südafrika würden grössere Probleme bestehen.

Auch die Schadstoffemissionen in der Produktion seien ein relevanter Bereich in der Beurteilung. Dabei schneide der Rohstoffkonzern Glencore ebenfalls unterdurchschnittlich ab. Der Bankanalyst sieht jedoch auch Verbesserungen. «Substanzielle Investitionen zur Emissionsminderung wurden inzwischen getätigt», erklärt er.