BAAR: Glencore ist kein Börsenstar

Die Rohstoffbranche leidet unter den tiefen Preisen. Glencore hat deshalb 2014 weniger Umsatz und weniger Gewinn erzielt. Für die Aktionäre gibt es trotzdem mehr Dividende.

Ernst Meier
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Vor dem Hauptsitz von Glencore in Baar. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Vor dem Hauptsitz von Glencore in Baar. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Ernst Meier

Die Geschäfte mit der Gewinnung und dem Handel von Rohstoffen laufen nicht mehr so glänzend wie noch vor ein paar Jahren. Das zeigen die Zahlen zum Geschäftsjahr 2014 des Rohstoffhandels- und Minenkonzerns Glencore. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf 221,1 Milliarden Dollar. Um gar 10 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar ging der Betriebsgewinn (Ebit) zurück. Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von 4,3 Milliarden Dollar. Die Zahl ist mit dem Vorjahr nicht vergleichbar. 2013 schrieb Glencore einen Reinverlust von 7,4 Milliarden Dollar, nachdem man Abschreibungen von 11,4 Milliarden Dollar vorgenommen hatte dies aufgrund der nachträglich tiefer bewerteten Minen aus der Fusion mit Xstrata.

Nachfrage schwächt sich ab

Glencore-Chef Ivan Glasenberg hat an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz in London die Zahlen der vergangenen Rechnungsperiode erklärt. Medien- und Analystenvertreter waren via Web-TV und Telefonkonferenz zugeschaltet. Glasenberg nannte die niedrigeren Rohstoffpreise und die Abschwächung der Nachfrage allen voran in China – als Grund für den Rückgang. Auch das Minengeschäft habe unter dem tieferen Preisniveau gelitten, insbesondere bei den Energieträgern wie Kohle und Erdöl. «Angesichts des schwachen Umfeldes sind wir mit den Zahlen aber zufrieden», sagte Glasenberg. Man habe in einem rückläufigen Markt die Profitabilität stabil halten können. Dies kommt daher, dass Glencore Einsparungen tätigte und Schulden in der Höhe von 5,3 Milliarden Dollar abbaute.

Analysten zeigten sich mit dem Glencore-Abschluss zufrieden. «Die präsentierten Zahlen sind im Rahmen der Erwartungen ausgefallen», sagte Ute Haibach von der Bank J. Safra Sarasin. Das Marktumfeld sei für die ganze Rohstoffbranche derzeit wenig berauschend. Glencore habe dies aber frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert. «Unter anderem durch die Senkung der Nettoverschuldung», sagt Ute Haibach.

Deutlicher Preiszerfall

Die Glencore-Zahlen widerspiegeln einen Trend, der vor vier Jahren eingesetzt hat. Durch den Aufstieg der grossen Schwellenländer in Asien und Lateinamerika sowie der boomenden Wirtschaft in der entwickelten Welt nahm die Nachfrage nach Rohstoffen ab Ende der 1990er-Jahre mit Unterbrüchen – rasant zu. Dies führte zur Erschliessung von neuen Minen und verstärkten Investitionen zwecks Kapazitätserweiterungen. Mit dem Wechsel ins neue Jahrzehnt neigte sich der Boom langsam dem Ende zu. Seit 2012 sind die Preise von praktisch allen Rohstoffen gefallen. So zum Beispiel Erdöl: Im März 2012 kostete ein Fass der Sorte Brent noch 128 Dollar, derzeit liegt der Preis gerade mal halb so hoch. Auch die Edelmetalle Gold und Silber gaben innert dreier Jahre über 30 Prozent nach. Grösser ist der Preiszerfall bei Industriemetallen wie Zink oder Kupfer. Letzteres verbilligte sich seit Anfang 2011 um fast 50 Prozent.

Börsengang zur richtigen Zeit

Im Mai 2011 brachten die Glencore-Chefs ihren Konzern an die Börsen von London und Hongkong. Im Nachhinein betrachtet, war das «Timing» perfekt gewählt. Die Aktien gingen zu einem Preis von 5.33 Pfund in den Handel. Glencore wurde mit über 60 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Unternehmen schrieb damals einen Umsatz von gegen 145 Milliarden Franken.

Glencore war der grösste Börsengang des Jahres 2011 und einer der zehn grössten in der Geschichte. 16,9 Prozent der Aktien wurden in den Handel gebracht. Sie spülten dem Zuger Konzern rund 12 Milliarden Dollar in die Kasse. Zu den neuen Aktionären gehörten unter anderem Schweizer Grossbanken, aber auch arabische Investoren. Die wichtigsten Aktionäre von Glencore blieben jedoch die Chefs des Rohstoffkonzerns allen voran die zwölf Personen des obersten Managements. Vom Börsengang sollen aber rund 500 Kadermitarbeiter profitiert haben. Viele von ihnen wurden zu Millionären, auch wenn sie ihre Titel aufgrund einer mehrjährigen Verkaufssperre mehrheitlich nicht verkaufen konnten.

Gemeinden und Kantone profitierten

Der Börsengang wirkte sich ebenfalls positiv auf die Rechnungsabschlüsse von verschiedenen Kantonen und Gemeinden aus; hauptsächlich in Zug und Zürich. Die Glencore-Manager beglückten ihre Wohnorte mit «einmaligen ausserordentlichen Steuerzahlungen». Für einige Gemeinden endete das Steuerjahr deshalb statt mit einem Defizit mit einem Plus in zweistelliger Millionenhöhe (wir berichteten). Trotz diesen beeindruckenden Zahlen und dem erfreulichen Geldsegen, für die Anleger ist die Glencore-Aktie bisher keine Erfolgsgeschichte. Wer im Mai 2011 beim damaligen Börsenneuling einstieg, hat bis heute fast 50 Prozent seines Einsatzes vernichtet. Da ist die jährlich ausbezahlte Dividende ein kleiner Trost. Glencore erhöhte jedes Jahr die Zahlung an die Aktionäre. 2012 gab es 0.16 Pfund pro Titel, heuer sind es 0.18 Pfund. Das ergibt zum aktuellen Kurs eine Rendite von 6 Prozent. Im letzten Jahr erfolgte die Zahlung aus den Kapitaleinlagereserven, war somit steuerbefreit.

Glencore muss sparen

Ivan Glasenberg kann die negative Bilanz seines Unternehmen an der Börse nicht egal sein. Will er im weltweiten Wettstreit der Rohstoffbranche weiter andere Unternehmen zukaufen, ist der Konzernchef auf einen hohen Aktienkurs angewiesen.

Entsprechend ist bei Glencore seit einiger Zeit Sparen angesagt. Gestern erhöhte Glasenberg die vor ein paar Wochen bekannt gegebenen Sparvorgaben. Neu rechnet er mit Investitionskosten für das laufende Jahr «zwischen 6,5 und 6,8 Milliarden Dollar». Bisher waren die Investitionen auf 7,9 Milliarden Dollar budgetiert. Die Bankanalysten werteten die Massnahme als positiv angesichts des weiterhin schwierigen Umfelds. Die Glencore-Aktie gab bis am Abend trotzdem um 3,1 Prozent nach.