BAAR: Glencore muss noch drastischer sparen

Der Rohstoffkonzern steht unter Druck. Die Anleger zweifeln am Unternehmen. In einem internen Mail kündet CEO Ivan Glasenberg weitere Sparmassnahmen an.

Ernst Meier
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Die Anleger trauen seiner Glencore nicht. CEO Ivan Glasenberg muss das Vertrauen der Aktionäre wieder zurückgewinnen. (Bild: Getty/Andrey Rudakov)

Die Anleger trauen seiner Glencore nicht. CEO Ivan Glasenberg muss das Vertrauen der Aktionäre wieder zurückgewinnen. (Bild: Getty/Andrey Rudakov)

«Im Budget für 2016 werden wir zusätzliche Kürzungen bei den Betriebs- und Investitionsausgaben vornehmen», verkündete diese Woche Glencore-Chef Ivan Glasenberg seinen Mitarbeitern per E-Mail. Details dazu gibt es im Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, keine. Glasenberg macht aber klar, dass er alles unternehmen wird, um sein Unternehmen aus der aktuellen Krise gestärkt zu führen und das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen.

Für die Anleger ist Glencore keine Erfolgsgeschichte. Der Titel befindet sich seit dem Börsengang vom Mai 2011 auf Talfahrt. Letzte Woche verleidete es den Börsianern erst recht. Am Montag büssten die Aktien des in Baar beheimateten Rohstoffkonzerns im Londoner Handel knapp 30 Prozent ein. Der Rekordtagesverlust markierte gleichzeitig den tiefsten Wert der Glencore-Aktie. Sie hat seit dem Höchst fast 90 Prozent eingebüsst.

Riskante Strategie

Kritik ist sich Glencore-Chef Ivan Glasenberg seit Jahren gewohnt. Sein Unternehmen wird immer wieder mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen in Entwicklungsländern in Verbindung gebracht. Auch die Steuerpraxis der Baarer sorgt regelmässig für Empörung. So ersparten dem Konzern hohe Abschreibungen die Zahlung von Gewinnsteuern, und Dividendenzahlungen erfolgten aus den Kapitaleinlage­reserven. Sie sind für die Aktionäre befreit von der Einkommenssteuer. Knapp 7 Milliarden Franken wurden seit 2011 an die Anleger ausbezahlt. All die Kritiken von linken Politikern, Nichtregierungsorganisationen und Menschrechtsaktivisten prallten am Milliardenkonzern jeweils ab. CEO Ivan Glasenberg ging unbeirrt seinen Weg. 2013 erweiterte er mit der spektakulären Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata seinen Rohstoffhandelskonzern mit eigenen Minen. Glencore soll künftig die ganze Palette an Rohstoffen abdecken, lautete seine Strategie: von der Gewinnung im Bergbau und in Minen über den Transport bis hin zum Handel.

Schuldenlast 30 Milliarden Franken

«Dieses Geschäftsmodell war Neuland – auch für Anleger», erklärt ein Bank­analyst. In der Finanzbranche sei man sich bis heute uneinig, wie hoch der Wert von Glencore ist. «Kommt hinzu, dass im Nachhinein die Übernahme von Xstrata unter zu hohen Konditionen erfolgte», sagt der Rohstoffkenner einer Grossbank. Nachdem die Rohstoffpreise seit einiger Zeit auf tiefem Niveau verharren, rächt es sich, dass Glencore den Zuger Minenkonzern Xstrata mit viel Fremdkapital übernahm. Glencore sitzt heute auf Schulden von gegen 30 Milliarden Franken.

Am Dienstag gab Ivan Glasenberg aufgrund des heftigen Aktienverlustes vom Vortag bekannt, dass Glencore «proaktiv Schritte unternimmt, um das Unternehmen in der aktuellen Krise im Rohstoffmarkt zu stärken». Man habe keine Probleme mit der Zahlungsfähigkeit, und die Geschäfte seien operativ robust, hiess es in einer Mitteilung, mit der Glasenberg um das Vertrauen der Anleger wirbt. Neben dem Verzicht auf die Dividende und Kürzungen von Investitionen soll der Schuldenberg auf 20 Milliarden Franken verringert werden. Zuvor hat Glencore bereits 2,5 Milliarden über die Ausgabe von neuen Aktien eingenommen. Weiter steht der Verkauf der Agrarsparte zur Diskussion.

«Pleite derzeit ausgeschlossen»

Die Analysten der britischen Bank Barclays urteilten nach Bekanntgabe des Massnahmenpakets, die Gefahr einer Pleite sei derzeit nicht gegeben. «Wir gehen davon aus, dass Glencore seine bisher als «erstklassig» eingestufte Kreditwürdigkeit behalten könnte», hiess es.

Nichtsdestotrotz, in der Zentrale in Baar hat man die diffizile Lage erkannt, denn die Rohstoffpreise können noch länger auf tiefem Niveau verharren, während Glencore über zu hohe Förderkapazitäten besitzt. Um die Betriebsausgaben zu kürzen, wird Glasenberg auch beim Personal den Rotstift ansetzen müssen. Dass es bei den gegen 800 Angestellten in Baar zu grösseren Entlassungen kommen wird, ist eher unwahrscheinlich. Viel grösser ist das Sparpotenzial bei den weltweit über 170 000 Angestellten.

Ernst Meier