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BAAR: Hapimag-Aktionäre rebellieren

Der Ferienanbieter hat wirtschaftlich zu kämpfen. Nun wächst auch der Widerstand unter den Aktionären. Sie proben den Aufstand gegen den Verwaltungsrat.
Eines der rund 60 Hapimag-Ferienziele: die Residenz in Marrakesch, Marokko. (Bild: pd)

Eines der rund 60 Hapimag-Ferienziele: die Residenz in Marrakesch, Marokko. (Bild: pd)

Ernst Meier

Im Ferienkatalog wirbt Hapimag mit traumhaften Hotelanlagen an der Côte d’Azur und in der Toscana, mit einer «Oase der Sinne in Marrakesch» oder der «Residenz Belvédere am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau». Rund 60 Resorts in Europa, Nordafrika und den USA bieten den Hapimag-Mitgliedern traumhafte Ferien. Doch hinter den Kulissen des Baarer Unternehmens brodelt es. Immer wieder kam es in der 53-jährigen Erfolgsgeschichte der «Ferien-Genossenschaft» zu Unstimmigkeiten, Krach, ja sogar zu Aufständen. Schon fast legendär war der feindliche Übernahmeversuch einer dubiosen Investorengruppe rund um den deutschen Hapimag-Aktionär Thomas Schreiber vor zwölf Jahren. Der Putschversuch scheiterte jedoch kläglich. Die Mehrheit der Aktionäre hielt zum Verwaltungsrat.

Nun droht an der Hapimag-Generalversammlung vom 20. April in der Baarer Waldmannhalle neues Ungemach. Eine Aktionärsgruppe kündet auf der Internetseite www.hapimag-ferienclub.info heftigen Widerstand an. Die Vereinigung kritisiert Geschäftsgang und die Führung des Unternehmens, listet Mängel des aktuellen Systems auf und stellt dem Verwaltungsrat viele kritische Fragen. Die Aktionärsgruppe HFA (Hapimag-Ferienclub für Aktionäre) besteht seit 40 Jahren und hat in der Vergangenheit immer wieder gegen die Hapimag-Chefs opponiert; so auch gegen das schwierige Unterfangen, Aktien zu verkaufen. Mit allen Anliegen blitzte die Minderheitengruppe bisher jedoch ab.

Preise steigen stärker als Teuerung

Nun plant der HFA für die GV einen neuen Versuch, «um endlich vom Hapimag-Management angehört zu werden», wie es heisst. «Wir sind besorgt um die Zukunft von Hapimag und stören uns am Geschäftsgebaren», sagt Rudolf Andermann, stellvertretender HFA-Obmann, gegenüber unserer Zeitung. Der langjährige Hapimag-Feriengänger aus Deutschland betont: «Wir sind ein Fanclub der Hapimag-Idee. Als solcher wollen wir auch künftig Ferienanlagen zusammen finanzieren und teilen, so wie es in den Statuten geregelt ist.» Beim HFA befasse man sich aber nicht nur mit den Vorteilen des Systems. «In den letzten fünf Jahren stiegen die Jahresgebühren um 6 Prozent pro Jahr und die Verwaltungskosten um 6,5 Prozent. Gleichzeitig verteuerten sich die Nebenkosten gar um 7 Prozent pro Jahr», reklamiert Andermann. Dabei liege die Teuerung in den Euroländern deutlich unter 2 Prozent.

Die HFA-Aktionäre vermuten, dass die Hapimag-Chefs die Verluste – verursacht durch rückläufige Mitgliederzahlen und schlechten Geschäftsgang – mit höheren Gebühren auszugleichen versuchen, «um eine vielleicht aufwendige und arbeitsreiche Kostenbegrenzung zu umgehen», wie Rudolf Andermann sagt.

Hapimag schreibt hohen Verlust

Die Zahl der Hapimag-Aktionäre ist in den letzten vier Jahren um mehr als 10 000 auf 111 000 gesunken. Zu den Geschäftszahlen: 2014 betrug der gesamte Konzernverlust 15,3 Millionen Euro, im letzten Jahr waren es 16,9 Millionen Euro. Das Eigenkapital schrumpfte seit 2005 von 400 Millionen auf 290 Millionen Euro.

Das einstige Erfolgsmodell Hapimag kämpft ums Überleben. Die Idee, Immobilien gemeinsam zu finanzieren und sie individuell zu nutzen, stammt aus einer Zeit, als das Ferienangebot beschränkt war und viele Durchschnittsverdiener sich keinen Auslandurlaub leisten konnten. Hapimag fand vor allem bei jungen Familien Anklang. Die Zeiten haben sich geändert. Ferienhungrige finden heute im Internet unzählige ­Billigangebote – ohne Verpflichtung, ohne Mitgliedschaft. Reisebüros verkaufen All-inclusive-Ferien zu Tiefstpreisen. Mit der boomenden Share Economy entstanden zudem weltweit Start-ups mit ähnlichem Geschäftsmodell, aber ohne Aktionärszwang: Dank Airbnb kann man in mehr als 190 Ländern Unterkünfte von lokalen Gastgebern mieten, weitere Anbieter wie Couchsurfing, 9flats oder Wimbdu mischen ebenfalls mit.

Genaue Informationen verlangt

«Wir wollen endlich wissen, wie es weitergeht und wohin Hapimag steuert, schliesslich sind wir Aktionäre die Besitzer der Firma», sagt Andermann. Alle Gesprächsversuche mit dem Management seien bisher gescheitert. «Man will uns nicht anhören», beklagt der 67-jährige Deutsche. Dabei habe man berechtigte Fragen. Im letzten Jahr habe das Tourismusunternehmen eine Ferien­anlage in Chamonix verkauft. «Genaue Zahlen dazu – wie zum Beispiel Auslastung, Restbuchwert oder Verkaufserlös – haben wir keine.» Der HFA fordert deshalb eine Übersicht über die Wirtschaftlichkeit der Hapimag-Anlagen. Ein Dorn im Auge ist den aufmüpfigen Aktionären auch die Revisionsgesellschaft, die jedes Jahr die Hapimag-Rechnung prüft. «Wird die KPMG – wie schon seit mehr als zehn Jahren – wieder als Revisionsgesellschaft vorgeschlagen, obwohl diese auch die Fifa in der Schweiz langjährig prüft?», fragt der HFA den Verwaltungsrat und verweist auf die Tatsache, dass die Revisionsaufsicht des Bundes die Buchprüfung der KPMG wegen des Fifa-Skandals untersuchte.

Für hitzige Diskussionen ist an der GV vom 20. April gesorgt – auch wenn die Aktionärsgruppe sich wohl wiederum nicht durchsetzen wird. Der HFA kann zwar mindestens auf rund 13 000 Aktionärsstimmen zählen, wie Andermann versichert. Die Zahl hat aber höchstens eine symbolische Wirkung. «Der Verwaltungsrat wird auf die Mehrzahl der rund 50 000 Stimmen, die in der Regel an der GV vertreten sind, zählen können», ist Rudolf Andermann überzeugt. «Trotzdem lassen wir mit unserer Kritik nicht nach», sagt der Kleinaktionär.

Ein weiteres der rund 60 Hapimag-Ferienziele: der Golf-Club in Bad Bellingen, Deutschland. (Bild: pd)

Ein weiteres der rund 60 Hapimag-Ferienziele: der Golf-Club in Bad Bellingen, Deutschland. (Bild: pd)

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