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BAAR/LONDON: Glencore stellt sich Herausforderungen

Die Stimmung bei Glencore vor der morgigen Generalversammlung in Cham ist aufgeräumt. Die Schulden habe man im Griff, und sogar Übernahmen sind laut CEO Ivan Glasenberg wieder ein Thema. Die Kritik am Unternehmen nimmt derweil nicht ab.
Livio Brandenberg
Eine Mine in Bolivien. Glencores Aktivitäten im Land stehen unter Kritik durch mehrere NGO. (Bild: Spencer Platt/Getty)

Eine Mine in Bolivien. Glencores Aktivitäten im Land stehen unter Kritik durch mehrere NGO. (Bild: Spencer Platt/Getty)

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@luzernerzeitung.ch

An der morgigen Generalversammlung im Lorzensaal Cham wird sich Glencore-CEO Ivan Glasenberg wahrscheinlich noch einmal über das gelungene Geschäftsjahr 2016 freuen. Bereits bei der Präsentation der Ergebnisse im Februar sagte Glasenberg, Glencore sei in der stärksten Position seit dem Börsengang und der Übernahme von Xstrata vor vier Jahren.

Der Rohstoffkonzern mit Sitz in Baar schaut in der Tat auf ein gutes Jahr zurück: Nach einem 5-Milliarden-Verlust im Vorjahr resultierte 2016 ein Reingewinn von 1,4 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn stieg um 81 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar, und der Umsatz erhöhte sich um knapp 4 Prozent auf 152,9 Milliarden Dollar.

Chinesische Mittelschicht als Wachstumsgarant

Im Vorfeld der GV lud Glencore gestern zu einer seltenen Medienkonferenz nach Baar. Bei dieser Gelegenheit erklärte Gla­senberg das Schuldenabbauprogramm für beendet: «Wir sind fertig», so der CEO. Man habe konsequent abgebaut und Unternehmensteile verkauft, etwa die Hälfte der Agrarsparte. Auf der anderen Seite rechnet er mit einer steigenden Nachfrage nach Kupfer, Nickel und Kobalt. Diese Metalle werden für den Bau von Elektroautos und Speicherbatterien verwendet. Die Revolution bei der Elektromobilität sei in vollem Gange, und China spiele dabei eine zentrale Rolle. «2035 sollen in China 90 Prozent der Autos im Inland produzierte Elektrofahrzeuge sein», so Glasenberg. «Die Zahlen sind phänomenal.»

Einen «eindrücklichen Turnaround» nennt Daniel Benz, Senior Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), den Umschwung bei Glencore. 2014 habe die Situation beim grössten Rohstoffkonzern der Schweiz noch derart düster ausgesehen, er habe Kundenanfragen zu einem möglichen Pleitegang beantworten respektive abwehren müssen. Doch laut dem Experten hat Glencore während der Rohstoffbaisse der vergangenen Jahre seine Hausaufgaben gemacht. Die Nettoverschuldung wurde per Ende 2016 um 40 Prozent auf 15,5 Milliarden Dollar reduziert. Das Unternehmen sei schlanker und damit auch agiler geworden, so Benz. Und trotz aller Schwierigkeiten habe Glencore sein Schuldnerrating (S & P) von BBB verteidigen können.

Wo liegen die künftigen Herausforderungen für Glencore? «China wird die Hauptherausforderung bleiben», sagt Benz. Er ist mit Glasenberg einig, dass der Baarer Rohstoffkonzern für die Zukunft auch darum gut positioniert sei, weil man im Bereich derjenigen Rohstoffe, die China in seiner anhaltenden Wachstumsphase benötige, stark sei. «Von den Industriemetallen, also etwa Kupfer, Nickel und Zink, wird China mehr brauchen», sagt Benz. Glasenberg verwies gestern auf die wachsende Mittelschicht Chinas, die ein steigendes Bedürfnis an Produkten wie Kühlschränken oder Klimaanlagen habe. Auch in diesen Geräten sind Nickel oder Kupfer enthalten.

Benz glaubt, dass Glencore nun weiter die bestehenden Minen optimal nutzen wird, anstatt zusätzliche Minen zu übernehmen. Ivan Glasenberg tönte gestern weniger defensiv. «Wir werden allenfalls neue Minen übernehmen. Doch wir haben 2015 eine bittere Lektion gelernt. Falls wir also wachsen, dann werden wir das langsam tun.»

Angesprochen auf die zahlreichen Vorwürfe von Nichtregierungsorganisationen (NGO), Glencore agiere ohne Rücksicht auf die Umwelt und die vom Rohstoffabbau betroffenen Menschen (siehe Box), sagte Glasenberg, man wisse um die potenziellen Auswirkungen, die das Geschäft mit sich bringe. Glencore sei aber bestrebt, in allen Minen einen hohen Standard durchzusetzen. Man wolle sich keineswegs vor der Verantwortung drücken und treffe sich auch regelmässig mit kritischen NGO-Vertretern.

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