Milchpulver
Baby tot: 600 000 Euro Strafe wegen verseuchtem Schweizer-Produkt

Weil ein Kleinkind wegen verseuchtem Milchpulver starb, wurde in Barcelona eine Firma verurteilt. Das Milchpulver stammte aus der Schweiz.

Christian Bütikofer
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In Barcelona muss die Firma «Nutrition & Santé Iberia» einem Elternpaar gemäss einem erstinstanzlichen Urteil über 600 000 Euro Schadenersatz zahlen.

Das spanische Unternehmen verkaufte 2007 Spitälern das Produkt «Sanutri Preterm 400 g». Die Lieferung des Milchpulvers für Frühgeborene führte zum Tod eines Babys.

Bei anschliessenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Lieferung mit Bakterien verseucht war. Daraufhin wurde sie sofort zurückgezogen.

Firma wollte nur 70 000 Euro zahlen

Weil das Milchpulver schon beim Produktionsprozess verunreinigt worden war, wollte sich «Nutrition & Santé Iberia» mit lediglich 70 000 Euro aus der Affäre ziehen.

Das Gericht liess diese Argumentation jedoch nicht gelten, berichtet die grösste katalanische Tageszeitung «La Vanguardia».

Deklaration verschwiegen

Die Richter hoben zudem hervor, dass das Unternehmen auf dem Produkt weder die schweizer Herkunft des Milchpulvers deklarierte, noch den deutschen Importeur auflistete.

Die Firma apellierte sofort und zog das aktuelle Urteil an die nächste Instanz weiter.

Sanutri wurde von Könizer-Firma hergestellt

«Nutrition & Sante Iberia» gehörte bis Anfang 2006 dem Basler Pharma-Multi Novartis. Sanutri wurde von der Könizer Sanutri AG hergestellt, die ebenfalls Novartis gehörte.

Einen Käufer fanden die Basler im niederländischen Finanzkonzern ABN Amro. Seit 2009 ist «Nutrition & Santé Iberia» Teil der japanischen Pharmafirma Otsuka Pharmaceutical. 2010 wurde bekannt, dass Sanutri an die französische Lactalis verkauft wird.

In der Schweiz zählt «Nutrition & Santé Iberia» die Marken Isostar, Modifast und Soy zum Portfolio.

Isostar-Besitzer: Immer wieder verseuchte Produkte

Der Zwischenfall 2007 war beileibe nicht der einzige. Auch 2008 mussten die spanischen Gesundheitsbehörden wiederholt Milchprodukte der Sanutri-Linie aus dem Verkehrt ziehen: Auch diese Lieferungen waren verseucht.

Einmal waren Salmonellen der Grund - in ganz Spanien wurden 29 Ansteckungs-Fälle bekannt.

Die spanische Gesundheitsbehörde «Agencia de Seguridad Alimentaria y Nutrición» (Asea) veröffentlichte darauf zusammen mit einer anderen Aufsichtsbehörde eine Warnung vor Sanutri.

Im Januar 2010 stellte sich heraus, dass das Sanutri-Produkt «Damira 2000» Milchspuren aufwies. Das Produkt wurde extra für Frühgeborene verkauft, die auf Milch allergisch reagieren.

Nach diesem erneuten Zwischenfall reichte es der spanischen Konsumentenschutz-Organisation «Consumidores en Acción» (FACUA) endgültig. Sie forderte wegen diesen wiederholten «schwerwiegenden Unregelmässigkeiten» eine Untersuchung gegen Sanutri und verlangte eine schwere Bestrafung.