Bald Gratis-Internet im Zug

Über eine App kostet das Surfen für Bahnreisende ab 2019 nichts mehr. Das gilt jedoch vorerst nur auf bestimmten Teststrecken und nicht für Swisscom-Kunden.

Philipp Felber
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Im Binnenverkehr wird die Internetverbindung über den Mobilfunk laufen. (Bild: Christof Schürpf/Keystone; 16. Juni 2015)

Im Binnenverkehr wird die Internetverbindung über den Mobilfunk laufen. (Bild: Christof Schürpf/Keystone; 16. Juni 2015)

Die SBB bringen den Internetempfang im Zug voran. Im internationalen Verkehr setzen die Bundesbahnen auf WLAN. Im Binnenverkehr können Passagiere ab 2019 über eine App und die klassische Mobilfunkversorgung gratis surfen, wie die SBB heute bekannt gaben. Vom neuen Angebot profitieren vorerst aber nur Kunden von Salt und Sunrise. Die Swisscom hingegen hat noch keine Lust, ihren Kunden dies zu ermöglichen.

Die SBB führen das neue Angebot vorerst testweise auf gewissen Strecken ein. Der Test findet in Neigezügen statt, die zwischen Zürich und Genf, St. Gallen und Lausanne sowie Basel und Biel verkehren. Wenn er erfolgreich verläuft, soll die Funktion in die normale SBB-App integriert werden. In einem ersten Schritt ist aber eine zusätzliche App nötig. Über diese melden sich Salt- und Sunrise-Kunden mit ihrer Telefonnummer an. Ab der Registrierung zahlt die SBB die Kosten für das Internet. Das Anmelden ist laut den SBB nur beim ersten Mal nötig, danach soll dies wegfallen.

Ein Drittel der Kunden von Swisscom
bleibt aussen vor

Die Swisscom, immerhin der Anbieter mit den meisten Kunden in der Schweiz, macht beim Test nicht mit. Das hat einen einfachen Grund. Das Unternehmen biete eine sehr gute Mobilfunkversorgung, und das ohne Login und spezielle Zugangstechnologie, sagt ein Swisscom-Sprecher. Wer bei Swisscom ein Flatrate-Abo habe, profitiere davon. Das seien rund zwei Drittel aller Kunden mit Smartphone, sagt der Sprecher. Deshalb sehe man aktuell keinen Bedarf mitzumachen. «Wir bleiben aber mit den SBB weiter im Gespräch», heisst es bei der Swisscom.

Das Unternehmen lässt also vorerst einen Drittel ihrer Smartphone-Kunden aussen vor, die vom Gratis-Internet in den Zügen hätten profitieren können. Nicht eingerechnet sind da die Kunden von M-Budget Mobile, die ebenfalls über das Swisscom-Netz ­surfen. Es ist denkbar, dass die Swisscom aus einem anderen Grund vorerst nicht mitmacht. Etwa weil sie fürchtet, dass Flatrate-Kunden auf andere Abos umsteigen, wenn sie in den Zügen gratis surfen können. Das betrifft vor allem das Flaggschiff-Abo «InOne». Dieses ist in verschiedenen Varianten erhältlich. Von XS, entsprechend am günstigsten, aber mit der schwächsten Leistung, bis XL. Pendelt nun jemand mit dem Zug, könnte er auf ein günstigeres Abo umsteigen, weil er ja während den Zugfahrten gratis surfen kann.

Das Gratis-Angebot der SBB hat aber nicht nur für Prepaid-Kunden Vorteile. Gerade Sunrise setzt auf Abos, die nur eine begrenzte Datenmenge an schnellem Internet bereitstellen. Ist die aufgebraucht, wird das Tempo reduziert. Verbinden sich diese Kunden nun im Zug über die App mit dem Internet, schonen sie ihren Datenverbrauch. Bei Berufspendlern, die am Tag schnell mal eine Stunde im Zug unterwegs sind, ist dies nicht zu unterschätzen. Doch auch Swisscom-Kunden profitieren von den Bemühungen der SBB, ein besseres Internet in die Züge zu bringen. So rüsten die SBB momentan Teile ihres Rollmaterials nach und nach mit speziellen Scheiben aus. Diese lassen die Handystrahlen besser durch als die herkömmlichen. So steigt die Empfangsqualität in den Zügen. Zudem wollen die SBB bei noch mehr Zügen auf sogenannte Signalverstärker setzen. Mit denen wird ebenso sichergestellt, dass das Netz von aussen besser in den Zügen landet.

20 Megabit pro Sekunde

Der Einsatz der Scheiben hat noch einen ganz anderen Vorteil gegenüber WLAN. Gibt es, etwa mit dem 5G-System oder allfälligen Nachfolgern, einen Technologiesprung, müssen die SBB kein Geld in die Hand nehmen, um ihren Passagieren weiterhin Internetzugang in die Züge zu liefern. Egal, was von den Mobilfunkmasten der Netzbetreiber gesendet wird, es gelangt durch die Scheiben in den Zug. Die SBB profitieren von der – vor allem im Vergleich zu den Nachbarländern – sehr guten Netzabdeckung an den Bahnlinien. Da diese aber im Ausland nicht gegeben ist, setzen die SBB bei den internationalen Zügen ab Ende 2019 auf WLAN, wie sie gestern ebenfalls bekannt gaben. So werden die zwei Zugstypen Astoro und Giruno mit WLAN ausgestattet.

Der Test mit dem Gratis-Internet und dem Umrüsten auf WLAN kommt nicht von ungefähr. Die SBB hat sich bei der Vergabe der Fernverkehrslinien dazu verpflichtet, bis 2019 eine Möglichkeit für Gratis-Internet in ­Zügen zu bieten. Dem kommt sie nun nach. In Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, ist ersichtlich, wie schnell künftig das Internet in den Zügen sein soll. 20 Megabit pro Sekunde soll der Download bei guter Verfügbarkeit erreichen. Die Verbindung soll damit genug schnell werden, um zum Beispiel Videos ohne Ruckeln anzusehen.