Notenstein La Roche

Bank-Chef Adrian Künzi: «Wir müssen unsere Grösse verdoppeln»

Notenstein Bankchef Adrian Künzi über die Strategie nach dem Zusammengehen mit der Basler Privatbank La Roche. Das Modell des privat haftenden Bankiers lässt sich aufgrund der Risiken nicht mehr aufrecht erhalten.

Andreas Schaffner
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Adrian Künzi will mit seiner Privatbank Notenstein La Roche kräftig wachsen. Christian Beutler/Keystone

Adrian Künzi will mit seiner Privatbank Notenstein La Roche kräftig wachsen. Christian Beutler/Keystone

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Herr Künzi, wieso haben Sie eigentlich den Namen La Roche zum bisherigen Namen angefügt?

Adrian Künzi: Wir wollen damit signalisieren, dass wir uns zusammenschliessen. Und dass es sich hier um zwei Banken handelt mit ähnlichem Hintergrund und ähnlicher Kultur.

Bei La Roche vollzieht man gleichzeitig die Abkehr einer Tradition, die des privat haftenden Bankiers.

Dies sieht man auch bei anderen Privatbanken. Das Modell des privat haftenden Bankiers lässt sich angesichts der Risiken je länger, je weniger aufrechterhalten. Unser Modell mit dem Mutterhaus Raiffeisen als Eigentümerin bringt neben dem Kapital die nötige Stabilität. Zudem haben wir, im Gegensatz etwa zu börsenkotierten Banken, keinen Druck der Shareholder, um jeden Preis rasch hohe Erträge zu erwirtschaften und den Kunden übermässige Gebühren aufzubürden.

Adrian Künzi

Adrian Künzi studierte an der Universität St. Gallen (HSG). Dort schrieb er auch seine Dissertation. Seine Karriere startete bei der US-Investmentbank Goldman Sachs in Frankfurt. Später wechselte Künzi zur St. Galler Bank Wegelin, wo er zuletzt als unbeschränkt haftender und geschäftsführender Teilhaber tätig war. 2012 ging das Nicht-US-Geschäft von Wegelin in die neu gegründete Notenstein Privatbank über, die an die Raiffeisen Schweiz verkauft wurde. Künzi wurde CEO. Das aktive Bankgeschäft von Wegelin wurde im März 2013 eingestellt. Per 1. November wurde die Basler Bank La Roche in die Notenstein integriert. Die Bank heisst neu Notenstein La Roche. (ASC)

Ein Seitenhieb an die Kollegen von den börsenkotierten Privatbanken.

Es geht mir nicht um den Seitenhieb. Ich möchte nur herausstreichen, dass wir dank dem genossenschaftlichen Modell nicht den Druck haben, quartalsweise zu rapportieren.

Mit dem Kauf der Bank La Roche werden Sie grösser. Eine Tendenz, die wir immer mehr sehen: Banken werden aufgekauft oder schliessen sich zusammen. Wieso?

Es ist für kleinere Banken schwieriger geworden, rentabel zu arbeiten. Diese Entwicklung wird sich sogar noch verschärfen. In Zukunft ist nicht davon auszugehen, dass sich die Margen erhöhen. Schon jetzt sehen wir, dass deshalb kleinere Banken verkauft oder geschlossen werden. Ausserdem ziehen sich internationale Banken aus der Schweiz zurück.

Gibt es eine Mindestgrenze an verwalteten Vermögen, die nötig ist?

So direkt kann man das nicht sagen. Es kommt auf das Geschäftsmodell an, das eine Bank betreibt. Unter 10 Milliarden Franken an verwalteten Kundenvermögen wird es aber heute schwierig.

Was heisst das für Ihre Bank?

Heute verwalten wir 22 Milliarden Franken. Unsere Marge ist heute schon sehr gut im Vergleich mit anderen Banken mit einem Verhältnis von Kosten und Einnahmen von 80 Prozent. Das gibt uns eine gewisse Sicherheit. Wir möchten jedoch weiter wachsen, um einen angemessenen Beitrag, etwa 10 Prozent, an den Gruppengewinn von Raiffeisen beizusteuern. Das heisst, langfristig müssen wir unsere Grösse etwa verdoppeln.

Wo wollen Sie weiter wachsen?

Wir sind eine sehr schweizerische Privatbank, unsere Heimat ist ganz klar die Schweiz. Hier sehen wir auch unser Wachstumspotenzial. Priorität hat also die Schweiz und eine Handvoll ausgewählter weiterer Zielmärkte.

Wollen Sie noch eine Bank kaufen?

Wir möchten einerseits organisch wachsen, aber halten auf der anderen Seite auch gezielt nach Akquisitionen Ausschau.

Andere Privatbanken zieht es nach Asien. Wäre das für Sie denkbar?

Für uns ist das kein Thema. Der Grund ist ganz einfach: Wir bieten klassisches Private Banking an, unser Heimmarkt ist die Schweiz. Die Kundenbedürfnisse und die Marktsituation in Asien sind ganz anders.

Mit dem europäischen Ausland ist der automatische Informationsaustausch (AIA) beschlossene Sache. Was heisst das für Ihr Geschäft?

Jede Bank in der Schweiz ist gut beraten, nur versteuerte Gelder anzunehmen. Für uns ist in einem zweiten Schritt entscheidend, welches Angebot wir den Kunden machen können.

Soll das Bankgeheimnis im Inland auch fallen?

Das ist ein politischer Prozess, dem ich nicht vorgreifen möchte. Aber ich denke, wir sind mit dem bisherigen Modell sehr gut gefahren. Es widerspiegelt das Vertrauen des Staates in die Bevölkerung.

Wieso wollen Sie jetzt einen jetzt einen erleichterten Marktzugang in Europa?

Für uns Schweizer Banken ist es sehr wichtig, dass wir unsere Dienstleistungen aus der Schweiz heraus in Europa anbieten können.

Wie beurteilen Sie das aktuelle wirtschaftliche Umfeld?

Die makroökonomische Ausgangslage bleibt komplex und schwer fassbar. Es wäre falsch, sich auf ein einziges Szenario festzulegen, wir ziehen stets drei oder vier mögliche Entwicklungen in Betracht. Dies sind heutzutage auch weitgehend politische Szenarien, wie z. B. die expansive Geldpolitik der Zentralbanken, weshalb ökonomische Modelle allein hier nicht ausreichen. Ganz grundsätzlich aber ist ein hoher Aktienanteil im Portfolio heute sinnvoll. Besonders empfehlen sich Aktien mit Realwertcharakter, die also an fassbare Werte geknüpft sind.

Verlangen Sie von Ihren Kunden auch Negativzinsen?

Unsere Privatkunden bezahlen keine negativen Zinsen. Dies im Gegensatz zu den grossen institutionellen Kunden, von denen wir auf den Cash-Beständen einen Negativzins verlangen.

Aber als Bank müssen Sie Negativzinsen bezahlen?

Auch wir müssen der Nationalbank
Negativzinsen bezahlen.

Wie sehen die Pläne in Basel aus nach der Integration von La Roche?

Die Notenstein-Mitarbeitenden, die bisher im Basler Schilthof ihre Büros hatten, sind an die Rittergasse 25 (den ehemaligen Hauptsitz der Bank La Roche) umgezogen, wo die Basler Kundschaft empfangen wird.