Studie
Bank warnt vor zunehmender Ungleichheit - wegen Flüchtlingskrise

Südeuropa drohen Spannungen wegen zunehmender Ungleichheit. Die Flüchtlingskrise könnte die Situation verschärfen. Die Studie der US-Investmentbank Morgan Stanley (MS), erinnert an ein Pamphlet eines ultralinken Denkfabrik.

Andreas Schaffner
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Der Ungleichheits-Indikator.

Der Ungleichheits-Indikator.

Eine der zentralen Thesen würde man zuletzt aus dieser Ecke vermuten: «Wirtschaftswachstum ist zwar wichtig, aber auch eine gerechte Verteilung des Einkommens und des Vermögens.»

In ihrer Untersuchung kommen die Autoren zum Schluss, dass weltweit zwar die Ungleichheit abgenommen hat in den vergangenen Jahren. Dies dank China und Indien.

China holt auf, Europa verliert

Doch in den sogenannten entwickelten Ländern ist das Gegenteil der Fall: Die Ungleichheit nimmt zu. Insbesondere in Europa, aber auch in den USA. So liegen nicht zufällig Portugal, Italien, Griechenland, Spanien an der «Spitze» der Ungleichheits-Rangliste, gefolgt von den USA.

Die Kriterien, nach denen die Analysten ihren «Ungleichheits-Index» zusammenstellen, sind neben der Vermögensverteilung, die Einkommensverteilung, die unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau, der Ausbildungsstand, der Zustand des Gesundheitswesens oder auch der Zugang zum Internet.

Die Schweiz liegt an sechstletzter Stelle. Besonders gut schneidet die Schweiz bei der Vermögensverteilung ab – dem Gini-Koeffizienten – aber auch beim Gesundheitswesen und dem Internet-Zugang. Norwegen, Schweden, Finnland, Niederlande und Belgien sind noch «weniger ungleich».

Schweden fällt zurück

Auffällig ist der Trend im vermeintlichen Vorzeigeland Schweden. Laut der MS-Studie verzeichnet das nordeuropäische Land den höchsten Zuwachs an Vermögensungleichheit im OECD-Raum. Verantwortlich seien die hohen Kapitalgewinne, die nicht allen Schweden in gleichem Masse zugutekämen.

Die Bank-Ökonomen gehen in einem weiteren Schritt davon aus, dass diese Entwicklung den sozialen Frieden innerhalb der Länder gefährden könnte. Ausserdem könnte es weiteres Wachstum infrage stellen, da die Leute in den betroffenen Ländern tendenziell weniger konsumieren.

Verstärkt werden könnte das Ganze durch die gegenwärtige Flüchtlingskrise, so sie zu einer Verstärkung der Ungleichheit führt. Weitere Herausforderungen sind laut Morgan Stanley auch der technologische Wandel, der verbunden ist mit der Auslagerung von unproduktiven Arbeiten in andere Länder.

Zweiteilung unter Konsumenten

In einem zweiten Teil schauen sich die Studienautoren an, was die Folgen der Ungleichheit für die Unternehmen und die Investoren sein könnten.

Sie sehen etwa eine klare Zweiteilung der Konsumenten: Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die sich immer mehr leisten können, auf der anderen Seite diejenigen, die auf günstige Angebote angewiesen sind. Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé hätten schon reagiert und ihre Produkte in drei verschiedenen Preisklassen positioniert.

Von der zunehmenden Ungleichheit könnte ironischerweise auch die Pharmaindustrie profitieren. Die MS-Autoren gehen davon aus, dass mit zunehmender Ungleichheit die Ausgaben bei günstigen Medikamenten und Generika steigen. Hier sehen sie besonders die beiden Basler Konzerne Roche und Novartis gut aufgestellt.