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BANKEN: China treibt Marktöffnung voran

Ausländische Investoren sollen einfacheren Zugang zu den chinesischen Finanzmärkten erhalten. Nennenswerte Anteile dürften ausländische Banken im Reich der Mitte in absehbarer Zeit aber kaum gewinnen. Dafür sind die chinesischen Banken inzwischen zu gross.
Felix Lee, Peking
Noch hält sich die Euphorie über die Öffnung des chinesischen Finanzmarktes in Grenzen, auch in Bank- und Versicherungskreisen in Schanghai. (Bild: Getty (24. August 2017))

Noch hält sich die Euphorie über die Öffnung des chinesischen Finanzmarktes in Grenzen, auch in Bank- und Versicherungskreisen in Schanghai. (Bild: Getty (24. August 2017))

Felix Lee, Peking

Ausländische Finanzkonzerne hatten es bislang schwer in China. Obwohl in den letzten 20 Jahren kein Land so sehr von der Globalisierung profitiert hat wie die Volksrepublik mit ihrer gigantischen Exportwirtschaft – wenn es um den eigenen Kapitalmarkt ging, blieb die Tür für Investoren aus dem Ausland verschlossen.

Auf dem diesjährigen Wirtschaftsforum im südchinesischen Bo’ao war der Moment nun aber gekommen, auf den die internationale Bankenwelt so lange gewartet hatte: Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping höchstpersönlich kündigte eine «neue Phase der Öffnung» an und sprach sich dabei auch explizit für eine Liberalisierung der chinesischen Finanzmärkte aus.

Nun lässt die chinesische Führung auf Worte Taten folgen. Ab dem 30. Juni soll es ausländischen Unternehmen erlaubt sein, die Mehrheit an chinesischen Banken, Brokern oder auch Versicherern zu übernehmen. Unter anderem dürfen Ausländer künftig bis zu 51 Prozent an Finanzunternehmen halten.

Eigenständig war es ausländischen Investoren bislang gar nicht möglich, auf den chinesischen Finanzmärkten mitzumischen. Wer trotzdem vom boomenden Markt etwas abbekommen wollte, musste sich einen heimischen Partner suchen. Und auch dabei blieb den Ausländern nur die Rolle des ­Juniorpartners. Sie durften am Gemeinschaftsunternehmen maximal 49 Prozent halten. Das chinesische Finanzministerium kündigte an, dass diese Begrenzung in den nächsten Jahren sogar ganz aufgehoben werde. Sprich: Der Joint-Venture-Zwang für ausländische Banken, Versicherungsgesellschaften und anderen Finanzdienstleistern in China wird damit komplett fallen.

UBS prescht als erste Bank vor

Die Schweizer Bank UBS ist die weltweit erste Bank, die Peking mit ihrer Ankündigung beim Wort nimmt. Sie hat bereits einen Antrag eingereicht, an ihrem bisherigen chinesischen Wertpapier-Joint-Venture UBS Security eine Mehrheitsbeteiligung zu erwerben. Der Antrag wurde von der chinesischen Seite auch schon entgegengenommen. «Diese Schritte eröffnen dem Investment Banking, dem Wealth- und Asset-Management-Geschäft von UBS in China grosse Chancen», heisst es in einer Mitteilung der Zürcher Grossbank. Bislang hielt UBS an seiner chinesischen Joint-Venture-Tochter nur einen Anteil von 24,99 Prozent.

Noch bevor die neuen Regeln offiziell in Kraft treten, hat die chinesische Regierung als Zeichen des guten Willens vergangene Woche auch dem Londoner Zahlungsdienstleister World First bereits eine Lizenz erteilt, die es ihm erlaubt, in China zu operieren. Beim Treffen mit seinem japanischen Amtskollegen Shinzo Abe erlaubte der chinesische Premierminister Li Keqiang zudem erstmals japanischen Finanzinsti­tuten milliardenschwere Investitionen an den chinesischen Finanzmärkten.

Trotz dieser Ankündigungen – von Aufbruchstimmung ist in den ausländischen Banken- und Versicherungskreisen in Peking und Schanghai noch nicht viel zu spüren. «Natürlich begrüssen wir die Regelung», heisst es aus deutschen Bankenkreisen. Einige der angedachten Regelungen seien aber noch nicht ausgegoren und würden unterschiedliche Signale aussenden. Von «verhaltenem Optimismus» ist in Branchenkreisen denn auch nur die Rede.

Hongkonger Finanzexperten sind skeptisch, ob sich der Marktanteil ausländischer Finanzunternehmen in der Volksrepublik signifikant erhöhen wird. Denn einige Hürden bleiben. Ausländische Banken müssen mindestens 100 Milliarden Yuan (rund 15 Milliarden Franken) an Eigenkapital mitbringen, um in China eine eigene Bank betreiben zu können. Die einzige ausländische Bank, die bislang bereit ist, eine so hohe Summe in den chinesischen Markt zu investieren, ist Branchenexperten zufolge die japanische Bank Nomura. Zudem sind die chinesischen Staatsbanken so gross, dass es ­ der ausländischen Konkurrenz schwerfallen wird, ihnen nennenswerte Anteile abzunehmen.

Dient die Ankündigung einer Öffnung der Finanzmärkte denn auch nur zur Beschwichtigung von Donald Trump? Genau das fordert der US-Präsident im Handelsstreit von der chinesischen Führung derzeit. «Nein», beteuert Chinas Zentralbankchef Yi Gang. Die Öffnung der Finanzmärkte habe nicht mit dem aktuellen Handelsstreit zu tun. Vielmehr sei es seit einiger Zeit Ziel der Regierung, auch anderen zu ermöglichen, «auf den Schnellzug der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas aufzuspringen».

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