BANKEN: Fehlanzeige bei Visionären

Was die Nachhaltigkeit angeht, so stecken die 15 grössten Schweizer Inlandbanken noch in den Kinderschuhen. Dies zeigt eine Studie des WWF. Es gibt allerdings auch positive Aspekte.

Stefan Borkert
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Bankprodukte haben einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Nachhaltigkeit. (Bild: WWF)

Bankprodukte haben einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Nachhaltigkeit. (Bild: WWF)

Stefan Borkert

Zusammen mit der unabhängigen Ratingagentur Inrate hat WWF Schweiz inländische Retailbanken auf Nachhaltigkeit überprüft. Das Ergebnis ist ernüchternd. 10 von 15 untersuchten Schweizer Retailbanken landen im Mittelfeld, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht. Darunter sind auch die St. Galler Kantonalbank und die Luzerner Kantonalbank. Hinzu kommen neben den Kantonalbanken im Waadt, Aargau sowie in Basel-Stadt und -Landschaft die Waadtländer Kantonalbank, auch die Migros Bank, Neue Aargauer Bank und die UBS Schweiz.

Zwei Banken schneiden am schlechtesten ab und gelten als Nachzügler: Postfinance und Valiant. Beide Geldinstitute räumen auf Nachfrage der Nachrichtenagentur SDA Nachholbedarf ein. Drei Banken landen vor dem Mittelfeld auf der Position Verfolger. Das sind die Raiffeisen-Gruppe, die Zürcher Kantonalbank und die Berner Kantonalbank. Ihnen bescheinigt die Studie immerhin, dass sie zeitgemäss und somit auf Kurs punkto Nachhaltigkeit sind. Die Spitzenränge Visionär und Vorreiter bleiben unbesetzt. «Ausgewählt wurden die Banken aufgrund ihrer Bilanzsumme aus dem Jahr 2015», gibt WWF-Sprecher Christoph Rytz Auskunft. Die Alternative Bank Schweiz (ABS) fehlt in der Studie. Ihre Bilanzsumme ist mit knapp 2 Milliarden Franken zu niedrig. Allerdings werde sie als positives Beispiel im Rahmen der Studie porträtiert, erklärt Rytz.

Handlungsbedarf im Kerngeschäft

Mit dem Rating existiere nun erstmals eine Übersicht über das Nachhaltigkeitsniveau der 15 grössten Schweizer Retailbanken. Thomas Vellacott, Geschäftsführer des WWF Schweiz, kommentiert: «Jeder Franken, den wir der Bank zum Sparen, Anlegen oder Vorsorgen anvertrauen, wirkt sich auf Umwelt und Gesellschaft aus.» Für eine zukunftsfähige Entwicklung sei es daher entscheidend, dass «Banken auch ökologische und soziale Standards im Kerngeschäft verankern und umsetzen». Und genau da gibt es, laut der Studie, noch viel Handlungsbedarf. «Während die meisten Banken bei Aspekten wie der Betriebsökologie gut abschneiden, fallen viele in ihrem Kerngeschäft zurück», schreiben die Autoren. Bei Sparen, Anlegen, Vorsorgen und Finanzieren steckten die grössten Retailbanken punkto Nachhaltigkeit insgesamt noch in den Kinderschuhen.

Es gebe aber in allen Bereichen positive Beispiele zukunftsweisender Vorreiter, welche der Branche voraus seien und damit wichtige Akzente setzten, wird ergänzt. Einige Banken böten nachhaltige Fonds unter diversen Namen an. Rytz sagt, dass, sofern es sich um wirkungsbezogene Anlageprodukte handle, die mittels systematischen Einbezuges von Nachhaltigkeitsfaktoren auf eine effektive Verbesserung des Nachhaltigkeitsniveaus abzielten, dies zu begrüssen sei. Zu nennen seien etwa Klimawandel, Trinkwasserqualität, Umwelt- und Sozialstandards. Aber er warnt: «Nicht jede nachhaltige Anlagestrategie ist gleich effektiv hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitswirkung.»

Bei den Sparkonten schnitten die meisten Banken unterdurchschnittlich ab, da sie dafür keine Nachhaltigkeits- und Umweltrichtlinien haben und diese Aspekte nicht berücksichtigten. Sparprodukte seien jedoch relevante Hebel für mehr Nachhaltigkeit im Bankensystem. Es wird deshalb eine höhere Transparenz vorgeschlagen. Banken könnten kommunizieren, in welche umwelt- und nachhaltigkeitsrelevanten Aktivitäten und Branchen die eingelagerten Gelder aus den verschiedenen Sparsegmenten fliessen. Auf diese Weise könnten Kunden bei der Wahl eines Sparprodukts gezielt das nachhaltigere auswählen. Aktuell gebe es unter den 15 untersuchten Banken nur ein zeitgemässes Sparprodukt, und zwar von der Zürcher Kantonalbank.

Bei den Anlage- und Vorsorgeprodukten der Säulen 3a/b habe die Nachhaltigkeit in der Schweiz eine längere Tradition. Trotzdem sei der Markt dafür noch unreif und geniesse keine Priorität. Auch bei Krediten und Finanzierungen seien die Retailbanken demnach noch nicht weit, wenn es um die Integration von Umweltaspekten geht. Ökologische Kreditprodukte bieten sie aktuell nur in zwei Kategorien an: Öko-Hypotheken und vereinzelte innovative Produkte im Verkehrsbereich. Deren Anteile an den Gesamtfinanzierungsvolumen sind aber nur minimal.