Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BANKEN: Katzenjammer für Bär-Aktionäre

CEO Boris Collardi wechselt von Julius Bär zum Konkurrenten Pictet und verursacht einen Kurseinbruch. Sein Engagement bei der Genfer Privatbank bringt viel Prestige mit sich – und viel Geld.
Daniel Zulauf
Julius-Bär-Chef Boris Collardi ist per sofort zurückgetreten. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 1. Februar 2016))

Julius-Bär-Chef Boris Collardi ist per sofort zurückgetreten. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 1. Februar 2016))

Daniel Zulauf

Ist Boris Collardi 860 Millionen Franken wert? Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Börse. Der langjährige Chef der Zürcher Privatbank Julius Bär hat gestern seinen Wechsel zur noblen Genfer Privatbank Pictet bekanntgegeben, wo er als siebter Teilhaber quasi in den Olymp des Schweizer Private Banking aufsteigt. Die Neuigkeit versetzte den Aktien von Julius Bär einen Dämpfer. Die Titel gingen am Abend bei einem Kurs von 56.40 Franken 6,4 Prozent tiefer als vor dem Wochenende aus dem Handel.

Julius-Bär-Verwaltungsratspräsident Daniel Sauter versuchte seine Enttäuschung über Collardis überraschenden Abgang nicht zu verbergen. «Wir bedauern seinen Rücktritt, respektieren jedoch seinen persönlichen Wunsch nach Veränderung und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute», heisst es in der Medienmitteilung.

Zuerst mit Ferrari, dann mit Fiat 500

Collardi war ein Senkrechtstarter im Schweizer Private Banking und offensichtlich auch ein Naturtalent. Nach dem Abschluss des Gymnasiums in Nyon heuerte er als Trainee bei der Credit Suisse in Genf an und stieg in der Grossbank in nur zehn Jahren zum europäischen Betriebschef der Private-Banking-Division auf. 2006 wechselte er zu Julius Bär, wo er 2009 mit nur 34 Jahren zum CEO gewählt wurde. Und der französischsprachige Jungstar bewies Mut und viel Selbstvertrauen.

Sein Meisterstück war der Kauf des ausseramerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäftes der US-Grossbank Merrill Lynch zu einem Zeitpunkt, als Schweizer Banken solche Akquisitionen vor dem Hintergrund des amerikanischen Steuerstreites als besonders riskant ansahen. Durch die Übernahme weitete Julius Bär die Präsenz auf 25 Länder und über 50 Standorte aus. Die verwalteten Vermögen haben sich unter Collardis Ägide mehr als verdoppelt und betrugen im Oktober 393 Milliarden Franken. Mit einer zeitlichen Verzögerung von mehreren Jahren ist auch der Gewinn der Bank nachgezogen und erreichte im vergangenen Jahr mit 620 Millionen Franken 12 Prozent des Eigenkapitals. Sichtbarer Ausdruck des hohen Selbstvertrauens von Collardi waren die extravaganten Auftritte des CEO, der sich in seiner Sturm-und-Drang-Phase nicht scheute, im Ferrari im Büro vorzufahren. Der Banker lernte aber bald, dass sich das Zurschaustellen von Erfolg und Reichtum nachteilig auf den eigenen Ruf auswirken kann, weshalb er sich bald darauf nur noch im Fiat 500 zeigte.

Diese Lernfähigkeit wird der italienischstämmige Collardi weiter benötigen, wenn er seine Arbeit bei Pictet aufnimmt. Das über 200-jährige Genfer Institut folgt einer streng calvinistisch-reformierten Tradition, zu der auch ein sehr zurückhaltender Auftritt in der Öffentlichkeit gehört. Eine Pressemitteilung über Collardis Berufung war auf der spartanischen Webseite von Pictet gestern nicht zu finden.

Pictet ist sehr rentabel

Mit der Aufnahme in den exklusiven Club der Pictet-Teilhaber gelingt Collardi zweifellos ein grosser Schritt in der Karriere. Nach Rückzahlung des Kredites, den er für den Einkauf in die Eigentümerschaft benötigt, winken dem Neopartner Einkünfte, die weit höher sein dürften als sein bisheriges CEO-Gehalt von 6,5 Millionen Franken. Mit 4200 Angestellten verwaltet Pictet ein Vermögen von 492 Milliarden Franken. Bei Julius Bär kümmern sich insgesamt mehr als 6000 Angestellte um ein deutlich geringeres Kundenvermögen. Pictet ist deshalb auch in den aktuell schwierigen Zeiten für das Bankgeschäft weit überdurchschnittlich rentabel.

Gemeinhin heisst es, die durchschnittliche Verweildauer eines Teilhabers liegt über 25 Jahre. Doch in den letzten zwei Jahren sind mit Jean-François Demole und Philippe Bertherat zwei jüngere Teilhaber ungewöhnlich früh ausgeschieden. Über die Hintergründe dieser Abgänge ist nie etwas bekannt geworden. Mit der Berufung Collardis steigt die Zahl der Teilhaber wieder auf sieben Personen. Pictet wartet im US-Steuerstreit noch auf die Schlussrechnung. Collardi dürfte vorgesorgt haben, dass er sich an deren Bezahlung nicht beteiligen muss.

Nachfolger von Collardi wird sein bisheriger Stellvertreter, der 58-jährige Bernhard Hodler. Er sei überzeugt, dass der neue CEO die Bank in eine weitere erfolgreiche Zukunft führen werde, sagte gestern Verwaltungsratspräsident Daniel Sauter. Dennoch leite der Verwaltungsrat «einen Evaluationsprozess für die langfristige Führung der Gruppe ein», sagte Sauter. Bis auf weiteres sei aber Hodler CEO.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.