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BANKEN: Raiffeisen wächst und investiert

Im Herbst hat die Raiffeisen ihre erste digitale Filiale in Lungern eröffnet. Kleinere Filialen könnten schon bald ohne Personal auskommen. Stellen werden aber keine gestrichen – im Gegenteil.
Roman Schenkel
Der Präsident des Raiffeisen-Verbandes Luzern, Ob- und Nidwalden, Kurt Sidler. Bild: Dominik Wunderli

Der Präsident des Raiffeisen-Verbandes Luzern, Ob- und Nidwalden, Kurt Sidler. Bild: Dominik Wunderli

Roman Schenkel

roman.schenkel@luzernerzeitung.ch

Konto eröffnen, Kreditkarte beantragen, Bargeld abgehoben – in der im Herbst 2016 eröffneten Raiffeisen-Filiale in Lungern werden fast sämtliche Bankdienstleistungen angeboten. Nur: Bankpersonal ist keines vor Ort. Die Geschäftsstelle in Lungern im Kanton Obwalden ist der erste Raiffeisen-Standort, der nur noch digital betrieben wird.

Die ersten Erfahrungen seien gut, erzählt Kurt Sidler, Präsident des Regionalverbandes Luzern, Ob- und Nidwalden. «Wir wurden zwar nicht von Kunden ­überrannt», sagt Sidler. Dennoch wertet er die ersten Monate des Betriebs als Erfolg. «Die Dienstleistung in Lungern wurde rege und von Kunden aus allen Altersschichten genutzt», sagt er. Also nicht bloss junge Leute, sondern gerade auch die ältere Kundschaft hätte positiv auf die digitale Filiale reagiert, sagt Sidler. Die guten Erfahrungen hat man auch in St. Gallen am Sitz von Raiffeisen Schweiz mitbekommen. In Kürze soll im Kanton Aargau eine zweite digitale Filiale eröffnet werden. In Lungern können Raiff­eisen-Kunden per Videochat mit den Kundenberatern kommunizieren. Dafür ist die Raiffeisen-Filiale in zwei Räume aufgeteilt. Im vorderen, dem sogenannten 24-Stunden-Bereich, kann man Geld abheben und einzahlen.

Wünscht man eine Beratung, kontaktiert man via Bildschirm einen Bankmitarbeiter in Sachseln, Sarnen, Kerns oder Alp­nach. Dieser öffnet per Knopfdruck einen Beratungsraum. «Dort kann der Kunde seine Anliegen im Vertrauen mit dem Kundenberater besprechen», sagt Sidler. Im Beratungsraum stehen Drucker und Scanner. «So ist es möglich, ein Konto zu eröffnen, eine Kreditkarte zu bestellen oder einen Vertrag zu unterschreiben», zählt Sidler auf. Ein grosser Vorteil seien zudem die Öffnungszeiten. «Zuvor hatte die Raiffeisenbank Obwalden in Lungern nur einen Tag pro Woche geöffnet. Nun haben wir zu den üblichen Bürozeiten geöffnet», sagt er.

Zu wenig Kundenkontakt bei kleineren Filialen

Falls gewünscht, können Kunden auch einen Berater nach Lungern bestellen. «Eine Hypothek zum Beispiel wollen viele Kunden persönlich mit ihrem Kundenberater besprechen», sagt Sidler, der überzeugt ist, dass es auch in ferner Zukunft Bank­filialen mit Beratern vor Ort geben wird.

Die klassischen Filialen sind aber unter Druck. Nicht nur die Schweizerische Post, auch Raiffeisen will ihr Filialnetz optimieren. Vor Jahresfrist gab Raiffeisen Schweiz die Schliessung von rund 250 Filialen bis 2020 bekannt. «Auch in unserem Gebiet haben wir Mühe, kleine Filialen offen zu halten», sagt Sidler. Kürzlich wurden die Standorte in Romoos und Marbach geschlossen. Sidler geht deshalb davon aus, dass auch in seiner Region noch die eine oder andere Filiale geschlossen werden muss. «In unseren kleinsten Filialen haben wir nur sehr wenig Kundenkontakt», erklärt Sidler. Filialen ohne Personen vor Ort sind generell dort angesagt, wo wenig Kunden sind. Der fehlende Kundenkontakt ist jedoch nur ein Grund für die Schliessung oder die Umwandlung von Filialen. «Filialen sind ein hoher Kostenblock», sagt Sidler. Hinzu kommen die Sicherheitsvorschriften, die in kleinen Filialen nur mit viel Aufwand eingehalten werden können.

Wer daraus schliesst, dass bei Raiffeisen wegen der Digitalisierung Stellen gestrichen werden, der irrt. Beim Regionalverbund Luzern, Obwalden und Nidwalden hat die Zahl der Angestellten im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent auf 470 Vollzeitstellen zugelegt. «Wir sind im letzten Jahr stark gewachsen, deshalb müssen wir unsere Beratung noch weiter verstärken», erklärt Sidler.

Anforderungen an Personal gestiegen

Statt Schalterpersonal seien nun vor allem Spezialisten gefragt. Diese kommen in den sogenannten Beraterbanken zum Einsatz. «Die Anforderungen fürs Personal sind stark gestiegen», sagt Sidler. Dabei bildet Raiffeisen ­einen Grossteil selber aus. «Auf dem Stellenmarkt ist es schwierig, beispielsweise gute Anlage- oder Kreditberater zu finden.»

Bei Raiffeisen können sich die Lernenden nach ihrer Lehre spezialisieren und dann zertifizieren. «Es findet derzeit eine starke Spezialisierung statt», so Sidler. Rund 25 Lehrlinge bildet Raiffeisen pro Jahr aus.

Für die Digitalisierung und wegen des Wachstums haben die Raiffeisenbanken der Kantone Luzern, Obwalden und Nidwalden 2016 mehr Geld ausgegeben. Der Geschäftsaufwand stieg um 4,5 Prozent auf 99,3 Millionen Franken. «Bei der Digitalisierung können wir nicht abseitsstehen», rechtfertigt Sidler den Anstieg der Kosten. Dennoch konnte der Bankenverbund seinen Gewinn steigern. Für 2016 haben die Raiffeisenbanken in Luzern, Obwalden und Nidwalden ihren Gewinn um 2,3 Prozent auf gut 14,7 Millionen Franken gesteigert.

Im Kerngeschäft – dem Hypothekarmarkt – entwickelten sich die Genossenschaftsbanken laut Sidler «sehr gut». Mit einem Wachstum von 3,9 Prozent auf 11,2 Milliarden Franken behauptete Raiffeisen in der Zentralschweiz ihre starke Position.

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