BANKEN: UBS setzt Minders Ideen um

Die UBS wird an ihrer Generalversammlung von morgen bereits erste Forderungen der Abzockerinitiative umsetzen. Dafür erntet die Grossbank aber nicht nur Lob.

Roman Schenkel
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Mit Spannung wird die UBS-Generalversammlung morgen im Zürcher Hallenstadion erwartet. (Bild: Freshfocus/Valeriano Di Domenico)

Mit Spannung wird die UBS-Generalversammlung morgen im Zürcher Hallenstadion erwartet. (Bild: Freshfocus/Valeriano Di Domenico)

Wenn Urs Zeltner morgen Donnerstag an der UBS-Generalversammlung den Abstimmungsknopf drückt, entscheidet sich, ob der umstrittene Vergütungsbericht und die anderen Traktanden angenommen werden oder nicht. Der Solothurner Fürsprech und Notar der Zürcher Treuhandgesellschaft Altorfer Duss & Beilstein AG fungiert auch dieses Jahr als unabhängiger Stimmrechtsvertreter für die anstehende Generalversammlung der Schweizer Grossbank.

Zeltner hat dieses Amt schon seit 2004 inne. In dieser Dekade wurde seine Funktion immer gewichtiger. Denn von Jahr zu Jahr haben dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter immer mehr Aktionäre – vor allem amerikanische Aktionärsvertreter und Institutionelle – ihre Stimmen übergeben.

Zeltner vertritt die Stimmmehrheit

So waren es im Jahr 2007 rund 81 Millionen Stimmen, die Zeltner vertreten hat – 2009 waren es bereits 503 Millionen Stimmen und damit die Mehrheit der Aktien. In den letzten Jahren ging dieser Trend weiter: An der Aktionärsversammlung 2012 hat der unabhängige Stimmrechtsvertreter 850 Millionen Stimmen vertreten, der Verwaltungsrat der UBS stand für gut 740 Millionen Stimmen. Zeltner wehrt sich aber gegen eine Überinterpretation seiner Person: «Ich übe nur eine technische Funktion aus», betont der Fürsprech.

2013 kommt seiner Funktion aber eine besondere Rolle zu: Die UBS verzichtet als erste börsenkotierte Gesellschaft in der Schweiz auf das Organ- und Depotstimmrecht. Bei diesen beiden Möglichkeiten konnten die Aktionäre das Stimmrecht dem Verwaltungsrat übertragen. Dieser hat dann als Organvertreter gemäss den Weisungen der Aktionäre und als Depotvertreter im Sinne des Unternehmens abgestimmt. Die Abschaffung insbesondere des Depotstimmrechts war eine der zentralen Forderungen der Abzockerinitiative, der das Schweizer Stimmvolk im vergangenen März zugestimmt hatte.

Mit dem Verzicht auf diese umstrittenen Stimmrechte ist die UBS dem Volkswillen früher gefolgt als vorgeschrieben. Schon morgen an der Versammlung im Zürcher Hallenstadion müssen die Aktionäre entweder persönlich vor Ort sein, um abzustimmen, oder einen anderen Aktionär, der an der Generalversammlung ist, dafür beauftragen. «Die dritte Variante ist, dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter die Stimme zu übertragen», erklärt Zeltner.

Der Verzicht auf die Organ- und Depotstimmrechte ist nicht die einzige Änderung, welche die UBS im Hinblick auf die Generalversammlung 2013 vorgenommen hat. Auch ein Internetportal wurde geschaffen, über das sich jeder Aktionär registrieren und seine Anweisungen an den unabhängigen Stimmrechtsvertreter abgeben kann. Dies ist ebenfalls ein Punkt, der mit der Umsetzung der Abzockerinitiative von börsenkotierten Firmen künftig verlangt wird. «Live» kann damit während der Generalversammlung nicht abgestimmt werden, die Stimmen müssen vorher abgegeben werden.

Kritik an Abstimmungstool

Bei diesem Internetportal hat die UBS einen eigenwilligen Weg gewählt. Statt auf «Sherpany» – eine auf die Durchführung von E-Voting und digitale Aktionärspflege spezialisierte Plattform – zu setzen, hat die Grossbank ein eigenes unternehmensspezifisches Aktionärsportal entwickeln lassen. Dieses ist vollständig in die UBS-Website integriert. Bei «Sherpany», das unter anderem bereits bei der Zürich Insurance Group, Swiss Life oder Swiss Re zum Einsatz kommt, findet die Stimmabgabe der Aktionäre auf einer externen, unabhängigen Plattform statt.

Der Grund für den Weg der UBS erkläre sich wohl damit, dass die Bank die Kontrolle über die Prozesse behalten wolle, so ein Branchenkenner. «Gefühlt ist es aber komisch, wenn man vom Stimmrechtsgeheimnis Gebrauch machen will und die Stimme auf der UBSWebsite abgeben muss», sagt er.

Geheimnis muss gewahrt bleiben

Gregor Greber vom unabhängigen Zuger Vermögensverwalter zCapital begrüsst prinzipiell Online-Tools, sieht solche aber auch kritisch: «Mit der elektronischen Abstimmung muss das Stimmgeheimnis gewahrt bleiben.» Dieses sei nicht bei allen Lösungen sichergestellt, da der Verwaltungsrat theoretisch Einsicht ins Abstimmungsverhalten der Aktionäre haben könnte.

«Bei Julius Bär, wo der Vergütungsbericht vor zwei Wochen abgelehnt worden ist, hatte der Verwaltungsrat schon vor der Generalversammlung Kenntnis von der negativen Tendenz bei der umstrittenen Abstimmung», sagt Greber. Etliche Aktionäre möchten aber bevorzugt im Hintergrund bleiben, sagt er. Bei der UBS teilt man diese Bedenken nicht: «Das Portal entspricht höchsten Sicherheitsstandards», sagt UBS-Sprecher Dominique Gerster. Alle Stimmrechtsweisungen würden verschlüsselt übermittelt, so Gerster.