Euro-Krise
Bankenexpertin: «Der Schweizer Franken ist 25 Prozent zu teuer»

Der Euro und Dollar sind im freien Fall. Im Interview mit der az sagt eine Ökonomin voraus, dass sich die beiden Leitwährungen nicht vor dem Jahr 2013 erholen würden.

Roman Schenkel
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US Dollar

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Keystone

Ursina Kubli, der US-Schuldenstreit ist beigelegt. Trotzdem geht die Talfahrt des Dollars weiter. Weshalb?

Ursina Kubli: Die Unsicherheiten sind nur kurzfristig behoben worden. Über den USA hängt jedoch noch immer das Damoklesschwert, ob die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA herabstufen oder nicht. Hinzu kommen erste Anzeichen, dass die US-Wirtschaft schwächer wachsen wird als erwartet. Dies zeigen Wirtschaftsdaten aus den USA. Der am Montag publizierte Einkaufsmanagerindex (ISM) zum Beispiel war viel schlechter als erwartet.

Und unter diesen Umständen bietet der Franken den Anlegern einen sicheren Hafen.

Genau, aber das ist nicht das Problem. Der Franken hatte ja schon immer diese Funktion. Problematisch ist jedoch der Mangel an sichern Häfen. Früher galten neben dem Franken auch der Dollar und der japanische Yen als Hort der Sicherheit. Zurzeit können diese beiden Währungen ihre Funktion nicht wahrnehmen. Der Dollar wegen der drohenden Herabstufung und der lockeren Geldpolitik des US-Fed nicht, der Yen wegen der Deviseninterventionen der japanischen Nationalbank. So bleibt nur der Franken, der zurzeit Rekordstände gegenüber allen Währungen hat.

Auch gegenüber dem Euro. Und dies, obwohl Griechenland gerettet ist. Wieso verliert der Euro dennoch an Wert?

Dass auch Italien ins Visier der Märkte geriet, hat die Euro-Krise auf ein neues Niveau gehoben. Wenn nun die grossen Länder der Europäischen Union in den Schuldenstrudel geraten, würde dies bedeuten, dass die Massnahmen, welche getroffen worden sind, um Griechenland zu ret-ten, nicht mehr ausreichen würden. Denn die Schulden von Italien oder Spanien sind viel höher. Wegen dieser Unsicherheiten verliert der Euro weiter an Wert.

Wie weit geht der Währungszerfall von Dollar und Euro noch?

Wie viel Wert die beiden Währungen gegenüber dem Franken noch verlieren werden, lässt sich nicht sagen. Klar ist, an den Märkten gibt es enorme Verwerfungen. Der Schweizer Franken ist 25 Prozent zu teuer. Gegenüber dem Euro gab es dies noch nie. 1995 war dies gegenüber dem britischen Pfund und dem Dollar der Fall. Damals erholten sich die beiden Währungen innert Jahresfrist. Im Jahr 1996 sind das Pfund und der Dollar sehr stark angestiegen.

Die Normalisierung kommt also?

Sie wird kommen, allerdings in kleinen Schritten. Vor 2013 werden Euro und Dollar kaum die aufgrund der Kaufkraft fairen Werte erreichen.

Ursina Kubli

Ursina Kubli

Aargauer Zeitung

Wo lägen diese fairen Werte für Euro und Dollar?

Beim Euro zwischen Fr.1.35 und Fr. 1.40, beim Dollar bei Fr. 1.10.

Was bedeutet der Währungszerfall für die Schweizer Wirtschaft?

Wenn man nur die Wertentwicklung betrachtet, haben sich die Schweizer Exporte gegen den Währungszerfall erstaunlich robust gezeigt. Betrachtet man aber die Profitabilität, sieht man, dass den Exportfirmen die Margen wegschmelzen. Der Ruf nach Gegenmassnahmen wird deshalb immer lauter.

Was, wenn der Euro die Parität erreichte und der Dollar noch 50 Rappen wert wäre?

Diese Wechselkurse wären fatal für die Schweizer Konjunktur, da die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft massgeblich von Exporten abhängig ist. Produktivitätssteigerungen bei Schweizer Unternehmen könnten den währungsbedingten Wettbewerbsnachteil niemals kompensieren. Die Verlagerung der Produktion ins Ausland und hohe Arbeitslosigkeit wären die Folgen.

* Ursina Kubli ist Ökonomin bei der Bank Sarasin.