BANKENSOFTWARE: Die Bank Raiffeisen kämpft mit Tücken der Technik

Ausgerechnet in ihrem Kerngeschäft kämpft die Nummer eins im Schweizer Hypothekenmarkt mit Softwareproblemen. Das verzögert die Migration der Genossenschaftsbanken auf die neue Plattform.

Thomas Griesser Kym
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Passanten vor der Bank Raiffeisen am Limmatquai in Zürich. (Bild: Keystone)

Passanten vor der Bank Raiffeisen am Limmatquai in Zürich. (Bild: Keystone)

Es ist ein Mammutprojekt: Mit der neuen Bankenplattform ACS will Raiffeisen Schweiz ihr über 20 Jahre altes Informatiksystem namens Dialba ablösen. Doch die neue Software hat ihre Tücken. Statt wie geplant auf das neue Jahr sämtliche 255 Raiffeisenbanken auf die neue Plattform zu migrieren, geschah dies lediglich bei 22 Geldinstituten. Und diese haben mit Kinderkrankheiten der neuen Software zu kämpfen.

Wie der «Tages-Anzeiger» Mitte März berichtete, kam es bei diesen Pilotbanken zu Fehlern in der Berechnung der Hypothekarzinsen. Nun zeigt sich, dass dies lediglich die Spitze des Eisbergs ist: Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi bestätigt Informationen unserer Zeitung, wonach diese Banken allesamt auch mit Schwierigkeiten kämpfen bei der Gewährung von Hypothekar­krediten. «Die Vergabe von Hypotheken sorgt für Probleme und muss teilweise mit manueller Unterstützung abgewickelt werden», sagt Chiavi. Dies betreffe «aber nur das Neugeschäft der 22 Pilotbanken». Laut den Informationen, die unserer Zeitung auf Seiten von Exponenten der Raiffeisenbanken und von Kunden vorliegen, verzögern und erschweren die Softwareprobleme die Gewährung von Hypotheken teils erheblich oder verunmög­lichen sie in Einzelfällen gar.

Statt per 1. Januar 2018 auf die neue Plattform zu migrieren, hätten es dann auf diesen Zeitpunkt noch 60 sein sollen. Warum es zuletzt lediglich deren 22 wurden, erklärte Rolf Olmesdahl, Leiter des Departements IT & Services bei Raiffeisen Schweiz, Mitte März gegenüber dem Blog inside-it.ch mit einer Notwendigkeit von Abstrichen an der definitiven Auswahl der Migrationsbanken. Demnach haben sich einerseits einzelne der vorgesehenen Banken entschieden, später zu migrieren. Angeblich ist bei diesen der Respekt vor der neuen Plattform enorm gewesen. Andererseits, sagt Olmesdahl, habe die Projektleitung einzelne zur Ablösung von Dialba anvisierte Banken abgelehnt. Olmesdahl sagt, nach Einführung der neuen Software bei den 22 Pilotbanken habe sich «an drei Punkten Nachholbedarf gezeigt». Am wichtigsten seien Verbesserungen im Kernbereich, «nämlich in der Hypothekarverarbeitung». Dieses Modul sei «von Grund auf neu entwickelt worden», und es habe «bei wenigen Kunden» bei den 22 Banken zu Berechnungsproblemen geführt. Die Probleme bei der Hypothekenvergabe erwähnte Olmesdahl mit keinem Wort. Zweitens müsse die Schulung verbessert werden, und es gelte, den Support zu verstärken, um alle Landessprachen ausreichend abzudecken. Drittens hätten die zunächst freigeschalteten 64 Prozessorkerne (Cores) des Unix- Betriebssystems AIX nicht die notwendige Leistung gebracht. Wie geht es nun weiter mit der Einführung der Kernbankenlösung ACS? Chiavi richtet aus, «wir werden im Verlaufe dieses Jahres migrieren, angedacht ist bis Mitte des Jahres». Auffahrt und Pfingsten seien weiterhin «mögliche Migrationsfenster».

Thomas Griesser Kym