BASEL: Blocher ist nun offiziell der starke BaZ-Mann

Seit zwei Jahren ist SVP-Politiker Christoph Blocher im Hintergrund der «Basler Zeitung» aktiv. Mit seinem offiziellen Einstieg von gestern wird Transparenz geschaffen.

Lukas Scharpflukas Scharpf
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Christoph Blocher als Nationalrat an einer Medienkonferenz im Sommer letzten Jahres in Bern. (Bild: Keystone)

Christoph Blocher als Nationalrat an einer Medienkonferenz im Sommer letzten Jahres in Bern. (Bild: Keystone)

«Es ist ein Vollzug längst bekannter Tatsachen», beurteilte der Kenner der Zeitungsbranche Karl Lüönd die gestrige Meldung. «Das ist eine formelle und transparente Umsetzung der Machtverhältnisse, die hinter den Kulissen längst besteht», erklärt Medienwissenschaftler Roger Blum. Der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Blocher ist seit gestern offiziell Mitbesitzer der «Basler Zeitung» (BaZ). Damit hat das Versteckspiel ein Ende. Blocher übernimmt via seine Firma Robinvest von Tettamantis Medienvielfalt Holding (MVH) 20 Prozent des Aktienkapitals der BaZ-Holding. Blocher soll zudem Verwaltungsrat werden, wie die MVH gestern mitteilte.

Bereits seit 2009, nachdem der Tessiner Investor Tito Tettamanti die in Schieflage geratene Zeitung kaufte, zog Blocher im Hintergrund viele, wenn nicht gar alle Fäden. Er agierte als umstrittene Person im Hintergrund, weil seine Robinvest einen Beraterauftrag erhielt, als die Familie Hagemann die BaZ-Gruppe 2010 an Tito Tettamanti und Martin Wagner verkaufte. Über Basel hinaus erklangen die Forderungen, Transparenz über die Besitzerverhältnisse zu schaffen. Auch die Basler Regierung forderte dies mit Nachdruck.

Für die 20 Prozent der Aktien bezahlt Blocher «nur» 306 000 Franken. Wie Tettamanti in einem gestern publizierten Interview mit der BaZ sagte. Zusätzlich übernimmt Robinvest, die Firma von Christoph Blocher und seiner Tochter Rahel, 40 Millionen Franken Darlehen, welche die MVH der BaZ-Holding gewährt. Nachdem Tettamanti und Wagner im November 2010 die BaZ-Gruppe an den früheren Crossair-Patron Moritz Suter verkauft hatten und sich dieser nach einem Jahr wieder zurückzog, gehörte die BaZ für kurze Zeit Blochers Tochter Rahel. Im November 2011 stieg schliesslich erneut Tettamanti mit seiner neu gegründeten MVH ein.

Schliessung der Druckerei

Die Sanierung der BaZ-Gruppe ist Blochers Machwerk. Er strebt dabei eine «Basler Zeitung nackt» an. Also nur einen Verlag mit einer Zeitung. Die Druckereischliessung Ende März 2013 war die einschneidendste Massnahme bei der Sanierung der BaZ-Holding. 72 Mitarbeiter verloren ihre Stelle. Blocher leistete zudem eine Defizitgarantie für mögliche Verluste bei der Restrukturierung der defizitären Druckerei. Das Ziel einer schlanken BaZ-Gruppe unterstützte der neue Mitbesitzer unter anderem auch damit, dass er dem Unternehmen nicht mehr benötigte Immobilien abkaufte. Zusätzlich sanierte er die Pensionskasse der Mitarbeiter mit 15 Millionen Franken.

Die Idee für die Beteiligung Blochers sei von der MVH ausgegangen, so Tettamanti im Interview. Nachdem Blocher so viel zur Sanierung beigetragen habe, wolle Tettamanti ihm die Möglichkeit geben, ebenfalls von den Früchten des Erfolgs zu profitieren. Die BaZ könnte dieses Jahr eine schwarze Null als Geschäftsergebnis schreiben, 2014 solle die BaZ-Gruppe endlich wieder Profit abwerfen.

Karl Lüönd. (Bild: Keystone)

Karl Lüönd. (Bild: Keystone)

«Ich glaube Tettamanti sogar, Blocher hat so viel reingesteckt, dass er an der Verteilung der Beute beteiligt werden soll», sagt Karl Lüönd. Das ändere aber nichts an seiner grundsätzlichen Skepsis am Einstieg reicher Leute in Zeitungsunternehmen. «Mich wundert, dass Christoph Blocher als erfolgreicher und kompetenter Unternehmer in ein Geschäftsmodell aus dem 19. Jahrhundert investiert, die politische Parteizeitung», sagt Lüönd. Dieser Typ Zeitung sei nicht mehr gefragt und auch nicht mehr glaubwürdig. «Aber vielleicht will er sich wirklich nicht in die redaktionelle Ausrichtung einmischen, und es geht um etwas anderes», sagt Lüönd.

Ist es nur ein teures Hobby?

Das Investment sei für den Milliardär eine kleine Sache. «Der Kauf dieser Zeitung ist bei Blochers Verhältnissen etwa so, als würden wir uns einen zweiten Hund kaufen», sagt Lüönd. Und vielleicht erfülle die BaZ diesen Zweck. «Es macht Freude, man kann es streicheln. Natürlich rentiert es nicht, aber man kann es sich ja leisten.» Redaktionelle Wechsel werden keine erwartet. Roger Blum: «Ausser, dass Christoph Blocher jetzt auch an Verwaltungsratssitzungen teilnimmt, ändert sich wenig. Publizistisch ist mit Markus Somm ja bereits ein Chefredaktor installiert, der stramm auf der Linie Blochers läuft.»