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BASEL: Clariant-CEO: «Das ist absoluter Schmarren»

Clariant-Chef Hariolf Kottmann verteidigt das Fusionsvorhaben mit Huntsman und wehrt sich gegen Vorwürfe von Kritikern gegen seine Person. Europa bezeichnet der CEO als wachsenden Markt für die Chemiebranche.
Daniel Zulauf und Andreas Möckli
Clariant-CEO Hariolf Kottmann: «Die Fusion ist die beste Option zur Fortführung unserer Erfolgsgeschichte.» (Bild: Siggi Bucher, Keystone)

Clariant-CEO Hariolf Kottmann: «Die Fusion ist die beste Option zur Fortführung unserer Erfolgsgeschichte.» (Bild: Siggi Bucher, Keystone)

Interview: Daniel Zulauf und Andreas Möckli

Hariolf Kottmann, Sie zeigen ermutigende Geschäfts­zahlen zum ersten Halbjahr. Hätte Clariant nicht doch alleine, ohne Huntsman, weitermachen können?

Selbstverständlich könnten wir die Zukunft auch selber bestreiten. Wir hatten keine Veranlassung zu fliehen. Wir entwickeln uns gut nach vorne. Ich hätte mir das zwar selber manchmal etwas schneller vorgestellt. Aber das hat wohl mehr mit meiner eigenen Ungeduld zu tun. Dennoch ist die Fusion die beste Option zur Fortführung unserer Erfolgsgeschichte. Wir schaffen eine neue Firma – ein ganz anderes Unternehmen in puncto Grösse, Profitabilität und Innovationskraft. Die neue Firma wird stabiler und hat viel mehr Möglichkeiten, als sie Clariant alleine hat.

Die beiden Hedgefonds, die sich als Clariant-Aktionäre öffentlich gegen die Fusion gestellt haben, behaupten, es gäbe bessere Möglichkeiten, den Aktionärswert zu steigern. Sie meinen vor allem einen Verkauf von Clariant.

Seit ich Konzernchef von Clariant bin, und das sind knapp neun Jahre, gab es keinen einzigen Versuch eines anderen Unternehmens, mit uns über eine Übernahme zu sprechen. Das Thema wird von zwei, drei Interessengruppen getrieben, die damit spielen. Man kann natürlich sagen, Clariant sei ein Übernahmeziel. Das kann man auch von anderen Firmen sagen. Aber es bleibt eine Tatsache, dass wir, seit ich hier sitze, noch nie ein Angebot erhalten haben. Es hat nicht einmal einen Telefonanruf gegeben, während dem mir ein Berufskollege zu verstehen gegeben hätte, dass wir ein interessantes Kaufobjekt wären.

Aus dem Kreis der oppositionellen Aktionäre stammt die Behauptung, Sie hätten mit der Fusion auch das persönliche Ziel im Auge, Verwaltungsratspräsident zu werden. Was sagen Sie dazu?

Das ist absoluter Schmarren. Ich habe meine persönlichen Interessen in meinem ganzen Berufsleben immer zu Gunsten der Firma zurückgestellt, für die ich verantwortlich war. Es ist absurd zu glauben, zwei Firmen konstruieren eine solche Fusion, damit ein Manager persönlich vorsorgen kann. Mich muss niemand versorgen. Ich bin intellektuell und finanziell komplett unabhängig. Ich kann mir ein Leben ohne Clariant jederzeit vorstellen. Machen Sie sich um mich keine Sorgen.

Haben Sie mit den beiden Hedgefonds bereits Gespräche geführt?

Wir reden grundsätzlich mit allen Aktionären. Das gilt natürlich auch für die beiden US-Hedgefonds, die etwas mehr als 10 Prozent unserer Aktien halten. Wir haben vereinbart, dass wir uns über den Inhalt dieser Gespräche im Detail nicht öffentlich äussern. Aber wir führen sehr konstruktive und sehr positive Diskussionen.

Ihre Nachbarin Lonza zeigt sich in einem hervorragenden Zustand. Die Firma war früher auch ein breit aufgestelltes Chemieunternehmen. In­zwischen hat sich Lonza sehr stark spezialisiert, investiert viel und schafft Arbeitsplätze in der Schweiz. Wäre eine solche Transformation auch für Clariant noch möglich?

Man muss die Geschichte jedes Unternehmens für sich verstehen. Clariant ist kein organisch gewachsenes Chemieunternehmen. Wir sind aus einer Abspaltung von Sandoz und einer Akquisition von Hoechst sowie weiteren Zukäufen entstanden. Ob ein Chemieunternehmen eine Transformation in Richtung Biotechnologie machen muss, hängt stark davon ab, woher die Firma kommt und welches die Stärken des Portefeuilles sowie die Stärken der Mitarbeiter sind. Aber für Clariant wäre der Weg, den Lonza gegangen ist, mit Sicherheit nicht gangbar gewesen. Der Weg, den wir gehen, ist der bessere für uns.

Das grosse Wachstum der Chemiebranche findet auf dem asiatischen Kontinent statt. Verabschiedet sich die Chemie von Europa?

Nein, Europa ist ein grosser, stabiler und seit kurzem auch in der Chemie wieder ein deutlich wachsender Markt. Clariant hat eine starke Position auf dem europäischen Kontinent. Wir brauchen hier zwar keine neuen Kapazitäten, aber wir haben auch nicht vor, Kapazitäten hier zu schliessen, um sie nach Asien zu verlegen.

Die EU führt eine Untersuchung über Preisabsprachen im Ethylen-Handel und hat auch Clariant auf der Liste. Was können Sie darüber sagen?

Wir kennen keine Einzelheiten zur Untersuchung. Die Behörde hat uns gebeten, keine Stellungnahme abzugeben.

Wie wichtig ist Ethylen für Clariant?

Es ist ein wichtiges Vorprodukt für uns – eine petrochemische Basischemikalie. In unserem Werk im bayrischen Gendorf kaufen wir Ethylen aus einem Pipelinesystem, das im Norden Deutschlands beziehungsweise von einer Anlage in Österreich gespiesen wird. Wir brauchen den Rohstoff für Hunderte, wenn nicht Tausende von Produkten, wo er bei Shampoos, Körperlotionen und so weiter als Weichmacher eingesetzt wird.

Wann stimmen die Clariant-Aktionäre über die Fusion mit Huntsman ab?

Die Generalversammlung findet voraussichtlich im Oktober oder November statt. Hundert Leute sind seit Juni intensiv mit der Vorbereitung der Fusion beschäftigt. Alle Anmeldungen bei den Wettbewerbsbehörden sind gemacht. Gleichzeitig müssen wir verschiedene Entwicklungen abwarten, ehe wir das Datum für die GV festlegen können.

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