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BASEL: Zeit, über Bank Cler zu reden

Eben erst gab sich die Bank einen neuen Namen und einen frischen Auftritt. Nun verlässt nach nur zwei Jahren der CEO das Unternehmen. Hinter dem abrupten Abgang wird ein Krach in der Chefetage vermutet.
Daniel Zulauf
Der zurückgetretene Cler-CEO Hanspeter Ackermann (links) mit Verwaltungsratspräsident Ralph Lewin (Mitte) und Andreas Sturm, CEO der Basler Kantonalbank, traten im Frühling noch zusammen auf. (Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 23. März 2017))

Der zurückgetretene Cler-CEO Hanspeter Ackermann (links) mit Verwaltungsratspräsident Ralph Lewin (Mitte) und Andreas Sturm, CEO der Basler Kantonalbank, traten im Frühling noch zusammen auf. (Bild: Patrick Straub/Keystone (Basel, 23. März 2017))

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

Ein halbes Jahr lang suchte die frühere Bank Coop einen Nachfolger für Andreas Waespi. Im Dezember fand man in der Person des Credit-Suisse-Managers Hanspeter Ackermann endlich die «ideale Besetzung für die CEO-Funktion». Ackermann ha­be «mit Erfolg durch Aufbau und Veränderungsprozesse geführt», hiess es im Dezember 2014 in der Medienmitteilung.

Hanspeter Ackermann war als Hoffnungsträger von Zürich nach Basel gekommen. Sein Vorgänger musste die Bank unvermittelt verlassen, nachdem die Finma ein Berufsverbot gegen ihn wegen Marktmanipulation in den eigenen Aktien ausgesprochen hatte. Andreas Waespis frühere Stellvertreterin und Vertriebschefin Sandra Lienert trat nach einer etwa siebenmonatigen Phase der interimistischen Leitung wieder ins zweite Glied zurück. Gestern gelangte die inzwischen in Bank Cler umgetaufte BKB-Tochter mit einer neuen Chefpersonalie an die Öffentlichkeit. Diesmal hiess es, Sandra Lienhart verfüge «sowohl fachlich als auch persönlich über beste Voraussetzungen für die Aufgabe als Vorsitzende der Geschäftsleitung».

Fehlende Worte des Bedauerns

Diesen Job hat die 51-Jährige nun doch noch bekommen, denn Ackermann verlässt das Unternehmen nach nur zwei Jahren «aufgrund unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Führung der Bank». Die Leistungen des stets jovial auftretenden Mannes, der nicht nur gleich heisst wie der frühere Chef der Deutschen Bank, sondern auch noch aus dem gleichen Dorf stammt (Mels SG), wird in der Medienmitteilung für sein «grosses Engagement» verdankt, aber es fehlt auch nur ein Wort des Bedauerns über den abrupten Abgang des CEO.

Bei Nachfragen über die Hintergründe des offensichtlich ganz unvermittelt aufgetretenen Streites gibt sich die Bank maximal schmallippig: «Unterschiedliche Auffassungen über die Führung» ist alles, was man zu hören bekommt, sowohl aus dem Mund der Pressesprecherin als auch des Verwaltungsratspräsidenten Andreas Sturm.

Das ist herzlich wenig für eine Bank, die sich selber im Rahmen ihres Namenswechsels im Mai einen besonders transparenten Anstrich geben wollte. «Zeit, über Geld zu reden», lautet der Claim, den man mit einem millionenschweren Werbe- und Marketingaufwand seither im ganzen Land unter die Leute bringt.

Abgrenzungsdifferenzen zwischen BKB und Cler

So bleiben vorerst nur Vermu­tungen über die tieferen Ursachen des Zwistes. Naheliegend wäre zum Beispiel der Gedanke, dass man sich zwischen BKB und Bank Cler über die Verteilung der Konzernsynergien nicht einig wurde. Zwar konnte die Bank Cler Ende 2015 rund 50 Mitarbeiter an die Konzernmutter übertragen und dadurch Lohnkosten einsparen.

Dafür aber ist bei der Bank Cler der Sachaufwand gestiegen für konzernintern verrechnete Dienstleistungen. 2016 betrug diese Differenz rund 2,5 Millionen Franken zu Gunsten der BKB. Für einen CEO, der im Zusammenhang mit dem neuen Auftritt seiner Bank Sonderkosten von gegen 20 Millionen Franken oder mehr als 40 Prozent eines Jahresgewinns stemmen muss, können ein paar Extramillionen an Kosten schnell nervenaufreibende Wirkung entfalten.

Umso mehr, als die Bank Cler mit der gestern angekündigten Schaffung eines neuen Geschäftsbereichs für die digitale Transformation weitere finanzielle Belastungen stemmen muss. Was den Ausschlag für den Eclat gegeben hat, bleibt vorerst also unklar. Klar ist aber für die Bank, dass dieser Chefwechsel «problemlos vorgenommen werden kann» und somit keinen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Das tönt fast so, als hätte man auf die Mitteilung verzichten können. Nicht von ungefähr schreibt das Börsengesetz aber die sofortige Kommunikation solcher Managerwechsel vor.

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