Basler jubeln über die Stilllegung des AKWs Fessenheim: «Die Erleichterung in der Bevölkerung ist sehr gross», sagt ein Politiker und Aktivist.

Die Stilllegung des AKWs Fessenheim im Elsass sorgt in der Schweiz vor allem in der Region Basel für Erleichterung. Das älteste Kraftwerk Frankreichs gilt als unsicher und schlitterte 2014 knapp an einem Supergau vorbei.

Interview: Gabriela Jordan
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Alt-Nationalrat Rudolf Rechsteiner beim AKW Fessenheim im Elsass. Für dessen Stilllegung hat er sich seit Jahrzehnten eingesetzt. (Bild: Roland Schmid)

Alt-Nationalrat Rudolf Rechsteiner beim AKW Fessenheim im Elsass. Für dessen Stilllegung hat er sich seit Jahrzehnten eingesetzt. (Bild: Roland Schmid)

Das Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass ist keine rein französische Angelegenheit. Über die Stromkonzerne BKW, Axpo und Alpiq sind auch etliche Schweizer Gemeinden und Kantone daran beteiligt. Die Stilllegung vom Reaktor 1 am kommenden Samstag sorgt in der Schweiz nun vor allem in der Region Basel für Erleichterung. Das älteste Kraftwerk Frankreichs gilt als unsicher und schlitterte 2014 knapp an einem Supergau vorbei. Aktivisten und Politiker bekämpfen es seit Jahren. Einer von ihnen der der ehemalige SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner, der 2005 den Trinationalen Atomschutzverband mit Sitz in Basel (Tras) gegründet hat. Diesem gehören um die hundert Gemeinden und Städte aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland an.

Nach jahrelangen Protesten geht das Atomkraftwerk Fessenheim kommenden Samstag vom Netz. Wie gross ist die Erleichterung in der Bevölkerung?

Rudolf Rechsteiner: Die Erleichterung ist sehr gross. Für die Bürger in der Region Basel ist die Stilllegung ein wahnsinniger Sicherheitsgewinn. Die Leute verdrängen die Bedrohung durch Atomkraftwerke natürlich, aber vor allem seit dem Reaktorunfall in Fukushima ist sie wieder präsent, denn die Region am Oberrhein und am Hochrhein wird wiederkehrend von Erdbeben heimgesucht. Die Basler Politik stellt sich voll und ganz hinter die Schliessung. Es ist ein parteiübergreifendes Anliegen. Ganz sicher können wir aber erst sein, wenn im Juni das zweite Werk geschlossen wird – und wenn die hochradioaktiven Brennstäbe tatsächlich vom Gelände entfernt werden. Letzteres dauert sicher noch fünf Jahre.

Was ist beim Kraftwerk Fessenheim das grösste Problem?

Das grösste Problem ist die mangelnde Erdbebensicherheit. In der Region Basel hatten wir schwere Erdbeben, für die das 1977 gebaute AKW Fessenheim nicht gerüstet ist. Auch jetzt müssen wir noch befürchten, dass der Rhein-Rhône-Kanal im Fall eines Erdbebens nicht dicht bleibt. Da der Kanal das Kühlwasser für das Kraftwerk liefert, wäre das verheerend. Bis heute konnte das Kraftwerk nicht aufzeigen, dass es eine ausreichende Notkühlung hat, wenn die primäre Kühlquelle versiegt.

Wie sind Sie gegen das Kraftwerk Fessenheim vorgegangen?

Wir protestieren seit 15 Jahren gegen das Kraftwerk und haben in Paris ungefähr ein halbes Dutzend Prozesse gegen die Betreiber geführt. Das hat dazu geführt, dass die französische Aufsichtsbehörde genauer hingeschaut und Sicherheitsmängel identifiziert hat. Die angeordneten Massnahmen wurden aber nie umgesetzt, die Betreiber spielten auf Zeit, und nun müsste die französische Elektrizitätsgesellschaft viel Geld in die Hand nehmen. Deshalb hat sie auf den Weiterbetrieb verzichtet. Unser zweiter Fokus ist das Atomkraftwerk Beznau, gegen das wir ebenfalls rechtlich vorgehen. Für Beznau wurden Sicherheitsvorschriften verwässert, damit es länger betrieben werden kann. Aktuell stehen wir deshalb im Rechtsverfahren gegen das Bundesgericht. Das Problem der mangelnden Erdbebensicherheit ist aktenkundig und betrifft Beznau genauso wie Fessenheim.