BAU: Noch viele Lehrstellen sind frei

Der Zentralschweizer Baumeisterverband schlägt Alarm. Der Bauwirtschaft fehlen Maurer und Strassenbauer. Langfristig wird dies zu grossen Problemen in der Wachstumsbranche führen.

Bernard Marks
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Nachwuchssorgen in der Baubranche. Im Bild Arbeiter auf einer Baustelle in Emmenbrücke. (Bild Pius Amrein)

Nachwuchssorgen in der Baubranche. Im Bild Arbeiter auf einer Baustelle in Emmenbrücke. (Bild Pius Amrein)

Der 19-jährge David freut sich. Denn wenn er im Sommer seine Lehre als Maurer abschliesst, wird er von seinem Betrieb übernommen. Zudem winkt ihm ein Monatslohn, den kaum ein Kollege in seinem Alter verdient. Mit 5553 Franken im Monat ohne Zulagen und ohne 13. Monatsgehalt verdient David mit seiner abgeschlossenen Lehre im Bauhauptgewerbe überdurchschnittlich gut. Zum Vergleich: Als ausgelernter Schreiner mit einem Jahr Berufserfahrung verdient man heute 4000 Franken.

Ob Maurer, Polier oder Bauleiter, kaum eine andere Branche bietet neben hohen Löhnen ähnlich gute Aufstiegschancen wie die Bauwirtschaft. Trotzdem klagt der Berufsstand über einen Fachkräftemangel. Damit nicht genug – jetzt bleiben auch die Lehrlinge aus. Per Anfang Februar melden Firmen aus Luzern noch 33 offene Lehrstellen im Bereich Maurer oder im Strassenbau. Auch in den übrigen Kantonen der Zentralschweiz fehlen Lehrlinge.

Überhang in städtischen Regionen

«Man merkt, dass es immer schwieriger wird, die Lehrstellen mit guten Schulabgängern zu besetzen», sagt Kurt A. Zurfluh (46), Geschäftsführer der Zentralschweizerischen Baumeisterverbände. Die Tendenz zeige, dass es in Zukunft schwieriger werden wird, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren. Zurfluh sieht hierin eine grosse Herausforderung für die Branche insgesamt. Einen Überhang gibt es laut Zurfluh vor allem in städtischen Regionen. «Es macht den Anschein, dass in diesen Regionen das Handwerk an Stellenwert verliert», sagt Zurfluh. «Das stellt uns vor eine schwere Aufgabe, welche nicht unterschätzt werden darf», sagt Zurfluh. Denn die Arbeitsplatzkette fange mit der Grundausbildung an. «Wenn diese schon nicht bestückt werden kann, fehlt es zwangsläufig auch in Zukunft an Kadermitarbeitern», sagt Zurfluh.

Auf dem Bau in der Minderheit

Wer heute eine Baustelle in der Schweiz besucht, wird schnell feststellen, dass Schweizer Facharbeiter hier in der Minderheit sind. Lediglich 35 Prozent der Mitarbeiter im Bauhauptgewerbe stammen aus der Schweiz. Die übrigen 65 Prozent rekrutieren sich aus Ländern der EU. Ein Grossteil der Arbeitskräfte stammt aus Portugal, Italien oder aus den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien. Auch viele Fachkräfte aus Deutschland, Frankreich und Spanien sind auf Schweizer Baustellen beschäftigt.

«Die Baubranche tut gut daran, in Zukunft den Fokus vermehrt auf die Förderung ihres eigenen Nachwuchses zu legen, ihre Marketingaktivitäten konsequent darauf auszurichten sowie entsprechende Initiativen zu unterstützen», sagt Zurfluh. Eine Herausforderung, welche seiner Ansicht nach auch andere Berufsgruppen annehmen müssen. «Unsere Aufgabe ist es, Interesse zu wecken, Möglichkeiten aufzuzeigen und die interessanten Anstellungsbedingungen ins Zentrum zu stellen», sagt Zurfluh. Er ist überzeugt, dass in Zukunft das Handwerk einen wichtigeren Stellenwert in der Gesellschaft einnehmen wird, als dies heute der Fall ist. Die Baubranche verfuge über attraktive Lehrstellen und Arbeitsplätze, dies dürfe aber kein Insiderwissen bleiben. «Hier sind die Baubranche und der Verband respektive die Branchenorganisationen gefordert», sagt Zurfluh.

Mit dem Werbemobil auf «Tour»

Die Zentralschweizerischen Baumeisterverbände sind zusammen mit ihren Mitgliedsfirmen aus diesem Grund bereits sehr aktiv auf dem «Lernendenmarkt». «Wir wollen die Jugendlichen informieren und aufzeigen, dass sie mit einer soliden, handwerklichen Grundausbildung das Fundament für eine beruflich interessante Zukunft legen können, welche ihnen viele Wege offen lässt», sagt Zurfluh. Übrigens – im Bauhauptgewerbe ist auch das weibliche Geschlecht jederzeit willkommen und sehr geschätzt, wenn es darum geht, eine Lehre zu absolvieren. Im Anschluss daran bietet das Bauhauptgewerbe interessante Weiterbildungsmöglichkeiten, um andere Funktionen übernehmen zu können. Der Baumeisterverband ist mit seinem Infomobil von April bis Oktober in der Zentralschweiz auf Werbetour. «Damit wollen wir an zahlreichen Schulen in der Region die guten Ausbildungsmöglichkeiten unserer Branche aufzeigen», sagt Zurfluh.